Waldenspuhl vs. Schrempp: Jess Jochimsen zum Freiburger Satire-Eklat

Jess Jochimsen

"Die Partei" hat in einer Fotomontage "Freiburg Lebenswert" mit der Terrororganisation IS verglichen. Wie weit darf Satire gehen? In einem BZ-Gastbeitrag bewertet der Freiburger Kabarettist Jess Jochimsen den Satire-Eklat.



Die gern gestellte "Was darf Satire?"-Frage, also ... Lassen Sie mich nachschlagen, Q, R, S, hier, T wie Tucholsky: "Satire darf alles."


Außer langweilen, möchte man hinzufügen.
Und von Langeweile scheint keine Rede zu sein; wie gut, dass sich die Dame offiziell beschwert hat, am Ende wäre das Ganze unbeachtet im Netz verpufft. Womit schon das Wesentliche über die Reaktion auf – wie auch immer geartete – Satire gesagt wäre. Sich beleidigt fühlen und "rechtliche Schritte prüfen lassen" gehört zur eher schwachen Reaktion eines ausgeprägten "Aufmerksamkeitsdefizitsyndroms".

Mir fallen (sogar im Freiburger Gemeinderat) auf Anhieb Dutzende kluger Köpfe ein, die wesentlich souveräner reagiert hätten: ein mitfühlendes Schulterzucken, ein charmantes Lächeln, ein dezenter Hinweis auf den Satiriker: "Der Bub übt noch." Und ja, auch auf den Gehalt des Gebotenen hätte man gegebenfalls kurz eingehen können.

Die Fotomontagen der TITANIC (und, mit ihr, der "Partei") zielen von jeher auf Rabatz und Empörung; als Klassiker dient dabei fast immer die gepflegte "Terrorregime/Hitler/Religions"-Anspielung. So sind den Machern durchaus schon Satiren gelungen, die es verdienen, sensationell genannt zu werden, dann nämlich, wenn die Satire auch inhaltlich verfängt. Das tut sie im vorliegenden Fall nicht, zu weit hergeholt ist die Kopplung der Diskussion über den "IS" im Nahen Osten mit dem "KOD" in Freiburg, da hilft auch der Verweis aufs "Hoheitsrecht" nicht weiter. (Und davon ab: Es sind Züge eines "Privatscharmützels" zwischen Herrn W. und Frau S. zu erkennen, was für gute Satire niemals dienlich ist.)

Es wäre also ein Leichtes gewesen, die Satire als wenig treffend heiter zu ignorieren. Hat die Dame aber nicht gemacht, und siehe da: Das Ziel (Rabatz und Empörung, s.o.) wurde erreicht. Und morgen wieder Kommunalpolitik.

Davon unberührt, aber bleibend, ist natürlich: Wer seine politische Gruppierung positivistisch "Lebenswert" nennt, muss damit rechnen, dass man das Negativ "Lebensunwert" immer mitdenkt – und so ein stets weit offen stehendes Scheunentor für Satire bietet, in das hineinzurennen lohnt. Mit besserer Satire. Und: Mit souveränerer und inhaltlich genauerer Reaktion darauf.

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[Foto: Wolfgang Grabherr]