Von Kuchenkrümeln und Zwangsschokolade

Eva Hartmann

Gleich von mehreren Seiten bekommt Gewichtshalbiererin Eva in den letzten Tagen eine kalorientechnische Bewährungsprobe nach der anderen in den Weg gelegt: Kuchen und Schokolade pflastern ihren Weg zur Unterschreitung der 90-Kilo-Marke. Aber Eva bleibt (fast) eisern und nimmt weiter ab.



Es wäre ja zu schön gewesen, wenn der derzeitige Abnehmdrive komplikationslos einfach so weitergelaufen wäre. Ich nehme zwar weiterhin ab - aber die Umstände werden deutlich härter. Nicht nur, dass jüngst wegen Stromausfalls bzw. wegen einem Organisationsfehler im Fitness-Studio zweimal Spinning und einmal BodyPUMP ausfiel, nein: Auch meine Nachbarschaft untergräbt meine Abnehmbemühungen.


Es ist nämlich so, dass ich erstens in unmittelbarer Nähe eines großen Ärztehauses wohne und zweitens ein sehr hilfsbereiter Mensch bin. Beides eigentlich nichts Schlimmes. Wenn man jedoch als hilfsbereiter Mensch zufällig immer dann an so einem Ärztehaus vorbeiläuft, wenn da gerade immer die selbe alte Nachbarin ihre Tasche fallen lässt/ über ihren Gehwagen stolpert/ die Klingelschilder der Arztpraxen nicht lesen kann, dann hat das mitunter fatale Folgen: Man hilft und wird dafür mit Schokolade bestraft.

Weshalb Menschen ab Erreichen einer gewissen Altersgrenze scheinbar grundsätzlich immer mehrere Kilogramm Schokolade mit sich herumschleppen, ist mir seit Jahren ein Rätsel. Dass ausgerechnet ich ganz oft genau solchen alten Menschen über den Weg laufen muss, ist allerdings ein noch viel größeres.

Jedenfalls scheitern sämtliche Versuche, der alten Dame zu erklären, dass Schokolade gerade so gar nicht das Lebensmittel der persönlichen Wahl darstellt: Sie mag alt und tatterig sein, aber sie ist noch immer rabiat genug, mir das Zeug mit zitternden Ärmchen gewaltsam in die Tasche zu stopfen. So erklärt sich, weswegen sich in meinem Küchenschrank derzeit vier Tafeln von diesem Teufelszeug befinden, um die ich seit nunmehr zwei Wochen tapfer herumschleiche.



Aber das ist ja noch nicht alles. Nun fand ja bekanntlich vor Kurzem das fudder-Sommerfestival statt, auf dem ich nicht nur feiernd anwesend sein, sondern ebenfalls helfend zut Tat schreiten wollte. Also ließ ich mich für spätabendlichen Kassendienst eintragen. Als sich dann aber nachmittags eine Lücke in der Besetzung der Kuchentheke auftat und ich dummerweise gerade nichts zu tun habend herumstand, platzierte man mich genau hinter ebendieser.

Ist das nicht fies? Ausgerechnet die Gewichtshalbiererin im Team hinter einen Tisch mit geschätzten zwölftausend zuckrigsüßen Kilokalorien zu setzen?
"Ga muffu jetch gurch" kommentierte fudder-Kollege Marc bratwurstmümmelnd meine vorsichtigen Protestversuche, verkaufte mir diese Gemeinheit als wohlwollendes Aufdieprobestellen meines Durchhaltevermögens und zog von dannen.

Die folgenden anderthalb Stunden brachte ich damit zu, kleinen Kindern mit der Zwangsverabreichung von Rhabarberstücken zu drohen, Enten auf dem See zu zählen und pokerspielende Franzosen anzuglotzen - und überhaupt alles anzuglotzen, außer diesen Streuselschokocremekirschzuckerguss-Schweinereien, die da direkt vor meiner Nase standen.



Fast hätte ich das sogar durchgehalten, wenn nicht kurz vor Ende meiner Kuchenschicht ein Stück buntbestreuselter Schokokuchen derart in die Brüche gegangen wäre, das man es unmöglich noch hätte verkaufen können. In der Hoffnung, dass die Rhabarberkinder bald wieder auftauchen und mir den Kuchenbruch dankbar abnehmen würden, platzierte ich ihn auf einem Pappteller - und konnte dann doch nicht widerstehen, mir zwei Brocken davon einzuverleiben. Den Rest habe ich dann aber wirklich an unterzuckerte Kinder verschenkt.

Nichts desto Trotz habe ich seit dem letzten Posting niedliche 200 Gramm abgenommen. Insgesamt macht der Gewichtsverlust mittlerweile immerhin so viel aus, dass sogar mein Vater ihn bemerkt. Da fällt mir ein: Sagt mal alle schön 'hallo' zu meinem Herrn Papa; hat nämlich offensichtlich nicht nur gelernt, wie man Leute googelt, sondern auf diesem Wege auch mein hiesiges Gewichtshalbierungsblog gefunden. Seither scheint er ein schärferes Auge auf meine Fortschritte zu werfen: "Jetzt sieht man ja sogar schon Fingerknöchel", bemerkte er gestern.

Bleibt nur die Frage: Was tun mit den vier Tafeln Schokolade im Schrank? Ich glaube, die werden dann demnächst ihren Weg auf den Besprechungstisch der fudder-Redaktion finden...

[P.S.: Ich fand es übrigens richtig nett, dass mich beim fudder-Festival einige Leser angesprochen und mir richtig schönes Feedback für diese Kolumne gegeben haben. Es würde mich freuen, auf den nächsten fudder-Parties noch mehr von euch kennenzulernen!]

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