Warner startet Video-Tauschbörse in Deutschland

Markus Hofmann

Das könnte eine kleine Gegenrevolution in der Medienbranche auslösen! Das amerikanische Wall Street Journal berichtete gestern, dass der US-Medienkonzern Warner Bros. ausgerechnet in Deutschland mit einer Technologie experimentieren will, die die gesamte Unterhaltungsbranche bislang verteufelt hat: P2P-Tauschnetzwerke.

Napster, Morpheus, KaZaA - so heißt das diabolische Tauschbörsentriumvirat, das der gesamten Musikindustrie größere Kopfschmerzen bereitet hat als ein gepflegter Oktoberfest-Vollrausch. In Kooperation mit dem deutschen Medienkonzern Bertelsmann will Warner in der Bundesrepublik, in Österreich und der Schweiz nun zur Gegenoffensive starten und eine legale P2p-Plattform namens In2Movies starten, über die man sich Filme und TV-Serien downloaden kann. Der Launch des Tauschnetzwerks soll bereits im März erfolgen. Was bietet In2Movies? Die Plattform wird nicht kostenlos sein! Gegen eine noch nicht genannte Gebühr können sich die Kunden von In2Movies (subjektives Urteil: beknackter Name) Videofilme aus dem Internet legal downloaden und mit anderen Usern tauschen. Die Welt berichtet, dass der Preis eines Online-Downloads etwa dem einer Kauf-DVD entsprechen soll.Welche Filme kann man downloaden?Warner will Blockbuster wie "Harry Potter" und "Batman" sowie TV-Serien wie "O.C. California" oder "Friends" online anbieten. Zum Start möchte Warner 80 Filme und Serien zugänglich machen.Das klingt nach einem normalen Download-Shop. Warum ist In2Movies eine Tauschbörse? Zunächst: Die Technologie ist verwandt mit dem immer populärer werdenden Filesharing-Protokoll BitTorrent, das es ermöglicht, auf effiziente Weise gigantische Datenmengen im Netz zu verbreiten. Das Besondere an In2Movies ist: Wer sich einen Film käuflich erworben und auf den PC gesaugt hat, kann diesen Film an andere Interessenten weiter geben, die dafür wiederum einen Preis bezahlen müssen. Die Welt berichtet, dass die Kunden von In2Movies für diese Vermittlungsleistung durch einen Gutschein oder eine Geldgutschrift belohnt werden sollen. In gewissem Sinne werden aus Videokäufern also Videotheken. Zweiter wichtiger Aspekt: In solch einem P2P-Netzwerk könnten Filme wesentlich schneller auf den PC gesaugt werden als bei herkömmlichen Video-on-Demand-Shops. Diesen Beweis muss In2Movies allerdings erst noch erbringen.Je nachdem, wie benutzerfreundlich die Technik (und vor allem die Preisschilder) von In2Movies sind, könnten Video-Downloads in diesem Jahr also einen richtigen Schub erfahren. Wenn das Preismodell jedoch nach Abzocke riecht und das digitale Rechtemanagementsystem (DRM) zu restriktiv ist, so hat die Tauschbörse schnell das Image einer Täuschbörse.Mehr dazu:- Auszüge aus der offiziellen Pressemitteilung gibt es auf Digital Movie- Warner scheint sich vorerst auf den Vertrieb von Videos zu beschränken. Sollte irgendwann einmal auch ein Tauschnetzwerk für Musik gestartet werden, so müssten die Warner-Manager mit der Musik- und Kulturinitiative Ingolstadt verhandeln - die ist gegenwärtig auf der Domain www.in2music.de anzutreffen.