Von Possum angepinkelt

Lilian Kaliner

Lilian und Patrick sind zurück auf dem australischen Festland. Dort hat Patrick versucht, ein Possum zu filmen, woraufhin die Beutelratte mit einer Urinattacke reagierte.



Bei einem Abendspaziergang durch einen Melbourner Park haben wir plötzlich die kuscheligen Gesellen entdeckt. Sie krabbelten die Palmen rauf und runter und saßen zu dutzenden auf den Rasenflächen. Anfänglich haben wir uns ganz langsam und nur bis auf ein paar Meter genähert, denn stören wollten wir sie sie ja nicht. Dass die Possums aber ganz verrückt nach getrocknetem Brot sind, haben wir schnell herausgefunden. Ein Australier drückte uns ein altes Brötchen in die Hand und damit fing der ganze Spaß erst richtig an. Die Possums wussten genau, was wir in der Hand hatten und kamen auf uns zu geschlichen. Das sieht immer sehr lustig aus. Beschreiben kann man das nicht, wohl aber wie es zu dem Pinkelunglück kam.


Patrick hatte unseren Camcorder auf Nachtsicht gestellt und wollte eine schöne Possumnahaufnahme. Er hat sich eine der Beutelratten ausgesucht, das gerade in einem Baum saß und wohl ziemlich schlechte Laune hatte. Mit dem ollen Brötchen hat er es sich angelockt und dem armen Tier die Kamera vors Gesicht gehalten. Nach zwei Sekunden begann Patrick zu fluchen, dann musste er sich und den Camcorder am Gras abreiben. Das Pelzmonster hat gut gezielt und ihn richtig schön erwischt. Das Geschehen gibt es als wunderbares Filmdokument.

Wir fütterten weiter, nun aber mit mehr Abstand. Zwei ältere Frauen tauchten auf, mit einer ganzen Tüte voller Brot. Aus allen Palmen und Sträuchern krabbelten Possums. Der ganze Weg war voll davon und die Frauen erklärten, dass sie zu einer Possumschutzgruppe gehörten. Sie deuteten auf einen alten Mann, der mit einigen Tieren auf einer Parkbank saß. Dieser würde den Possums sogar mit einem Kamm das Fell kämmen.



Nach einigen Tagen in Melbourne sind wir ins Victoria-Hinterland gefahren, in die Stadt Ballarat. Sie entstand, als dort Gold gefunden wurde und die Nachricht einen Goldrausch auslöste. Innerhalb kürzester Zeit entwickelte sich Ballarat zur größten Inlandsstadt und man kann heute noch an den prunkvollen Häusern den Reichtum erkennen.



Naheliegend, dass man heute versucht, diese Geschichte heute als Touristenattraktion zu verkaufen, mit einer nachgebauten Goldsuchercity-Kulisse. Ein ganzer Hügel wurde mit Wohnhäusern und Geschäften dem neunzehnten Jahrhundert nachempfunden. Alles dreht sich ums Gold. Die Führung durch eine originale Goldmine war schon faszinierend. An einem kleinen Fluss darf man selbst sein Glück beim Goldwaschen versuchen. Angeblich wurde echtes Gold reingestreut. Gefunden habe ich keines.

Zwei Tage später fuhren wir auf die berühmte Great Ocean Road. Sie schlängelt sich ungefähr 200 Kilometer an der Küste entlang und es gibt spektakuläre Aussichtspunkte. Die ersten sechzig Kilometer waren von dschungelähnlichen Wäldern gesäumt. Irgendwann kommt dann, das behaupte ich jetzt einfach mal so, die beste Aussicht der Welt. Von Steilklippen aus sieht man gespenstische Steinformationen im Wasser, darunter auch "die zwölf Apostel".



Letzte Woche kam übrigens das verschollen geglaubte Weihnachtspaket meiner Eltern an. Wir arbeiten nun an einem halben Kilo alter Weihnachtsplätzchen.