Vor #Varoufake: Die unglaublich coolen Coups des Jan Böhmermann

Daniel Laufer

Entweder haben Jan Böhmermann und das Neo Magazin Royale Günther Jauch & Co. veräppelt - oder das ganze Internet. Ganz egal: Überrascht sein darf darüber niemand - so oft, wie der Moderator in der Vergangenheit die Medien genarrt hat:



Ja, wir sind auch drauf reingefallen. Natürlich sind wir das. Entweder auf Jan Böhmermanns VarouFake - oder auf Jan Böhmermanns VarouFakeFake. Ist der Finger echt? Who fucking cares. Irgendwas stimmt jedenfalls nicht und Böhmermann hat damit zu tun. Fazit: Wir hätten es wissen müssen!


"Ich hänge seit Sonntag am Smartphone", sagt der Moderator im Video auf YouTube. "Ob irgendeiner mal anruft und fragt, ob wir dahinterstecken? Hat einer angerufen? Es hat keiner angerufen." Und verdammt: Man hätte das echt mal tun sollen.

Er tat es wieder und wieder

Vor zehn Jahren begann Böhmermann, für den Radiosender 1LIVE eine Comedy-Reihe zu produzieren. In "Lukas‘ Tagebuch" machte er sich über Lukas Podolski lustig. Manche fanden das komisch, manche doof - Podolski selbst verklagte erfolglos den WDR. Am Ende war alles irgendwie harmlose Radio-Comedy, halb so wild.

Doch dann stellte der Spiegel 2008 einen Artikel über die besten Fußballerzitate online, darunter der Spruch: "Fußball ist wie Schach. Nur ohne Würfel." Podolski habe das gesagt, behauptete der Spiegel zunächst, räumte im Nachhinein aber kleinlaut ein: "Das sei nicht bestätigt." Natürlich war es nicht bestätigt: Das Zitat stammte von Jan Böhmermann - aus dessen Radio-Comedy.



Anfang 2009 vermeldeten Medien die Gründung des "Ersten Türkischen Karnevalsverein Deutschlands" in Köln. Der Mann mit der lustigen roten Nase - zu sehen beispielsweise bei der Süddeutschen Zeitung - stellte sich als Gründungsmitglied Davut Yilmaz vor.

"Studentengag oder ernst gemeint?", fragte die SZ. Weder noch: Hinter Yilmaz steckte wieder Böhmermann. Mit seinen Moderationskollegen Pierre M. Krause und Caroline Korneli hatte er den Karnevalsverein für die RTL-Sendung "TV-Helden" erfunden.



Wenige Monate später gelang Böhmermann der nächste Coup. Die Schweinegrippe suchte Deutschland heim, wir waren alle todgeweiht, hätte man nach der Berichterstattung darüber meinen können. Also erfand das Team der Harald-Schmidt-Show die Figur des Rüdiger Alt - Jan Böhmermann als Schweinegrippe-Erkrankter mit einem Mundschutz. Es gab eine fingierte Demonstration, die Gesellschaft habe ihn ausgegrenzt.

Die Essener Tageszeitung WAZ berichtete (Überschrift: "Wenn die Schweinegrippe einsam macht"), ProSiebenSat1 schickte ein Kamerateam in die vermeintliche Wohnung von Rüdiger Alt (ProSieben: "Schweinegrippe - wie Erkrankte in Deutschland ausgegrenzt werden", Sat1: "Der Mundschutz ist sein ständiger Begleiter - Rüdiger Alt hat die hochansteckende Schweinegrippe").



2013 entdeckte die Redaktion von TV Total eine Kopie ihres Spielshow-Formates "Blamieren oder kassieren” im Internet - raubkopiert von Chinesen.  Selbstgefällig feierte Stefan Raab das Video in seiner Sendung ab. "Normalerweise fragt man an, aber in China macht man das einfach."

Doch kurz darauf vermeldete Böhmermann im Neo Magazin: Sein Team hatte Raab genarrt, die vermeintlich chinesische Kopie im Kölner Studio gedreht und sie ins Internet gestellt, damit die TV-Total-Redaktion sie dort finden konnte.



Und nun die Sensation um Yanis Varoufakis‘ Mittelfinger. Ganz egal, ob der nun gefälscht war, oder nicht (als nächstes werden wir mit Böhmermann wohl über Wembley und die Mondlandung sprechen müssen): Böhmermann hat uns alle genarrt. Vielen Dank dafür.

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