vomBürgerbelästigt.nl

Christian Deker

Seit die niederländische Regierung im Jahr 2005 die so genannte eParticipation einführte, können sich die Bürger im Internet über Behörden und Beamten beschweren. Das Projekt soll die Kommunikation zwischen Bürgern und Staat verbessern. Jetzt können die Beamten aber zurückschlagen: Auf lastvandeburger.nl können sie nervige, dumme und unpraktische Bürger melden.

Vor zwei Jahren startete die niederländische Regierung ihre Online-Beschwerdestelle lastvandeoverheid.nl (“vom Staat belästigt.nl“). Damit soll die Zahl der Verwaltungsbeschwerden bis 2007 um ein Viertel gesenkt und so die Kommunikation zwischen Bürger und Staat verbessert werden. Es ist zum Beispiel möglich, kleinere Verbrechen online bei der Polizei melden. Doch nicht nur die Beamten machen Fehler, auch Bürger benehmen sich oft daneben. Deshalb richtete die Regierung jetzt das Gegenprojekt ein: lastvandeburger.nl („vom Bürger belästigt.nl“). Dort können sich Beamte über nervige, dumme und unpraktische Bürger beschweren. So sollen auch die Bürger erfahren, was sie anders machen können. Das geschieht in fünf Phasen – die ersten zwei sind jetzt online: Beamten schicken ihre Beschwerden ein und die Bürger können hierauf reagieren. In Phase drei werden die Beschwerden überprüft und in der nächsten Phase mit den Beschwerden der Bürger verglichen. In der letzen Phase wird schließlich ein „Manifest an den Bürger“ erstellt, das erklärt, wie die Bürger sich benehmen sollten. Ob dadurch tatsächlich weniger Streit zwischen Bürgern und Behörden entsteht? Das Projekt könnte Anlass sein, endlich mal so richtig zu streiten – vor allem über Kleinigkeiten. Denn im Internet geht das ja noch besser als in der Amtsstube.