Vom Verdrängungskampf der Partyportale

David Weigend

Für Freiburgs Partyfotografen wird die Luft in den Clubs allmählich dünner. Da immer mehr Portalvertreter in die Diskotheken drängen, fühlen sich die Gäste zunehmend belästigt. Die Clubbetreiber sehen Handlungsbedarf und stehen teilweise bereits in Verhandlungen über Exklusivzulassungen für ihre Events.



Am Sonntag, den 14. Januar, ganz früh um 1 Uhr, legt Kid Alex im Freiburger F-Club auf. Die  kleine Diskothek ist gut gefüllt und die Gästeliste lang. Unter anderem haben sich zwölf Fotografen von sechs verschiedenen Onlineportalen angemeldet. Sie wollen stimmungsvolle Partybilder machen, auf denen sich die Gäste am morgen danach im Internet anschauen können.


Doch leider gehen die Schnappschüsse nach hinten los. Die Gäste haben keine Lust, im Halbstundentakt Blitzlicht abzukriegen. Die Fotografen werden teils harsch abgewiesen. "So geht es nicht weiter", sagt Bela Gurath, Chef von Endless Event (Extravaganca, Sea of Love) und Betreiber des F-Clubs. "Es muss eine Regelung her." Agar-Chef Frank Joos hat die Häufung der Smileyablichter schon vergangenes Jahr beobachtet und dementsprechend reagiert. Ins Agar kommen pro Abend nur noch maximal zwei Partyfotografen, die sich vier Tage vorher anmelden müssen. "Jetzt, im Januar, lassen wir gar keine Fotografen rein, weil es sich zwischen den Jahren so gehäuft hat. Die Gäste gähnen schon", so Joos.  Markus Kreidel, Geschäftsführer vom Drifter's, handhabt den Fotografeneinlass ähnlich wie Joos.

Dem Freiburger Markt der netzgenerierten Partybilder steht eine Konsolidierung bevor. "Der Markt ist überfüllt, das wissen wir alle", sagt Fabian Heine, 18jähriger "City Manager Freiburg" des Portals virtual-nights. Heine geht davon aus, dass es bald exklusive Partnerschaften zwischen bestimmten Clubs und bestimmten Foto-Communities geben wird, was den Ausschluss anderer Partyportale zur Folge haben könnte. Das Prinzip: Der Clubbetreiber gewährt den Vertretern eines Portals exklusiven Zutritt für Fotos. Im Gegenzug wird dieser Club auf dem Portal privilegiert behandelt und exponiert dargestellt - zum Beispiel in Form von vergünstigter Werbung auf dem Portal.



Noch konkreter wird es, wenn man mit Aljoscha Lachmann telefoniert. Der 24-jährige BWL-Student leitet die Seite Stadtleben.de in Baden-Württemberg und Bayern. Lachmann sagt, dass die exklusive Regelung kommen werde und dass er sich in dieser Hinsicht mit Endless Event-Chef Bela Gurath schon so gut wie einig sei.

Es scheint, als wolle Lachmann seine Mitbewerber, die er mit virtual-nights und freiburg.eins benennt, vom Bildschirm verschwinden lassen. "Wir haben diese Exklusivregelung fürs Glamour und fürs Karma bereits durchgesetzt", behauptet der Stadtleben-Mann, der zu den Betreibern des Karma angeblich gute Kontakte pflegt. Alex Staude und Anja Kreutz , Geschäftsführer des Karma, dementierten auf Anfrage von fudder, dass es bereits einen exklusiven Deal gibt. "Es werden Gespräche geführt", sagt Staude. Mit wem und welchen Inhalts, dazu will er sich nicht äußern.

Überhaupt scheinen diese Kooperationen doch nicht ganz so exklusiv zu sein. Stefan Graf
, Betreiber des Glamournachfolgers Nachtschicht, wird sich etwa die Möglichkeit offen halten, mit dem Schweizer Partyportal Tilllate zusammen zu arbeiten. Ebenso sollen, so ist von zahlreichen Veranstaltern zu hören, die etablierten und beliebten Freiburger Print-Magazine Sub Culture und Nitebeat, die ebenfalls im Netz Foto-Galerien veröffentlichen, weiter zum Zuge kommen. Dennoch arbeitet der BWL-Student Lachmann am Knipsmonopol im Freiburger Nachtleben: "Mit Frank Joos (Agar) und Peter Bitsch (Kagan) will ich jetzt auch noch sprechen."

Wilok Gretzmeier, Betreiber des Portals freiburg.eins, werden diese Neuigkeiten Sorge bereiten, immerhin ist die Existenz seiner Online-Community bedroht. Auch Gretzmeier unterliegt dem Teufelskreis: Keine Bilder, keine User; keine User, keine Clicks; keine Clicks, keine Werbung; keine Werbung, kein Geld. "Wenn Stadtleben mit irgend jemandem einen Exklusivvertag geschlossen haben sollte, werde ich Vollgas geben", so Gretzmeier. Er hält einen Zweikampf zwischen Stadtleben und seinem Portal für wahrscheinlich. Ein Kampf, der über die Frage entscheidet, wer wo reinkommt. Gretzmeier favorisiert allerdings eine einvernehmliche Lösung, etwa eine Art runden Tisch mit Vertretern von Stadtleben, freiburg.eins, Karma & Co. und Endless Event. "Sonst knallt es irgendwann und keiner kann mehr mit dem anderen reden."

Ein rauhes Klima wie dieses herrscht unter den Partyfotografen selbst schon länger. Ein Freiburger Partyfotograf spricht von einer angespannten Arbeitsatmosphäre. Es sei auch schon vorgekommen, dass ein Partyveranstalter einen Fotografen rausgeschmissen habe. Von Solidarität unter den Fotografen könne keine Rede sein: "Man ignoriert sich einfach." Fabian Heine von virtual-nights erwähnt in einem Nebensatz: "In den vergangenen zwei Monaten habe ich fünf Fotografen gefeuert. Wegen Unproduktivität."