Von Rennradfantasien und anderen Frühlingsgelüsten

Eva Hartmann

Nach einem harten, langen und vor allem klirrend kalten Winter wird Freiburg dieser Tage nun endlich von den ersten Sonnenstrahlen des Jahres erwärmt: Es wird Frühling! Gewichtshalbiererin Eva erzählt in dieser Folge ihres Blogs, welche Gefühle dies bei ihr auslöst und kriegt - im positivsten Sinne - 'nen Hals.



Es wird Frühling in Freiburg. Untrügliches Zeichen dafür: Überfüllte Straßencafés, bevölkerte Dreisamwiesen, penetrant knutschende Pärchen auf der romantischen, und jede Menge Jogger, Nordic-Walker und Rennradfahrer auf der sportlichen Seite. Und auch in mir regen sich Frühlingsgefühle:

Ich habe Rennradfantasien.

Was gäbe ich drum, konditionell und ausrüstungstechnisch in der Lage zu sein, mit anderen schönen Menschen in engen Plastikklamotten Berge rauf- und runterheizen, und am Ende verschwitzt und mit schmerzenden Muskeln in irgendeiner idyllischen Spaziergängereinkehr demonstrativ Pasta mit Sahnesoße zu einem „Radler“ (was sonst?!) konsumieren zu können!

Stattdessen sitze ich an diesen wunderbaren sonnigen Tagen die meiste Zeit hinterm Schreibtisch, genieße höchstens zwischendurch mal eine Stunde Ablenkung in irgendeiner dieser idyllischen Einkehreinrichtungen Freiburgs und beneide die mikrobefaserten Rennradler an den Nebentischen um ihre sportlichen Naturerlebnisse. Sogar nachts träume ich vom Rennradfahren!

Die Erfüllung dieser Sehnsüchte bleibt jedoch vorerst utopisch: Abgesehen davon, dass ich das einzige Fahrrad, das ich besitze, ein reparaturbedürftiges Dasein im Keller fristet, würde ich konditionell vermutlich keine fünf Kilometer Fahrradtour durchhalten. Aber ich habe beschlossen, mir demnächst endlich eine gepolsterte Radlerhose zu kaufen und es noch mal mit Indoor-Cycling zu versuchen.

Des weiteren bin ich bei diesem wunderbaren Wetter untröstlich darüber, noch immer zu schwer zu sein, um joggen gehen zu können. Bis ich selbiges tun kann, ohne mir meine ohnehin schon geschundenen Hüft- und Kniegelenke vollständig zu ruinieren, muss ich sicherlich noch 10 bis 15 Kilo abnehmen. Solange werden sich meine sportlichen Outdoor-Aktivitäten wohl auf Spaziergänge mit geborgten Hunden beschränken. Das macht zwar auch mächtig Spaß, ist aber, zumal der Hund dabei der einzige ist, der rennt, leider kein Ersatz für Radfahren und Joggen. Wirklich schade, denn so große Lust, draußen herumzuspringen, hatte ich schon lange nicht mehr.

Meine Sucht nach Hüttenkäse nimmt unterdessen beunruhigende Ausmaße an: Während der vergangenen drei Wochen habe ich 28 Becher davon verdrückt, 12 davon alleine innerhalb der letzten drei Tage: Hüttenkäse pur, Hüttenkäse mit Salz und Pfeffer. Hüttenkäse auf Vollkornbrot, Hüttenkäse mit rohen Gemüsestücken. In meinem Kühlschrank stapeln sich die leckersten Sachen, aber alles wonach mir gelüstet, ist Hüttenkäse - und sonst gar nichts. Wenn ich mir zu Zwecken der Selbstüberredung vorzustellen versuche, irgendetwas anderes zu mir zu nehmen, fühlt sich mein Magen schlagartig wie ein schweres Kohlebrikett an und quäkt mir trotzig „HÜT-TEN-KÄ-SE!!“ entgegen.

Was das wohl für ein schwerwiegender Mangel sein muss, den mein Körper da ausgleichen will? Ich weiß es nicht, gebe aber bereitwillig nach und verputze weiterhin täglich drei bis vier Becher von dem Zeug. Da ich ansonsten praktisch nichts esse und weiterhin fast jeden Tag trainieren gehe, könnte es sich am Ende ja mit dem ein oder anderen Kilo weniger bezahlt machen – gegenwärtig wiege ich übrigens 95,2 Kilo, mein Gewicht wird also weiterhin weniger.



Umso größer wird hingegen mein Erstaunen darüber, was diese mittlerweile gut 12 abgenommenen Kilos für einen optischen Unterschied machen: Mein Doppelkinn hat sich deutlich verkleinert, wo sich bisher unterhalb meines Kopfes ein unförmiges Geschwulst aus überflüssigem Körperfett aufhielt, ist jetzt eindeutig etwas zu erkennen, das einem sogenannten „Hals“ ziemlich nahe kommt. Außerdem habe ich deutlich erkennbare Schultern bekommen; wenn ich in den Spiegel schaue, kommt es mir ganz seltsam vor, dass ich links und rechts plötzlich viel früher zuende bin, als noch vor einem halben Jahr.

Mittlerweile sieht man sogar andeutungsweise Schlüsselbeine und kann erfühlen, dass sich auch in meinen Schultern irgendwo tatsächlich Knochen befinden müssen. Auch meine Oberarme kommen mir mittlerweile deutlich schlanker vor. Und tatsächlich! Insgesamt 4,5 cm (von 39 auf 34,5) habe ich dort seit Beginn des Projektes an Umfang verloren. Am Bauch sind es mittlerweile runde 10 cm (von 113 auf 103) und der Oberschenkel ist mit 68,5 cm Umfang um 6,5 cm schlanker geworden.

Ob ich mit diesen Maßen nun endlich in eine Radlerhose hineinpasse?