Vom Töpfern am Computer und Blumenkohl: hKDM-Absolventen stellen ihre Abschlussarbeiten aus

Alicja Schindler

"We excite you", steht in schwarzen Lettern auf dem grell orange leuchtenden Plakat. Diesen Freitag und Samstag stellen die ersten Bachelor-Absolventen der hKDM ihre Abschlussarbeiten aus. fudder-Autorin Alicja Schindler hat jeweils zwei Kunst- und Designstudierende bei den Vorbereitungen besucht:



Evgenij schmeißt seine Konstruktion aus vier Handrührgeräten an, im obersten Stock des tetrapackförmigen Gebäudes der Hochschule für Kunst, Design und Musik, gegenüber der Schwarzwaldmilch. Die Küchenmaschinen fangen an zu tanzen. Sie kreisen über den Boden, arbeiten sich ab an einer beigefarbenen, zähen Flüssigkeit. Der junge Künstler hockt auf dem Boden an der Kante des Rundes, innerhalb dessen sich sein Werk abspielt.

Evgenij Gottfried ist einer der fast fünfzig Studierenden, die vor vier Jahren als allererster Jahrgang ihr Studium an der hKDM aufgenommen haben. Diesen Freitag präsentieren die Absolventen ihre Abschlussarbeiten aus den Bereichen Kunst, Design und Populäre Musik.

Ein Stockwerk weiter unten, auf der Terrasse der Hochschule, zeigt Evgenij die Arbeit, die er für die Ausstellung vorbereitet hat: Hier ragt aus einem der Fenster eine durchsichtige, sich aufbäumende Plastikfolie. "Mich interessieren Prozesse - also wie das eine mit dem anderen zusammenhängt."

Da passt auch, dass der aus der Pfalz stammende Absolvent vor seinem Studium an der hKDM zunächst eine Ausbildung zum Automatisierungstechniker abgeschlossen hat. Ein Fön liegt in dem Raum, aus dessen Fenster sich die Plastikfolie auf die Terrasse wölbt. Damals ging es darum, Abläufe am Fließband sicherzustellen – heute stellt Evgenij Abläufe aus seiner Fantasie sicher.

Nagel, Stock, Stein, Ast, Klammer, Gabelstiel

Neben Evgenijs Raum liegt das Atelier von Florian Thate. Er stellt eine Arbeit aus, die er wahrscheinlich "2015" nennen will. "Nagel, Stock, Stein, Ast, Klammer, Gabelstiel" hat da jemand mit Bleistift an die Wand geschrieben. Daneben stehen fein säuberlich aufgereiht Reihen von Holzplatten übereinander.

Angefangen hat Florian mit Malerei. "Ich habe Freunde gemalt. Auf Leinwand, mit Acrylfarbe und Pinsel." Das aber habe ihm irgendwann nicht mehr gereicht. Erst wurden die Striche freier und die Bewegungen größer. "Dann habe ich irgendwann einen Blumenkohl in Farbe getaucht und durchs Atelier gezogen." Der Kohl hat eine Spur hinterlassen und seitdem hinterlässt auch er welche.

Seit Januar sägt, kratzt, hämmert und bearbeitet Florian Holzplatten. Jede einzelne hat er seitdem nummeriert und an der Wand mit Bezeichnung des verwendeten Arbeitsgerätes festgehalten.
Vier Stockwerke weiter unten, in der Ausstellungshalle, bereiten zwei Studentinnen des Fachs Design die Präsentation ihrer Arbeiten vor.

Das Verhältnis zwischen Mensch und Tier

Katrin Krumm hat im Unterbereich "New Media" studiert. Als Abschluss hat sie eine theoretische Arbeit über einen Fotografen, der mit 3D-Illustrationen arbeitet, geschrieben. Schwer zum Ausstellen – deshalb hat sie die Hausarbeit am Computer mithilfe eines Programms in eine schlichte Szenerie aus schwarzen, glänzenden Schuhen und einer weißen Ledertasche gestellt. Mutet an wie ein Foto – ist es aber nicht: "Die Objekte gibt es nicht. Ich habe sie alle am Computer erstellt. Das ist wie Arbeiten mit Ton, nur digital."

Svenja Kirsch kommt aus dem Unterbereich Illustration. Sie drapiert gerade ein kleines, gebundenes Heft. "Wunde" heißt das Fanzine, das sie nach der Textvorlage von zwei Hamburger Studenten zum Mensch-Tier-Verhältnis gesetzt und illustriert hat. Dazu gibt es ein Leporello und ein weiteres Heft, das aus den Skizzen während der Schaffensphase entstanden ist. Sie blättert darin, bis sie auf einer Seite mit Zeichnungen kleiner Tierköpfe angekommen ist. "Und der hier", sagt sie, hält kurz inne und zeigt dann auf einen Fuchs mit spitzer Nase, "der kommt nachher hier auf meinen linken Arm. Als Tattoo."

Die Eröffnung der Ausstellung beginnt an diesem Freitag um 20 Uhr in der hKDM und schließt um 24 Uhr. Am Samstag können Interessierte die Ausstellung von 14 bis 17 Uhr besuchen. Die Semesterabschlusskonzerte der Musikstudierenden fanden schon in den letzten drei Tagen statt. Im Ausstellungsraum wird aber eine Audiostation zum Nachhören für die Besucher bereitstehen.


(Grafik: hKDM)

Mehr dazu:

Was: Ausstellung hKDM-Bachelor-Absolventen
Wann: Freitag, 24. Juli 2015, 20 bis 24 Uhr, Samstag, 25. Juli 2015, 14 bis 17 Uhr
Wo: hKDM, Haslacher Straße 15, 79115 Freiburg  

Foto-Galerie: Alicja Schindler

Tipp: Wartet einen Augenblick, bis die Galerie komplett geladen ist. Ihr könnt euch dann ganz bequem jeweils das nächste Foto anzeigen lassen, indem ihr auf eurer Tastatur die Taste "N" (für "next") drückt.