Von Studenten für Studenten: Warum braucht Freiburg ein Erasmus-Netzwerk?

Gina Kutkat

In fast jeder größeren Stadt in Europa gibt es ein niederschwelliges Netzwerk für Erasmus-Studenten - außer in Freiburg. Das möchten die drei Studenten Florian Wolling, Birte Irmer und Insa Bäumker nun ändern. Sie versuchen, eine Freiburger Sektion des Erasmus Student Network zu etablieren. Warum wir das brauchen, haben sie fudder erklärt:



"In Freiburg gibt es zwar viele Vereine und Netzwerke, die sich um Erasmus-Studenten kümmern", sagt Florian Wolling, "doch es gibt keine Anlaufstelle von Studenten für Studenten." Solch eine Anlaufstelle heißt in anderen europäischen Städten ESN, das steht für Erasmus Student Network. Auch in Freiburg soll es bald solch eine ESN-Sektion geben - so der Wunsch der Initiatoren. Doch es ist nicht ganz einfach, dort aufgenommen zu werden.


Der 27-jährige Wolling weiß aus eigener Erfahrung, wie wichtig eine niedrige Hemmschwelle für Austauschstudenten ist. Er hat selber ein Semester als Erasmus-Student in Island verbracht und war froh, über den ESN andere Studenten zu treffen, die ihm bei kleineren Fragen und Problemen geholfen haben. "Wenn man kurz eine Nachricht über Facebook verschicken kann, ist das viel wert", so Wolling.

Der ESN ist eine der größten interdisziplinären Studentenorganisationen in Europa, die dafür sorgt, dass international Studierende betreut werden und sich mit anderen Studenten austauschen können. Es gibt Netzwerke in 37 Ländern mit 12 000 aktiven Mitgliedern, die Veranstaltungen organisieren, zu Stammtischen einladen und die das Leben der ausländischen Studierenden ein bisschen schöner gestalten. Wie auch das Erasmus-Programm wird der ESN durch EU-Mittel finanziert.

Auch Wolling und seine Mitstreiterinnen, Birte Irmer und Insa Bäumker, wollen mit ihrem Verein dem ESN beitreten - und sie befinden sich auf einem guten Weg dahin: "Wir haben ein Programm zusammengestellt und kandidieren dann Ende des Jahres, um vom ESN gefördert zu werden", sagt Wolling.

"Aktuell arbeiten wir noch mit dem Namen ISN Freiburg, das steht für International Network Freiburg", sagt Wolling - auch die Facebok-Seite heißt so. Denn solange der ESN den Freiburger Ableger nicht unter sein Dach genommen hat, darf der ESN-Name nicht verwenden werden. "Wir arbeiten dran."



Die Idee für eine ESN-Sektion entstand laut Wolling bei "einem Bierchen". Zusammen mit den Studentinnen Birte Irmer und Insa Bäumker fiel ihm auf, dass in Freiburg ein ESN-Netzwerk fehlt, obwohl es eine beliebte Studentenstadt ist. Auch die beiden Studentinnen verbrachte jeweils ein Semester im Ausland und besuchten dort ESN-Veranstaltungen: Birte in Plymouth, England und Insa im finnischen Turku.

"Das Tolle am ESN ist, dass niemand von oben herab ein Programm erstellt oder die Studierenden berät", sagt Wolling. Durch Aktionen wie gemeinsame Stadienbesuche, einen wöchentlichen Stammtisch, Wanderungen, Stadtführungen oder das sogenannte "Running Dinner" können die ausländischen Studierenden die hiesige Kultur kennenlernen. Gerade haben die drei ihr Programm der Pädagogischen Hochschule vorgestellt.

Warum das Erasmus-Programm so wichtig ist, fasst Wolling dann auch nochmal zusammen: "Erasmus erweitert den Horizont, eröffnet Studenten die Möglichkeit, andere Kulturen kennenzulernen und ist einfach rundum bereichernd." Den Vorwurf, dass Erasmus-Studenten im Ausland mehr feiern als studieren würden, weist Wolling von sich: "Ich bin ein Gegenbeispiel, habe die meiste Zeit gearbeitet und studiert."

 

Zur Person

Florian Wolling (Bild oben)
27 Jahre. Studiert in Freiburg Embedded Systems Engineering. Er verbrachte ein Jahr in Reykjavik als Erasmus-Student und schreib gerade an seiner Masterarbeit.

Birte Irmer (Bild links)
22 Jahre. Studiert im 7. Semester Europalehramt für Grundschule an der Pädagogischen Hochschule Freiburg und verbrachte ihr Erasmus-Jahr in Plymouth.

Insa Bäumker (Bild rechts)
Ist 23 Jahre alt und studiert im 6. Semester Bildungsplanung und Instructional Design an der Universität Freiburg. Insa war ein Jahr mit Erasmus in Finnland.

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[Fotos: Oliver Berg (dpa) /privat]