Vorstoß für kostenloses Stadt-WLAN

Joachim Röderer

Kostenlos in der Innenstadt im Internet surfen? Wer ein Smartphone hat, könnte dann die nächste Straßenbahn recherchieren. Der Tourismusförderer findet die Idee gut, die Verkehrs-AG sieht keinen Bedarf.



In Freiburg soll es ein Stadt-WLAN und damit kostenfreies Internet geben. Das fordern der Juso-Kreisverband und zwei SPD-Stadträte. Sie verweisen auf das Beispiel anderer Städte, wo es ein solches Gratisnetz teils flächendeckend gebe. Auch Busse und Straßenbahnen könnten mit einem Internetanschluss ausgestattet werden. Die Freiburger Verkehrs-AG indes sieht keinen Bedarf, die Freiburg Wirtschaft Touristik und Messe (FWTM) hat ein Gratisfunknetz bereits geprüft, sieht aber Probleme. Hilfe könnte von einem Kooperationspartner der Stadt aus Berlin kommen.


"Berlin will es, Hamburg will es – wir wollen es auch", sagen Juso-Chef Julien Bender und die SPD-Stadträte Stefan Schillinger und Kai-Achim Klare. Sie sehen Bedarf für ein Gratisnetz. Freiburg sei ein hochattraktiver Tourismusstandort mit wachsenden Übernachtungszahlen. Immer mehr Gäste aus Deutschland und der Welt würden bei ihren Reisen auch vor Ort auf das Internet zurückgreifen, um sich Informationen zu holen. Problematisch sei dies für alle, die keinen deutschen Internetanbieter und somit keinen Internettarif haben, wie zum Beispiel auch Gaststudierende.

Mit dem Gratisinternet beschäftigen sich derzeit einige Großstädte. In Hamburg etwa liegt ein Antrag auf dem Tisch, der von der FDP bis zu den Linken unterstützt wird. Auch Zürich bemüht sich um ein entsprechendes Angebot. In Megastädten wie Paris oder London gibt es längst sogenannte "Hotspots", an denen das Gratisnetz drahtlos genutzt werden kann. In der Schweiz bietet die Stadt Luzern seit 2007 erfolgreich einen solchen Service. Ihr von den Stadtwerken verantwortetes Kostenlos-WLAN deckt große Bereiche der Altstadt ab. Monatlich werden nach Auskunft aus Luzern mehrere Millionen Nutzerminuten registriert.

Die Idee finden auch Freiburgs Tourismusförderer durchaus reizvoll: "Ein flächendeckendes Innenstadt-Innenstadt-WLAN wäre für Touristen und Bürger natürlich sehr attraktiv", sagt Bernd Dallmann, Chef der Freiburg Wirtschaft Touristik und Messe (FWTM). Die FWTM habe diese Möglichkeit schon seit längerem und auch kürzlich wieder geprüft. "Laut Experten ist das bislang technisch nicht so umzusetzen, dass man problemlos und flächendeckend ein WLAN einrichten kann, das auch von fast allen Endgeräten genutzt werden könnte", so Dallmann.

Die Wall AG hat einen Testlauf in Berlin absolviert

Wie es gehen könnte, wurde gerade in Berlin gezeigt. Dort hat das Stadtwerbungsunternehmen Wall AG drei Monate lang ein kostenloses WLAN-Netz an 25 Punkten in der Hauptstadt angeboten. Wall wertet die Aktion, die am Freitag zu Ende gegangen ist, als vollen Erfolg. Das notwendige Miniprogramm (App) für internetfähige Handys sei 36.000 mal heruntergeladen worden. 600 Nutzer pro Tag hätten das WLAN in Anspruch genommen, berichtet Frauke Bank von der Wall AG.

Das Unternehmen, das auch in Freiburg für die Außenwerbungsflächen zuständig ist, kann sich gut vorstellen, ein ähnliches Angebot auch in Freiburg umzusetzen. "Wir würden uns sehr gerne mit der Stadtverwaltung darüber unterhalten", sagt Bank. Der Vorteil wäre, so die Wall-Sprecherin, dass die WLAN-Netzpunkte in die bereits in Freiburger vorhandenen Stadtmöbel integriert werden könnten – störende Antennen oder Funkmasten wären nicht nötig.

Die Antragsteller von SPD und Jusos regen drahtloses Gratisinternet in den Bussen und Trams an. Bei der Freiburger Verkehrs-AG reagiert man zurückhaltend: "Wir lassen das Thema grundsätzlich nicht außer Acht, aber aktuell ist nichts geplant", sagt VAG-Sprecherin Julia Holzer. Fahrgäste in Freiburg würden im Schnitt nur zwei bis drei Haltestellen weit fahren – da wäre die Zeit zu kurz, um noch im Internet zu surfen.

In der Nachbarstadt Basel und deren direktem Umland sieht man das anders. Die Baselland Transport AG (BLT) aus dem Baselbiet bietet seit Februar diesen Service, den bereits 11.200 Fahrgäste nutzen. Die Basler Verkehrsbetriebe (BVB) haben seit März eine Combino-Straßenbahn und einen Bus mit WLAN an Bord im Einsatz. 7000 Fahrgäste haben sich bereits zum Surfen registriert. Derzeit werden noch verschiedene Netzanbieter getestet, um dann 2013 alle Combinos, andere Trams und Busse mit WLAN auszustatten.

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[Foto: Michael Bamberger]