Bildband

Waldkircherin malt erstes Freiburg-Wimmelbuch

Jakob Schönhagen (Der Sonntag)

Die 42-jährige Waldkircher Illustratorin Stephanie Burlefinger hat das erste Freiburg-Wimmelbuch gemalt. Dass sie dieses realisieren würde, hatte sie anfangs nicht geglaubt.

Seit zwei Wochen ist Stephanie Burlefingers Wimmelbuch über Freiburg erhältlich. Gerechnet hatte die zweifache Familienmutter damit nicht mehr. Eine Spätstarterin, die versucht, ihr Glück zu begreifen. "Es ist real", sagt Stephanie Burlefinger, die alle Steph rufen. Und klingt dabei ungläubig. Unverhofft kommt selten oft, heißt es im Volksmund. "Ich hätte nie mehr damit gerechnet, dass es jetzt noch so los gehen kann", sagt die 42-Jährige.


Eigentlich war doch alles schon in eingetretenen Pfaden. Nach ihrer Ausbildung zur Grafikdesignerin in Freiburg hatte die gebürtige Karlsruherin für einige Zeit in Basel gearbeitet. Kurzzeitig engagierte sie sich in einer Kaiserstühler Ateliergemeinschaft. Dann übernahm der Ehemann in Freiburg einen Laden für Bastelbedarf in dem die Neukünstlerin aushalf. Schließlich folgte die Geburt der Kinder Valentin und Victoria. Und zuletzt der Umzug nach Waldkirch.

"Das hat alles einfach nicht mehr gepasst. Beruf und Familie, das war einfach viel", sagt Burlefinger heute. Und ist dabei guter Dinge. Denn momentan läuft es wie am Schnürchen. Im Frühjahr erschien ihr erstes Buch überhaupt. Im Kinderbuch "Baden-Württemberg für Anfänger" lieferte sie Autor Andreas Braun die Illustrationen. Jetzt steht ihr erstes eigenes Werk in den Läden: Ein Wimmelbuch zu Freiburg. In Arbeit ist ein Band zu den Waldkircher Heimattagen.

"Das Buch ist ziemlich voll"

Irgendwann vergangenes Jahr sei die Idee gereift, es als Illustratorin zu versuchen. "Ich habe dann eine Mappe erstellt und verschiedene Verlage angeschrieben." Der Silberburg Verlag sprang an, nach ersten Probeseiten stand fest: Sie setzen auf Burlefinger. "Dass es klappen würde, hätte ich nie geglaubt."

Besonders stolz ist Burlefinger auf ihren ersten eigenen Bildband: Das Wimmelbuch zu Freiburg. Was zeichnet so ein Wimmelbuch aus? "Naja, es ist eben ziemlich voll." Die Bilder wimmeln nur so von Details, jedes noch so kleine Eckchen hat einen Farbtupfer bekommen. Viel Arbeit: "Pro Seite habe ich ungefähr anderthalb Wochen gebraucht, erst mit Bleistift vorgezeichnet und dann am Computer ausgefüllt, später manchmal auch direkt am PC", berichtet sie. Teilweise hat sie die im Buch vorkommenden Orte selbst besucht, teilweise mit Google Maps gearbeitet. "Das ist für die Ansicht von oben ganz wichtig." Das Besondere: "Es darf wacklig sein, da kann man das Urige, den Charme und das Verwobene gut einfangen."

Was ist dabei entstanden? Ein leicht krummes Martinstor durch das sich eine übergroße Straßenbahn drückt. Ein gut besuchter Münstermarkt samt Tofusnack-Verkäufer. Die Gerberau inklusive Krokodil und Biergarten. Demo auf dem Augustinerplatz. Tretbootrennen im Seepark. Spruchbänder im Dreisamstadion. Und ein Lichtermeer auf dem Weihnachtsmarkt. Burlefinger hat Freiburg eingefangen, wie man es kennt. 14 prall gefüllte Seiten. Schnucklig, sonnenverwöhnt, detailversessen.

Kamishibai-Bilder für Waldkirch

Derzeit übt sie sich im Kontrastprogramm: Kamishibai-Bilder für Waldkirch. Motive, die durch Einfachheit und Reduktionismus auffallen. "Das ist dann etwas ganz Anderes", schmunzelt die Künstlerin. Woher aber der Blick für die Vielfalt, welche die Freiburgbilder auszeichnet? "Ich bin in vielen Ländern aufgewachsen, da lernt man zu erkennen", sinniert die Tochter eines Managers bei einem großen deutschen Technologieherstellers. Kanada, Malaysia und Indonesien hießen die Stationen, an denen die Familie lebte. "Da wird man zum Paradiesvogel." Ein wenig dieses kunterbunten Tieres findet sich in ihrem neuen Bilderbuch wieder. Im Frühjahr soll das Nächste erscheinen. Dann wimmelt es im Allgäu. Die Aufträge flattern derzeit nur so ins Hause Burlefinger. "Ich bin sehr glücklich, dass es so läuft."
Dieser Artikel erschien am 29. Oktober in "Der Sonntag"