Warten auf Krausser: "Haltestelle. Geister"

Helena Barop

Der Abschlussjahrgang der Schauspielschule spielt im E-Werk "Haltestelle.Geister" von Helmut Krausser. Die Begegnungen an einer Bushaltestelle in der Nacht erzählen vom Leben, vom Sterben und von Menschen auf der Suche. Helena skizziert, was die Besucher erwartet.



Dunkelheit. Klassische Musik setzt ein, dann erscheint eine dunkle Gestalt in einem einzelnen, senkrechten Spotlight. Sie ist blond, trägt mörderische High-Heal-Stiefel und der Rauch ihrer Zigarette steigt in den Lichtkegel über ihr.


Nach und nach erscheinen seltsame Figuren an der "Haltestelle Geister". Eine flippige Frau im Schlabberkleid erzählt dem Verkäufer vom Grillimbiss, sie sei die Königin des Planeten Falula. Ein sweatshirtbekleideter Dealer verkauft ihr seine grünen Pillen. Aufgedrehte Girlies stehlen einem großherzigen Zeitgenossen sein Geld. Sie alle warten, sie suchen, manche kennen sich. Es fährt kein Bus mehr. Immer wieder wird es schwarz, nur das Bushaltestellenlicht flackert und lässt die geisterhaften Schemen der Wartenden für eine Sekunde erscheinen.



"Vermutlich ist alles, was ich tun kann, gleichermaßen sinnlos", erkennt eine der Gestalten verwundert. Oder nicht? Erst der Tod, der überraschend ins Bewusstsein der Wartenden tritt, öffnet ihnen die Augen. "Du lebst, du Trottel! Mach was draus!"

Die mitreißende Spielfreude der Schauspielschüler wird nicht zuletzt durch die schrulligen Charaktere noch mehr angefeuert. Das Stück ist die Abschlussarbeit des Jahrgangs an der Schauspielschule Freiburg, die jungen Schauspieler geben alles.  Als dynamische Gruppe steigern sie sich hinein in die Absurdität der Situation, die rätselhaften und durchgeknallten Dialoge sind mal komisch, mal tiefgründig. Unterhaltsam und aufrüttelnd wollen sie dem Zuschauer klarmachen, wie wertvoll jedes einzelne Leben ist.

"Vielleicht werden wir abgeholt, wenn's Zeit ist", hofft einer der Wartenden. Ob sich seine Ahnung erfüllt, könnt ihr nächstes Wochenende noch dreimal herausfinden. Es lohnt sich.

Mehr dazu:


  • Wann? 23./24./25. März, jeweils 20 Uhr
  • Wo? KIEW - Kammerspiele im E-Werk, Eschholz-Str. 77, 79106 Freiburg
  • Karten: €12, ermäßigt €9, Gruppen ab zehn Personen €7
  • Karten reservieren: 0761-381191