Von Ungenießbaren Vögeln

Lorenz Bockisch

Schon gewusst, warum man auf keiner Restaurantkarte einen Schwanenbraten entdeckt? Die größten heimischen Wasservögel sind in ausreichender Zahl vorhanden, haben einen sehr muskulösen Körper und ein Großteil ihrer Verwandtschaft, der Gänsevögel, steht bei uns nicht nur einmal im Jahr auf der Speisekarte. Doch der Schwan hat einige Nachteile, die für sein Überleben natürlich Vorteile sind.

Dass ein Schwan sehr aggressiv werden kann, hülfe ihm wenig, wenn er denn gejagt werden würde. Das eigentliche Problem am durchaus fleischhaltigen Schwanenkörper ist der widerwärtige Geschmack, der sehr fettig und tranig ist. Doch das hat im Mittelalter niemanden davon abgehalten, sich einen Schwan zu braten. Das lag wahrscheinlich daran, dass die Menschen damals recht wenig Fleisch auf den Teller bekamen, und sie deshalb froh waren, egal welche Sorte es gab.


In dieser Zeit war ein Schwan auch ein beliebtes Dekorationsobjekt auf festlich gedeckten Tafeln höherer Herrschaften. Der wirklich gebratenen Schwan wurde dazu wieder in sein ehemaliges Federkleid drapiert und auf den Tisch gestellt. Diese majestätischen Tiere gehörten in Europa jahrhundertelang allein dem Adel; noch heute ist jeder englische Schwan offiziell Privateigentum der Queen oder des aktuellen Regenten. 

Ein weiterer Grund sollte aber den gesundheitsbewußten Geflügelesser vom Verzehr eines Schwans abhalten: Durch ihre Ernährung in meist abgestandenen flachen Gewässern ist deren Keimbelastung sehr hoch. Was den Vögeln recht wenig ausmacht, ist für Menschen sehr gefährlich: Schwäne haben eine deutlich höhere Wahrscheinlichkeit, mit Salmonellen infiziert zu sein, als jeder anderen Speisevogel.