Vom Tiefpunkt der Streitkultur beim SC Freiburg

Markus Hofmann

Ulrich Fuchs ist Autor beim "Heimspiel", der Stadionzeitung des SC Freiburg. Aus dieser und anderen Publikationen kennen Freiburgs Fußballfans Fuchs als geist- und kenntnisreichen Sportjournalisten. In der vergangenen Ausgabe des "Heimspiels" aber hat Fuchs einen Beitrag zu verantworten, der unter die Gürtellinie geht. Weil er das Niveau von dem, was wir als fairen Journalismus betrachten, unterschritten hat. Und weil er auf unsachliche Weise mit einem Totschlagvorwurf operiert: Rassismus.

Am 19. Februar hat unser Autor Rudi Raschke einen satirischen Beitrag auf fudder veröffentlicht, in dem sich Volker Finke, der Trainer des SC Freiburg, fiktiv über Vergangenes und Kommendes Gedanken macht: Volkers Tagebuch. Dort ist zu lesen:


"Dann holen wir noch diese zwei viel versprechenden A-Jugendlichen aus dem Tschad und Coulibaly wird Spielertrainer. Stocker darf als Ehren-Zeugwart einmal die Woche die dreckigen Trikots nach Hause mitnehmen. Keller, Henri Breit und dieser dritte Vorstand, der Dingsbums, dürfen sich bis auf drei Kilometer nicht mehr dem Stadion nähern. Da stimmen die Laufwege wieder."

In der aktuellen Heimspiel-Ausgabe pickt Fuchs, der eigentlich dafür bezahlt wird, den SC Freiburg in einem positiven Licht zu präsentieren, den ersten Satz dieser Passage heraus und wirft Rudi Raschke vor, er sei sich selbst „für klammheimliche Rassismen nicht mehr zu schade“:

"Oder kann man das obige Zitat anders deuten? Hat Volker Finke ihrer Ansicht nach zu viele Spieler mit der falschen Hautfarbe verpflichtet?"

Solche Fragen könnte sich vielleicht ein Leser stellen, der die Polemik von Ulrich Fuchs mit dem – im „Heimspiel“ gezielt verkürzten – Zitat aus Rudis fudder-Beitrag überfliegt. Fuchs unterstellt Rudi die Aussage: Beim SC spielen zu viele dunkelhäutige Spieler. Genau solche Aussagen aber wird Fuchs weder in diesem noch in irgendeinem anderen Beitrag von Rudi Raschke finden. Wie überhaupt Rudi die Herkunft der afrikanischen SC-Spieler sonst mit keiner Silbe thematisiert. Verdammt schwache Argumente also, will man einen Rassismusvorwurf ernsthaft begründen – und nicht einfach nur billig polemisieren.

Rudis fudder-Beitrag ist Satire. Hätten Rudis fiktive SC-Neuzugänge aus Luxemburg (statt dem Tschad) kommen müssen, damit Herr Fuchs geschwiegen hätte? Eine Diskussion über den – nach Auffassung des SC Freiburg – strittigen Satz von Rudi Raschke führt deshalb zu Fragen wie: Was darf Satire? Und: Wo beginnt Rassismus? Über solche Fragen lässt sich trefflich streiten. Man kann solche Diskussionen auf differenzierte Weise führen. Der PR-Mann des Sportclubs jedoch prügelt einen Monat nach der Veröffentlichung auf fudder mit dem Rassismushammer los – noch dazu im offiziellen Stadionmagazin des SC Freiburg. Dies ist für Fuchs und den Sportclub Freiburg unwürdig und peinlich.

Denn es ist ja nicht so, dass sich Fuchs und Raschke nicht seit Jahren kennen. Und Ulrich Fuchs weiß sehr gut: Rudi Raschke Rassismus vorzuwerfen, ist ähnlich absurd, wie den Strandkorb im ehemaligen Dreisamstadion als Schleudersitz zu bezeichnen. So absurd, dass Rudi den Vorstand des SC Freiburg gestern in einem Schreiben dazu aufgefordert hat, konsequenterweise ein Stadionverbot gegen ihn zu verhängen, sollte er die Ansichten Fuchs’ teilen.

Was soll das also? Rudi hat den SC Freiburg in den vergangenen Monaten auf unserer Plattform hart kritisiert. Im Herbst, als der mit Aufstiegsambitionen gestartete SC in den Abstiegsstrudel geraten war, hat Rudi in seinen 14 Thesen zum Niedergang des SC Freiburg analysiert, warum der Sport-Club am Scheideweg stehen könnte.
Nachdem der SC die sportliche Kehrtwende vollzogen hat, böten sich versierten Journalisten bestimmt Anknüpfungspunkte, um Rudis Thesen zu entkräften. Inhaltlich, wohlgemerkt. Der inhaltliche Diskurs im „Heimspiel“ beschränkt sich jedoch auf ein bis zwei Sätze. Die Polemik von Ulrich Fuchs ist deshalb vor allem eine persönliche Abrechnung – und damit das Gegenteil einer zivilen Streitkultur, bei der konträre Meinungen und die Kraft des Arguments respektiert werden. Ähnlich empfindlich reagierte der Sport-Club jüngst, als sich Freiburgs Oberbürgermeister Salomon erdreistete, sich zur Trainerfrage zu äußern und eine eigene Meinung zu postulieren.

Wer massive Geschütze auffährt wie Ulrich Fuchs, sollte mit seinem echten Namen zu solchen Vorwürfen zu stehen. Dies war – leider – nicht der Fall. Sein Artikel in der Stadionzeitung war anonym mit „Heimspiel“ gezeichnet. Herr Fuchs, mit dem ich gestern Nachmittag telefoniert habe, sagt, die Anonymisierung sei Tradition bei dieser Heimspiel-Rubrik. Wir finden trotzdem: Das war nicht mutig.

Nicht besonders stilvoll ist obendrein, dass Fuchs in seinem Betrag persönliche Vorwürfe mit Polemik vermischt. Gegen Polemik ist nichts einzuwenden – dies ist ein legitimes journalistisches Stilmittel. Was aber haben persönliche Sticheleien wie eine abgelehnte Stellenbewerbung, die vier Jahre zurück liegt, im offiziellen Organ des SC Freiburg verloren?