Ausstellungsbesuch

Von Latzhosen und Hausbesetzungen: Eine Zeitreise ins Freiburg der 70er Jahre

Christina Braun

Wie war das eigentlich während der Wilden 70ern in Freiburg? Im Uniseum läuft noch bis Mitte September eine Ausstellung, konzipiert von Kulturanthropologinnen und Kulturanthropologen, die genau das bildhaft machen will.

Latzhosen, Plattenspieler, Flugblätter: im Uniseum läuft noch bis zum 14. September 2019 die Ausstellung "Freiburg in den langen 70ern". Die Sonderausstellung, die von Masterstudierenden der Kulturanthropologie im Rahmen eines Studienprojekts konzipiert wurde, zeigt kleine Alltagsgegenstände, die die großen Geschichten aus einer Zeit erzählen, als Hausbesetzungen noch an der Tagesordnung standen und Latzhosen als Ausdruck emanzipatorischen Protests getragen wurden.


Die Ausstellung

Hinter der orange-gelb gemusterten Tapete, die den Besucherinnen und Besuchern an der Innenwand des Uniseums entgegenleuchtet, verbirgt sich auf engem Raum ein ganzes Jahrzehnt Freiburger Alltagsgeschichte. Zwei Semester lang haben sich 14 Masterstudierende aus dem Studiengang Kulturanthropologie auf Spurensuche begeben, Archive durchforstet, mit Zeitzeugen und Zeitzeuginnen gesprochen und Alltagsobjekte zusammengetragen. Dabei sind viele interessante Geschichten und Gegenstände zusammengekommen, die zeigen, wie das Leben im Freiburg der 70er Jahre ausgesehen haben muss.

Als Kulturanthropologinnen und Kulturanthropologen interessieren sich die Studierenden dafür, wie man die großen historischen Ereignisse im Alltäglichen und in persönlichen Geschichten wiederfinden kann: Da steht ein altes Bahnticket für die Proteste gegen die Fahrpreiserhöhung im Jahr 1968 und ein buntgemusterter Schlafsack zeigt, unter welchen Umständen Freiburger Studierende damals im großen Stil Häuser besetzten. Besonders diejenigen, die sich in Freiburg ein wenig auskennen, werden überrascht sein, welche Geschichten sich hinter einer Bierflasche Ganter Pils und einer Filmrolle aus dem Kommunalen Kino verbergen können.

Die Stimmung

Die Vernissage im Uniseum war mit rund 100 Gästen sehr gut besucht. Neben den Studierenden der Kulturanthropologie, waren auch einige Zeitzeugen gekommen, die das, was jetzt in Vitrinen steht, damals selbst miterlebt haben. "Die 70er, das ist einfach ein Thema, was die Freiburgerinnen und Freiburger anzieht", erklärte die Masterstudentin Tasmin Taskale. Roland Burkhart alias "Burki" versetzte die Gäste mit alten Liedern im Kaiserstühler Dialekt, die von Besetzung und Protest erzählen, auch musikalisch in die Zeit zurück, als die alternative Szene Freiburgs für einen neuen und freien Lebensstil protestierten.

Fazit

Eine kleine, aber feine Ausstellung, die spannende Einblicke in die wilden 70er Jahre in Freiburg gibt. Ein Muss für alle, die sich für die Geschichte ihrer Stadt interessieren und nebenbei schon immer mal wissen wollten, was Kulturanthropologen und Kulturanthropologinnen eigentlich machen.
  • Was: Ausstellung "Freiburg in den langen 70ern"
  • Wann: bis 14. September, Do bis Sa, 14 bis 18 Uhr
  • Wo: Uniseum, Bertoldstraße 17
  • Weitere Infos: Führungen gibt es ab Samstag, 3. August jeden Samstag um 15 Uhr.
  • Mehr Infos und Hintergründe zur Ausstellung: Website