Von Breisach nach Kuala Lumpur (1)

Müslüm Erikci

Unser neuer Blogger Müslüm Erikci ist 17 und wird von nun an ein Jahr lang bei einer achtköpfigen, malaischen Gastfamilie in der Nähe von Kuala Lumpur leben und dort zur Schule gehen. Auf fudder wird Müslüm von seinen Erfahrungen in Malaysia berichten. Warum ausgerechnet Malaysia? Das erzählt der Breisacher in der ersten Folge von "MfG Müslüm".



Liebe Fudder-Leser, ich bin Müslüm Erikci, 17 Jahre alt, wohne zusammen mit meiner Mutter und meinem Bruder in Breisach und gehe auf das Martin-Schongauer-Gymnasium.


In meiner Freizeit spiele ich Basketball und gehe schwimmen. Mit meiner Familie und meinen Freunden verbringe ich die meiste Zeit.

In den nächsten 12 Monaten will ich euch ab und zu über mein Jahr in Malaysia berichten. Wie es dazu gekommen ist, erzähle ich euch nun.

Die ganze Sache begann damit, dass ich noch sehr jung ein Manga, ein japanisches Comic, zwischen die Finger bekam. Ich war so fasziniert davon, dass ich immer mehr über Mangas und ihren Entstehungsort Japan wissen wollte. Ich wollte japanisch lernen und eine Sprachreise dorthin organisieren. Ich meldete mich bei der VHS (Volkshochschule) im Japanischkurs an und informierte mich über verschiedene Austauschorganisationen.

Monate vergingen. Keine der Organisationen, die ich ausfindig gemacht hatte, boten Stipendienplätze.

Schließlich wurde ich auf ein Schulplakat der AFS (American Field Services) aufmerksam. AFS basiert ausschließlich auf Ehrenamtlichkeit. Ich bewarb mich und wurde zu einem Auswahlwochenende eingeladen.

Ich wurde angenommen. Doch die Plätze für ein Jahr in Japan waren belegt und mir wurde angeboten, entweder nach Malaysia oder nach Thailand zu reisen.



Ich entschied mich für Malaysia, denn als Moslem würde es mir leichter fallen, mich in einen moslemischen Staat zu integrieren. Nach zwei Vorbereitungswochenenden blieben mir theoretisch noch etwa anderthalb Monate bis zum Abflug. Denn das Auslandsjahr war noch nicht bestätigt worden, so dass ich ungeduldig auf die Bestätigung des Stipendienantrags wartete.
Dennoch machte ich einige Fotos, um möglichst viele Erinnerungen  an mein potenzielles Reiseziel mitzunehmen.
Ich lernte auch, die kleinen Dinge im Leben zu schätzen, zum Beispiel, mich gemeinsam mit meiner Familie an einen Tisch zu setzen und zu Abend zu essen.



Ende Dezember 2006 bekam ich die Bestätigung für ein Teilstipendium. Ihr könnt euch nicht vorstellen, wie schön dieser Moment war, als ich von der Schule kam und ich diesen Brief auf dem Esstisch sah, an mich addressiert. Mein Herz raste. Langsam und mit zitternder Hand öffnete ich den Umschlag und ließ ihn sogleich zu Boden fallen.

"Nach Prüfung aller ggf. von Ihnen beantragten Stipendien freuen wir uns, Ihnen mitteilen zu können, dass Ihr Sohn Müslüm für ein Teilstipendium der Stiftung Mercator ausgewählt wurde."

Malaysia liegt auf der Südhalbkugel, nahe dem Äquator. Deshalb ist es dort sehr heiß. Jahreszeiten gibt es dort keine. Das ganze Jahr über herrschen zirka 30 Grad und eine Luftfeuchtigkeit von bis zu 90 Prozent. Malaysia war einst eine britische Kolonie, die aus zwei Inselteilen besteht.
Zum einen die größere Haupt-Halbinsel.

Zum anderen die etwas kleinere Insel namens Borneo. Bekannte Nachbarstaaten sind Thailand und Indonesien.

Es gibt in Malaysia drei Bevölkerungsgruppen: Malaien, Inder und Chinesen. Malaien bilden den größten Bevölkerungsteil, sind muslimisch und sprechen malaiisch. Inder und Chinesen bilden die Minderheit, wobei es etwas mehr Inder gibt. Sie sind hinduistisch und sprechen die indische Provinzsprache Tamil.
Die Malaysia-Chinesen sind meist buddhistisch und sprechen Mandarin. Die Religion spielt in Malaysia eine sehr große Rolle. Während meines Aufenthalts wohne ich bei einer achtköpfigen Familie, die in der Nähe der Hauptstadt Kuala Lumpur wohnt.

Ich reise nicht mit großen Erwartungen dorthin, denn große Erwartungen bedeuten meist große Enttäuschungen. Bis zum nächsten Mal, MfG Müslüm