Wahlaufruf

Vorstand der Studierendenvertretung zu Dietenbach: Es gibt keinen Grund nicht zur Wahl zu gehen

Jonathan Janz

Die Studierendenvertretungen mehrerer Freiburger Hochschulen haben einen Wahlruf zum Bürgerentscheid zu Dietenbach gestartet. fudder hat mit Clemens Ernst, Vorstandsmitglied der Studierendenvertretung der Uni Freiburg, gesprochen.

Gibt es einen besonderen Grund für den Wahlaufruf zum Bürgerentscheid Dietenbach, oder macht ihr das bei jeder Wahl?

Es ist so, dass in den Strukturen der Studierendenvertretung die Aktiven einer ständigen Fluktuation ausgesetzt sind. Die Jetzigen waren bei den letzten Bürgerentscheiden noch nicht dabei. Ob Wahlaufrufe umgesetzt werden, hängt von den Leuten ab, die gerade in den Vorständen aktiv sind. Dennoch sind die Studierenden als Gruppe mit über 10 Prozent in Freiburg vertreten, das sind mehr als 30.000 Studierende – und damit eine relevante gesellschaftliche Gruppe, die aus meiner Sicht Anteil am Freiburger Geschehen nehmen sollten. Gerade bei dieser Wahl kann man sich gut eine Meinung bilden, weil es Argumente auf beiden Seiten gibt. Die Frage Dietenbach hat aus meiner Sicht eine noch größere Tragweite für die Entwicklung der Stadt, als beispielsweise die über den Bau des SC-Stadions. Dennoch möchte ich jetzt keine Stellung für oder gegen die Bebauung des Dietenbachs einnehmen.

Warum spielen Studierende gerade bei dieser Wahl eine wichtige Rolle?

Natürlich betrifft das Wohnraumproblem auch die Studierenden. Außerdem ist es wichtig, in welche Richtung sich die Stadt entwickelt. Wir möchten, dass die Studierenden die Verantwortung, die ihnen zukommt wahrnehmen. Der Wahltermin liegt in den Semesterferien. Studierende sollten sich klar machen, ob sie bei der Wahl überhaupt vor Ort sind. Sonst gibt es die Möglichkeit der Briefwahl.

In eurem Wahlaufruf schreibt ihr: "Studierende sind keine Gäste einer Stadt". Könnte man nicht auch sagen: Es ist unfair, dass Studierende, die nur für kurze Zeit in Freiburg sind, darüber mitbestimmen, wie sich das Stadtbild künftig entwickeln wird?

Ob Studierende nach Abschluss die Stadt verlassen oder nicht, ist momentan noch nicht abzusehen. Das Studium ist ja keine Voraussetzung dafür, in Freiburg zu bleiben. Ebenso könnten auch Berufstätige die Stadt verlassen. Es gibt zahlreiche Anlässe, dennoch kein Grund, nicht zur Wahl zu gehen. Dazu kommt, dass Studierende für die Bevölkerungsgruppe Studierende repräsentativ sind. Diese Gruppe wird es weiterhin geben.

"Für Studierende als Teil der Demokratie ist es wichtig, sich zu beteiligen."

Sprechen sich die anderen Studentenvertretungen, beziehungsweise die der anderen Freiburger Hochschulen auch für einen Wahlaufruf aus, oder gibt es unterschiedliche Ansichten?

Die Vertreter der Hochschulen treffen sich regelmäßig, um verschiedene aktuelle Themen zu besprechen, die in der Stadt passieren und für uns relevant sind. Zu diesem Kreis gehören Vertreter der Evangelischen und Katholischen Hochschule, der Pädagogischen Hochschule, der Musikhochschule sowie die der Albert-Ludwigs Universität. Natürlich stand auch das Thema Dietenbach auf der Agenda. Entsprechend wurde besprochen, ob und wie wir damit umgehen wollen. Es gab auch Ansätze, in wieweit eine Positionierung möglich ist. Der Wahlaufruf in seiner jetzigen Form fand sehr schnell Zustimmung und wurde deshalb veröffentlicht. Für Studierende als Teil der Demokratie ist es wichtig, sich zu beteiligen.

Wie nehmt ihr die Stimmung der Studierenden wahr? Überwiegt das Interesse an der Wahl, oder eher das Desinteresse?

Die Studierende ist eine sehr große Zahl. Ich bekommen von zu wenigen eine direkte Rückmeldung, um eine Tendenz zu wagen. Wenn es jedoch Studierende gibt, die die Wahl gar nicht auf dem Schirm haben, möchten wir mit dem Wahlaufruf darauf aufmerksam machen, sich zu informieren. Wie der Informationsstand bei der breiten Studierendenschaft tatsächlich ist, kann ich nicht sagen. Wir hoffen aber, dass sich möglichst viele informieren und dann wählen gehen.

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