Wallgraben spielt Loriot: Lachen, bis das Spiegelzelt wackelt.

Thalia Hirsch

Kann man eigentlich noch über Witze lachen, die man schon X-Mal gehört hat? Logisch! Zumindest bewiesen das die Zuschauer des ausverkauften Theaterstücks "Ach was! Loriot!" des Wallgraben Theater am Montagabend im Spiegelzelt.

Die zum großen Teil über 50-jährigen Zuschauer lachen bei den aufgeführten Sketchen was das Zeug hält, sodass man Angst um das Spiegelzelt bekommen könnte. Genau wie beim echten Vicco von Bülow alias Loriot streitet sich auch hier ein Pärchen darüber, wer Schuld daran ist, dass es sich noch nicht auf dem Weg ins Theater befindet. Und obwohl viele hier Anwesenden mit Loriots Sketchen sozialisiert worden sein müssten und wahrscheinlich das Streitgespräch des Ehepaars besser auswendig können, als die Schauspieler selbst, so sind die aufgeführten Szenen doch keine Kopien von Loriot, sondern bieten vollkommen neue Sichtweisen auf die Loriot’sche Gesellschaftskritik.


Die Schauspieler variieren sehr stark, mal spielt nur ein einziger Schauspieler einen Sketch, mal sind es sechs. Die Bühne hingegen ändert sich kaum, dafür wird aber viel improvisiert: Ein Dirigent steht mit seinem Notenständer auf einem Tisch, an dem nur ein paar Minuten später ein Ehepaar sitzen wird. Besonders Loriots Klassiker, wie die Jodelschule, scheinen dem Publikum zu gefallen: Als erklärt wird, „Du dodel dö ist 2. Futur beim Sonnenaufgang“ fangen auch ältere Menschen an zu kichern, wie kleine Kinder.

Zu Beginn vergleicht man die Schauspieler unbewusst ständig mit Evelyn Hamann und Loriot. Aber wenn man sich klar macht, dass es undankbar ist, die Akteure an den beiden unschlagbaren Berühmtheiten zu messen, merkt man wie einzigartig die Schauspieler vom Wallgraben Theater ebenfalls sind. Besonders Heinz Meier, der selbst einmal in Loriots Sketchen mitgespielt hat, überragt auf der Bühne. Wenn man sich erst einmal darauf einlässt, dass das Sofa hier rot statt grün ist, dann kann man die Veränderungen richtig genießen. Dass Herr Hoppenstedt die „Zeit“ liest, und der Rundfunkmoderator vom SWR kommt, bringt die Leute zusätzlich zum Schmunzeln. Auch die nichtssagende Politikerin, die Claudia Roth zum verwechseln ähnlich sieht, bringt neue Fassetten in die alten Loriot-Sketche.

Als Zuschauer wundert man sich, wie es den Schauspielern gelingt, Wörter wie „Schnurzeldipirzel“ in ihre Sketche mit einzubinden, ohne sich zu verhaspeln. Doch wenn es nötig ist, schaffen es die Schauspieler ebenfalls, etwas falsch auszusprechen: Regine Effinger verhaspelt sich bei der Ansage des Krimis „Die zwei Cousinen“ gekonnt und doch anders als Evelyn Hamann. Aufpassen muss man, zwischen dem Lachen überhaupt noch Luft zu bekommen, schließlich geht fast jeder Sketch nahtlos in den anderen über.

Plötzlich ist unangekündigt Pause, wie lange weiß keiner. Nach der Pause haben sich dann aber alle pünktlich wieder eingefunden, während die Schauspieler das Publikum mit einbeziehen und durch die Reihen laufen. Leider entpuppt sich die zweite Hälfte des Theaters eher als ein Hörspiel, da die meisten Zuschauer von mehreren Seiten vom grellen Licht geblendet sind. Das Spiegelzelt scheint wohl doch nicht den Ansprüchen eines Theaterzeltes zu genügen. Eine Frau in der Nähe zieht ihre Sonnenbrille auf. Vielleicht wird hier die Kritik, die mit Loriot vorne auf der Bühne an der Gesellschaft übt, offenbar: Kein Zuschauer traut sich, den Lichttechnikern Bescheid zu sagen, lieber sitzt das Publikum teils mit zusammengekniffenen Augen, teils mit der Hand vor dem Gesicht auf den Stühlen. Macht aber nichts, gelacht werden kann trotzdem. Schließlich gibt das Wallgraben Theater selbst den Besten Tipp zum Durchhalten: „Ich habe ein paar kleine Haare hinten auf meinem Kopf und wenn ich die Geduld bewahre, wird es vielleicht zum Zopf.“

Als finales Stück wird der Klassiker schlechthin gezeigt, der Lottogewinn, gespielt vom Original: Heinz Meier, der den Part auch in Loriots Sketch gespielt hat, spielt seine Rolle so überragend, dass jeder Zuschauer mit einem dicken Lächeln nach Hause gehen wird.

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[Bild: dpa]