Wahlkampf-Guru: "Sei kein Fisch, geh zur Wa(h)l" am Kepler-Gymnasium

Wahlkampf-Guru

Datenschutz, Energiewende und Chancen in der Bundestagswahl – darüber diskutierten am Dienstag Freiburger Bundestagskandidaten mit Schülern des Kepler-Gymnasiums. Mit der Podiumsdiskussion geht das Projekt in die erste Runde. Unser Wahlkampf-Guru war live vor Ort:



Locationcheck und Wahlkampfdeko

Es ist Dienstagmorgen, 9:30 Uhr, im Glashaus Rieselfeld. Heute findet hier die erste Veranstaltung des viergliedrigen Projekts „Sei kein Fisch, geh zur Wa(hl)“ statt, das der Neigungskurs Gemeinschaftskunde K1 des Kepler-Gymnasiums als Jahresabschlussprojekt organisiert.

Schon beim Einlass wird klar, dass es um die bevorstehende Bundestagswahl geht: Jeder Besucher kann über einen „1. Stimmzettel“ angeben, für welche Partei er sich vor der Podiumsdiskussion entscheiden würde und sein Kreuzchen machen. Verzeichnet sind die Parteien des Bundestages und die Piraten. Das erste Stimmungsbild soll später mit einem zweiten verglichen werden, für das nach der Veranstaltung abgestimmt werden kann. Die „2. Stimmzettel“ liegen auf den Stühlen bereit.  

Die Deko ist zwar eher schlicht gehalten, trotzdem kommt Politsendungs-Atmosphäre auf. Das fängt schon bei den medialen Features an. Es gibt Audio-Einspieler und eine Leinwand ist eingerichtet, um über Bilder oder filmische Ausschnitte die Frage- und Diskussionsrunden aufzulockern. Auf der Bühne stehen Sofas für die Bundestagskandidatin und die Bundestagskandidaten, vor ihnen Tische mit Getränken.

… 3,2,1 zählt das Intro auf der Leinwand und los geht’s. Ein Film zeigt Schülerinnen und Schüler des Kepler-Gymnasiums, die zu politischen Themen befragt werden. Was ist dein erster Gedanke zur CDU? – „Keine Ahnung“ – „zentral“. Und zur FDP? – „Eine Partei, die reiche Leute wählen“ –  „Ich glaube, die verkacken grad“. Wann findet eigentlich die Bundestagswahl statt? – „Ich glaube, 2014“.

Wer sitzt im Publikum?
 
Ziel der Veranstaltung sei die Vorbereitung der Schüler auf die bevorstehende Bundestagswahl, sagen Moderatoren Yovnes Saidani und Nils Bröckelmann. Heute sind 150 Schülerinnen und Schüler des Kepler-Gymnasiums gekommen, um genau das zu tun – sich über das Wahlprogramm und die Bundestagswahlkandidaten in Freiburg zu informieren, und natürlich Fragen zu stellen.

Interessierte konnten sich dafür von ihren Klassenlehrern befreien lassen. Stellwände und Plakate im Kepler-Gymnasium boten im Vorfeld die Möglichkeit, sich Wissen zu den einzelnen Parteien anzueignen.  

Welche Politiker sind heute da?

 
Rede und Antwort stehen die Bundestagskandidaten des Wahlkreises Freiburg. In der Reihenfolge ihrer Sitzordnung auf den Sofas sind das: Tobias Pflüger (Die Linke), André Martens (Piraten), Sascha Fiek (FDP), Kerstin Andreae (Die Grünen), Gernot Erler (SPD) und Matern von Marschall (CDU). 

Veranstaltungs-TÜV

 
„Frau Andreae, was muss Politik tun, um Jugend mehr für Politik zu begeistern?“, Nils Bröckelmann startet mit den Einzelinterviews, bestehend aus fünf Fragen, die in jeweils 20 Sekunden beantwortet werden sollen. „Mehr in die Schulen reingehen. Im Unterricht oder in solchen Diskussionen muss Politik erklärbar und verstehbar gemacht werden“, sagt Kerstin Andreae. 

Die zeitliche Begrenzung der Interviewrunde ist geschickt gewählt, die Bundestagskandidaten müssen sich kurz fassen und sind gezwungen, präzise Antworten zu geben. Wer die 20 Sekunden nicht einhält, wird mit einem dezenten, aber eindringlichen Triangelschlag auf die Spielregeln hingewiesen. Die Fragen sind bunt gemischt, behandeln aktuelle und parteispezifische Themen. Eines aber muss jeder Gast beantworten: Warum sollte Freiburg gerade ihn in den Bundestag wählen?

Während Gernot Erler an die Wichtigkeit des füreinander Einstehens erinnert: „Für mich ist Entwicklungspolitik Friedenspolitik“, appelliert Sascha Fiek an liberale Werte: „Wir wollen eine Politik machen, die auf Freiheit basiert.“ André Martens von den Piraten steht für Bürgerrechte, Tobias Pflüger von den Linken für den Kampf gegen soziale Ungerechtigkeit. Andreae gibt an, schon seit elf Jahren im Bundestag zu sein und eine andere Gruppe im Bundestag zu repräsentieren. Matern von Marschall sei in Freiburg verwurzelt und wolle sich für die Stadt und die freie Entfaltung der Menschen stark machen. 

Nach der Interviewrunde geht es ans Eingemachte. In Zeiten von PRISM ist Datenschutz und Netzpolitik ein brisantes Thema und steht nun zur Diskussion. Die Moderatoren geben Impulse, und haken nach, um Aussagen zu konkretisieren. Martens spricht klare Worte: „Es ist eine Ungeheuerlichkeit, dass millionenfach deutsches Recht von den Geheimdiensten gebrochen und das nicht thematisiert wird.“

Andreae plädiert für die Aufnahme von Edward Snowden: „Es geht um jemanden, der Menschenrechtsverletzungen aufgedeckt hat, und dem muss die BRD Schutz bieten.“ Auch das zweite Thema Energiewende bietet Anlass zur Kontroverse. Pflüger kritisiert die Problematik der Atommüllendlagerung: „Es ist ein Skandal, diesen Atommüll späteren Generationen zu überlassen.“

Zum Abschluss darf abgestimmt werden. Einleitend wird dafür die Wahlstatistik der Bundestagswahl 2009 an die Leinwand geworfen, dann die Stimmungsbilder im Vergleich. Die Grünen liegen bei den Schülern vorn, die Piraten können mit einem Prozentsatz von 28,6 Prozent ihr erstes Stimmungsbild deutlich verbessern. Weit hinten liegt die FDP mit nur 1,1 Prozent der Stimmen.

Aufregerle

1. Wenn überhaupt, dann die falsche Wahlstatistik der Bundestagswahl 2009. Aber das lässt sich unter „Missgeschickle“ verbuchen. 

Aufheiterle

1. Matern von Marschall geht derzeit zu Fuß durch den Wahlkreis. 

2. Die "Jeopardy"-Titelmelodie während der Auszählung des zweiten Stimmungsbildes.

Der beste Satz

  1. „Wir können nicht in einem Staat leben, der sich von Überwachung ernährt.“ André Martens (Piraten)

2. „Man kann Naturschutz betreiben, ohne das als stylische Angelegenheit zu empfinden.“ Matern von Marschall (CDU)

Fazit

Mit viel Engagement stellte der Gemeinschaftskundekurs ein Projekt auf die Beine, das Lob verdient. Die abschließende Fragerunde aus dem Plenum zeigt außerdem, dass die Podiumsdiskussion ihren Sinn erfüllt hat: politisches Bewusstsein anzuregen und Regierungsentscheidungen kritisch zu hinterfragen.

Ab September geht das Projekt weiter: Am Kepler-Gymnasium sollen Wahl-O-Mate den Schülern Orientierung bei ihrer Wahlentscheidung bieten. „Schulhofgespräche“ mit jungen Vertretern der Parteien und eine große Schülerwahl vom 16. bis 20. September 2013 beschließen dann das Projekt.

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