Vortrag im Layback über Skateboardschulen in Afghanistan

Regina Kleissler

Afghanistan? Verbindet man erstmal mit Taliban und deutschen Bundeswehrtruppen. Aber auch dort gibt es Kinder, die Freude an Bewegung haben und Treffpunkte brauchen, um sich auszutauschen. Die Organisation Skateistan möchte afghanischen Kindern genau das ermöglichen und hat 2009 die erste Skateboardschule in Kabul gegründet. Am Freitag informiert Mark Grasy von Skateistan im Layback über die Organisation.



Es sind keine kleinen Ziele, die sich Skateistan gesetzt hat. „Wir wollen eine Zivilgesellschaft aufbauen und den Kontakt zwischen Kindern unterschiedlicher Ethnien, die aus verschiedenen Schichten stammen, aufbauen,“ sagt Mark. „Neben der Möglichkeit Sport zu treiben, möchten wir ihnen Selbstbewusstsein und diverse andere Fähigkeiten mit auf den Weg geben.“

Das Skateboardfahren ist dabei nur eines von vielen Angeboten und dient als Aufhänger, um das Interesse der Kinder zu wecken. Wer Skateboardfahren lernen und üben möchte, kann das bei Skateistan tun und bekommt leihweise das Material zur Verfügung gestellt – muss dafür aber in den Unterricht. Die Hälfte der Zeit, die die Kinder bei Skateistan sind, lernen sie im Klassenzimmer.

„Wir sind aber keine Schule im klassischen Sinn, weil wir versuchen, Kinder mit unterschiedlichem Bildungslevel in einem Klassenzimmer zusammenzubringen, sodass sie kommunizieren und sich kennenlernen können. Da sitzt dann das Diplomatenkind neben dem Straßenkind“, sagt Mark.

Nur etwa die Hälfte der Kinder, die zu Skateistan kommen, gehen ansonsten auch in die staatliche afghanische Schule. Die anderen Kinder müssen etwa ab dem fünften Lebensjahr auf der Straße arbeiten. Damit keine Barrieren entstehen, weil manche Kinder Analphabeten sind, geht bei Skateistan viel über Kunst – verschiedene Projekte sollen den Kindern die Möglichkeit bieten, sich auch ohne das geschriebene Wort auszudrücken.
Mark ist bis März diesen Jahres selbst für sechs Monate in Afghanistan gewesen. Etwa zehn Freiwillige aus verschiedenen Ländern sind gleichzeitig vor Ort. Ein Vertrag ist meistens auf ein halbes Jahr festgelegt, sodass die Besetzung oft wechselt. Insgesamt besteht die Organisation etwa aus 60 Freiwilligen, die Skateistan durch Vorträge oder Fundraising in ihrem Land unterstützen.

Neben Skateistan in Afghanistan gibt es mittlerweile auch Skateboardschulen in Pakistan und Kambodscha. Voraussichtlich im Frühjahr 2012 soll ein Dokumentarfilm über die Arbeit der Organisation in den deutschen Kinos anlaufen. "Skateistan - Four Wheels And A Board in Kabul" hatte dieses Jahr bereits beim Sundance Festival und bei Cinema for Peace Premiere.

Zum Vortrag am Freitag im Layback bringt Mark Fotos und Filmmaterial mit und steht Fragen Rede und Antwort. Los geht’s um 19 Uhr.



Mehr dazu:

Was: Skateistan-Vortrag
Wann: 19 Uhr
Wo: Layback, Grünwälderstraße 22
Eintritt: frei