Von wegen Opamöbel: Junge Kunst in der Kommode 1

Philip Hehn

Kommoden sind zwar enorm nützlich, man denkt dabei aber erstmal nicht unbedingt an Kunst. Das ändert sich für Freiburg jetzt. In der Kommode 1 auf dem Gantergelände arbeitet eine überregionale Gruppe von Künstlern verschiedenster Fachrichtungen zusammen. In dieser Woche stellen sie dort ihre Werke aus.

Ein Gewerbeinnenhof an der Fabrikstraße. Neben und über den Fahrzeughallen der alten Autowerkstatt an der Ostseite des weitläufigen Ganter-Geländes ist im Mai diesen Jahres die Kommode 1 eingezogen und hat schon die Schubladen für die Öffentlichkeit aufgezogen. Normalerweise als Atelier genutzt, dienen die Räumlichkeiten diese Woche dazu, die Werke des runden Dutzends hier arbeitender junger Künstler zu präsentieren.

Die Vernissage ist an diesem Samstagabend angenehm gefüllt, mit den Künstlern ins Gespräch zu kommen kein Problem. Die Räumlichkeiten, erklärt man mir, sind in erster Linie als Arbeitsräume gedacht. Wie sich herausstellt, sind sie aber auch als Ausstellungsräume gut geeignet.

In einem kleinen Raum im Erdgeschoß gibt es appetitliche Häppchen, Getränke, Postkarten. Die Räume und Beleuchtungen sind vielseitig. Der große, weite Raum im ersten Stock ist hell erleuchtet, andere Bilder und Installationen passen besser zu den dunkleren Treppenhäusern und diversen Sackgassen. In einer klaustrophobisch wirkenden Ecke unter der Kellertreppe läuft passend ein Video von einem Fisch in einem Goldfischglas.

Überregionale Zusammenarbeit: „FilmKunstKommune“


Juli Richter
, die beim Tag der offenen Schubladen Fotografien und andere Projekte ausstellt und in aufwendiger Handarbeit 20 Exemplare des Ausstellungskataloges hergestellt hat, sowie der mit Videoinstallationen vertretene Max Schneider erklären mir das Konzept von FKK und der Kommode 1. Die laut Ausstellungstitel offenen Schubladen der namensgebenden  Kommode sollen für die Vielfalt der unter dem FKK-Projekt nebeneinander und miteinander kreativ lebenden Medien und Kunstformen stehen. Unter dem schon seit mehreren  Jahren bestehenden gemeinsamen Schirm der FilmKunstKommune (FKK) hat die Kommode 1 Geschwisterprojekte in Berlin und Leipzig.

Zu sehen sind beim „Tag der offenen Schubladen“ aber vor allem auch Installationen, Gemälde, Grafiken, Zeichnungen, Fotografien und eine Skulptur/Installation aus Magnetband, die wie ein dräuender, strähnig-fasriger Schatten am Fuß der Kellertreppe lauert. Viele Kunstwerke, Stile haben hier Platz, mal sind die Ausstellungsstücke direkt auf die Wände gemalt, mal scheinbar wie vergessen mitten im Raum aufgestellt. Die FKK-Bands „Joke“ und „Diving for sunken treasure“, letztere von der FKK-„Außenstelle“ in Berlin angereist, traten bei der Vernissage auf.

Die Kunstwerke sind überaus effektvoll platziert. In einer Sackgasse im ersten Stock kombinieren sich drei dasselbe Video spielende, in einen Schrank eingebaute Kleinstfernseher mit einem geradezu zyklopischen Großvater-Holzstuhl zu einem unheilvoll wirkenden Gesamtensemble. Im großen Raum erzeugt ein weiterer winziger Fernseher mit einer Musikanlage mit riesigen Boxen und einem Sessel eine Art Karikatur von Wohnzimmergemütlichkeit. Ein großformatiges Gemälde eines Gesichts mit weit aufgerissenem Mund und Nasenlöchern direkt am Fuß der Treppe in den ersten Stock erweckt auf dem Weg nach oben zunächst einmal ein Gefühl unangemessener Intimität, wie ein allzu aufdringlicher Fremder. Im etwas dunkleren Treppenhaus treten aus Silvia Jergs düsteren Bildern beim Betrachten Gesichter und Figuren überraschend hervor.

Kommunikation und Kooperation

Zahlreiche weitere Projekte sind derzeit in Planung. Bei dem Projekt Lightertales soll den Wanderungen von Feuerzeugen nachgespürt werden. Juliano Gerber zum Beispiel, Mitglied der Kommode-Band Joke, ist gleichzeitig Veranstalter der Freiburger Autorenrunde Evenletters, deren Geschichten wiederum in einem von Juli Richter geplanten Magazin unterkommen könnten. Synergien, Kommunikation, Kooperationen sind bei FKK und der Kommode 1 erwünscht.

Die Offenheit ist absolut. Gegen Ende des Abends schleppen Besucher den zu einer der Videoinstallationen gehörenden Sessel kurzerhand in die Mitte des Raumes, um den letzten improvisierten Liedern von „Joke“ im Sitzen zuhören zu können, in etablierten Museen eher unüblich und von Max Schneider auch nicht unbedingt so geplant. Der Lern- und Überraschungseffekt gehört dazu. Charmant, charmant.

Nach den diesen Donnerstag abgeschlossenen Tagen der offenen Schubladen ist für den August wieder eine Veranstaltung geplant.

Mehr dazu:


Kommode 1

Gelände der Ganter-Brauerei
Schwarzwaldstraße 43; Zugang über Fabrikstraße
Öffnungszeiten:
Heute, Dienstag, 27.07.2010, und Donnerstag, 29.07.2010 jeweils ab 19 Uhr geöffnet.
Eintritt: frei

Foto-Galerie

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