Von Null auf Wirt: Die Coffee Factory eröffnet mit neuen Betreibern

Alexander Ochs

Äußerlich bleibt alles beim Alten, doch innen ändert sich einiges: Die Coffee Factory in der Habsburgerstraße macht wieder auf. Verrückt: Dahinter stecken zwei völlige Gastro-Greenhorns.

Vor zweieinhalb Jahren hat die Coffee Factory in der Habsburgerstraße schon einmal einen Pächterwechsel erlebt. "Wir wollen das Rad nicht neu erfinden", sagten die beiden Wirte damals. Lustigerweise ist das auch das Erste, was Neupächter Christian Schubert sagt, der zusammen mit seiner Freundin Katharina Kreth inzwischen den Laden schmeißt. Und er fügt hinzu: "Nicht groß anders, aber besser."


Ein Beispiel hat Christian auch sofort parat: "Zuletzt waren die Öffnungszeiten am Abend ziemlich unzuverlässig. Bei uns hat die Coffee Factory außer Sonntag und Montag immer von 9 Uhr morgens bis mindestens 0 Uhr auf. Wir wollen den Abend wieder attraktiver machen." Und noch eins: "Den Zigarettenautomat haben wir rausgeschmissen. Stattdessen soll jetzt ein Bücherregal rein."

Das alte Ambiente erstrahlt in neuem Glanz

Ganz zuletzt, "zwischen den Jahren", hatte das Café geschlossen. Schließlich mussten Katha und Christian fleißig werkeln, teilweise neuen Boden verlegen (lassen), neue Technik und Geräte in der Küche installieren und vor allem drei Dinge tun: putzen, putzen, putzen. Jetzt erstrahlt das alte, gemütliche Ambiente in neuem Glanz, auch wenn sich äußerlich kaum etwas geändert hat. Die Beiden haben der Coffee Factory nun den Beinamen "Café-Bar-Kulturkneipe" verpasst.

"Wir backen täglich mindestens zwei Kuchen frisch, es gibt Frühstück und Mittagtisch. Abends bieten wir eine kleine Karte und leckere Kleinigkeiten an", berichtet Christian. Das Meiste soll möglichst regional bezogen werden, und das neue Betreiberduo zieht kleine Lieferanten großen vor: Schinken vom Dirr, Käse aus Freiamt, Kaffee von der Rösterei Schwarzwild, Wasser und Wein aus der Region, Fritz Cola statt Coca Cola, Tonics von Thomas Henry.

Graffiti-Künstler Tom Brane soll den Laden noch besprühen

Die Homepage und das Logo haben Studenten von der Uni Furtwangen gestaltet. Außerdem setzen die Betreiber auf festes Personal und nur wenig Aushilfen, sagen sie. Die Beiden sprühen nur so vor Ideen. Sprühen soll, auch so eine Idee, die jetzt konkret wird, auch Tom Brane in der "Coffee" – der Graffitikünstler, der das umstrittene Wiehre-Haus rundum verziert hat.

Das Erstaunliche am neuen Wirtspaar ist die vollkommene Unbeflecktheit in Sachen Gastronomie. Die Beiden haben ihre sicheren Jobs, die sie über ein Jahrzehnt lang ausgeübt haben, aufgegeben. Nur um diesen Traum vom gemeinsamen "Laden" zu verwirklichen. Katha, beim Gespräch noch 38, war schon Schulleiterin und hängte ihre Stelle als Lehrerin an den Nagel. Der 42-jährige Christian verabschiedete sich nach knapp 20 Jahren vom Beruf des Krankenpflegers.Wer macht denn sowas? – fragt man sich selbst im Geiste.

Seit 2015 wollten die Betreiber ein Geschäft eröffnen

Erst einmal braucht es einen Partner, um so ein Projekt zu stemmen. Seitdem die zwei sich kennengelernt haben, ist die Idee nach und nach in ihnen gereift. Bereits im Oktober 2015 dachten sie darüber nach, wobei Katha mehr Veranstaltungen im Hinterkopf hatte, während Christian lieber ein Backpacker Hostel vorschwebte. Erst hatten sie den Bahnhof in Feldberg-Bärental im Auge. Dann liebäugelten sie mit einem Restaurant in Furtwangen. Doch in letzter Minute – kurz vor dem Notartermin – ließ der Eigentümer das Ganze platzen.

Über glückliche Umstände bekommen die zwei hochmotivierten Neueinsteiger Wind von der Coffee Factory. Sie sagt: super. Er ist im Vorfeld skeptisch. Hätte es gern eine Nummer größer. Doch kaum betritt Christian die Location zum ersten Mal, ist auch er sich sicher: Das ist es. Das war im Mai, vor gut einem halben Jahr.

Ausstellungen und Konzerte sind in Planung

Seitdem haben sich die Beiden einiges draufgeschafft, diverse Coachings und Kurse absolviert und viel mit ihren Lieferanten gesprochen. Und die Ideen gehen ihnen nicht aus: So würden Katha und Christian gerne ein Bücherregal aufstellen, entweder zum Verkauf oder zum Buchtausch. Außerdem planen sie wechselnde Ausstellungen, gerne von Künstlern aus Herdern oder Zähringen. An jedem letzten Wochenende im Monat soll ein akustisches Konzert stattfinden; für den 28. Januar 2017 hat der britische Musiker Matt Woosey zugesagt.

Apropos Veranstaltungen: Katha Kreth hat einige Jahre lang zusammen mit dem Freiburger Rockmusiker Tim Beam das Label Kickoff Records betrieben und kennt zudem das Freiburger Nachtleben – wie soll man sagen? – aus eigener Anschauung ziemlich gut. Bei Christian liegt der Herbergsvater ein Stück weit in der Familie: Seine Eltern sind Hoteliers. "Wir machen ziemlich viel intuitiv", erzählt Katha. "Wir wollen, dass alles gut läuft und perfekt eingespielt ist, gönnen uns einigen Vorlauf." Darum gibt es jetzt auch noch keine große Eröffnungsfeier, die ist für den März anvisiert.

Feintuning bis zur großen Eröffnungsfeier

Bis dahin wollen die zwei experimentieren und finetunen. "Alles muss sitzen", meint auch Christian, "trotzdem: Wir schließen auf und legen los." Die große Bewährungsprobe erfolgt ausgerechnet am Freitag, den 13. – Kathas Geburtstag (deshalb heute ab 19 Uhr geschlossene Gesellschaft). Wie meint Katha lachend? "Früher habe ich immer gesagt: Mit 40 mach ich nochmal was Anderes. Jetzt mach ich’s halt mit 39."
Info

Coffee Factory, Habsburgerstraße 110
Tel. 0761 61247491
Geöffnet So & Mo 9-18 Uhr, Di-Sa 9-24 Uhr
http://www.coffee-factory.de (geht demnächst online)
https://www.facebook.com/coffeefactory.de