Am Eselwinkel

Wagenburg Schattenparker soll über 2019 hinaus bleiben können

Jelka Louisa Beule

Seit 2006 befindet sich die Wagenburg der Schattenparker am Eselwinkel, 2019 läuft der Pachtvertrag aus. Zukunftssorgen sind nicht angebracht: Die Stadt plant derzeit nichts anderes auf der 6000 Quadratmeter großen Fläche.

Es ist weitgehend ruhig geworden um die Wagenburggruppe Schattenparker, die seit 2006 in der Nähe des Flugplatzes lebt. Doch jetzt schlagen die Bewohner Alarm: Ihr Pachtvertrag läuft 2019 aus. Weil rund um die nahe Möbelmeile bauliche Veränderungen anstehen, haben die Schattenparker Sorge um ihre Zukunft. Die Fraktionsgemeinschaft JPG hat sich deshalb ans Rathaus gewandt. Doch von dort kommt Entwarnung: Die Stadtverwaltung sieht derzeit keinen Grund, den Vertrag nicht zu verlängern.


"Bei uns entstehen zunehmend existentielle Ängste." Schattenparker
Vor mehr als zehn Jahren haben die Schattenparker für Furore gesorgt. Es gab Demonstrationen, Wagen wurden beschlagnahmt, Gerichtsverhandlungen geführt. Nach viel Hin und Her pachtete die 45-köpfige Gruppe schließlich zwei städtische Grundstücke am Eselwinkel, später wurde daraus ein großes.Im vergangenen Sommer gab es Beschwerden wegen lauter Technopartys auf dem Gelände, aktuell sind laut Stadtverwaltung keine Vorfälle bekannt.

"Durch diverse Andeutungen und Gerüchte" und "da die gesamte Gegend mehr und mehr bebaut wird" machen sich die Schattenparker nun aber Sorge um ihre Zukunft, wie sie gegenüber der BZ erklären: "Bei uns entstehen zunehmend existentielle Ängste." Wegen des auslaufenden Pachtvertrags hat auch die Fraktion JPG im Rathaus nachgehakt – übrigens bei "Oberbürgermeister Dr. Dieter Salomon", der seit 1. Juli nicht mehr im Amt ist.

Weder Stadt noch Schattenparker machen Angaben zur Höhe der Pacht

Die Schattenparker beschweren sich zudem, dass die Stadtverwaltung Terminanfragen von ihnen abblockt. Das Rathaus widerspricht: "Zuletzt wurden häufige und intensive Gespräche im Zusammenhang mit der nachbarschaftlichen Bebauung" geführt, teilt Pressesprecher Toni Klein mit. Und sowieso müsse sich die Gruppe keine Sorgen machen: Es gebe derzeit keine anderen Planungen für das 6000 Quadratmeter große Grundstück, der Vertrag könne also verlängert werden. Wie viel die Wagenburgler für die Fläche bezahlen, will die Stadtverwaltung aus Datenschutzgründen nicht verraten, auch die Wagenburgler machen auf Nachfrage keine Angaben.
Wagenburgen in Freiburg

Neben den Gruppen "Schattenparker" und "Sand im Getriebe", die beide ihre Plätze selbst verwalten, gibt es am Eselwinkel, zwischen Flugplatz und Hermann-Mitsch-Straße gelegen, eine städtisch betriebene Wagenburg mit 27 Bewohnern und Bewohnerinnen, bei der das Amt für Soziales und Senioren die Plätze zuweist.
Genauso ist es bei zwei Wagenplätzen in der Nähe des Rieselfelds an der Opfinger Straße (18 Bewohner) und an der Mundenhofer Straße (6 Bewohner). Außerdem gibt es Bauwagenleben auf privaten Flächen wie im Stadtteil Vauban. Probleme mit wild parkenden Wagenburglern wie in der Vergangenheit sind der Stadtverwaltung aktuell nicht bekannt.

Zum Vergleich: 2006 hatten die Schattenparker auf einem 3000 Quadratmeter großen Übergangsgrundstück im Gewerbegebiet Haid pro Monat 1000 Euro gezahlt. 2014 war für ein 450 Quadratmeter großes städtisches Gelände am Eselwinkel eine jährliche Pacht von 800 Euro im Gespräch. Dieses Grundstück, das neben der Schattenparker-Fläche liegt, ist inzwischen an eine andere Wagenburg-Gruppe vergeben. Seit Mai 2017 stehen dort sieben Wagen von "Sand im Getriebe". Diese Gruppe hatte zwischenzeitlich einen Parkplatz bei der Pädagogischen Hochschule im Stadtteil Littenweiler besetzt. Neben Schattenparkern und Sand im Getriebe gibt es am Eselwinkel zudem noch eine städtisch betriebene Wagenburg.

Die Schattenparker hätten in Freiburg gerne mehr Raum für alternative Wohnformen – der Bedarf sei da, sagen sie, die Gruppe müsse viele Interessenten abweisen. Die Wagenburgler fordern deshalb eine politische Debatte. Vor Jahren war einmal ein Konzept im Gespräch – dazu ist es jedoch nie gekommen.