Vom Rektor zum Gejagten

Lorenz Bockisch

Schon gewusst, dass eigentlich alle Namen, die wir mit uns herumtragen, auch eine Bedeutung haben? Der Müller mahlte früher Getreide, der Schmidt hämmerte oder der Schulze fungierte als Bürgermeister; das erschließt sich auch noch dem heutigen Sprachverständnis. Doch bei anderen, ebenfalls geläufigen Namen wird das schon komplizierter. Und teilweise sehr passend.

Dass ein Meier in früheren Zeiten den Hof eines adligen Vorgesetzten verwaltete, ist auch noch nachvollziehbar. Ebenso wie der Hof(f)mann, ein kleiner Bauer, der an einem größeren Hof angestellt ist (vielleicht sogar am selben). Die meisten unter den häufigsten Namen sind Berufsbezeichnungen, wie der Schneider (niederdeutsch auch Schröder), der Bauer, der ausschenkende Krüger und natürlich der Becker, der ursprünglich nicht den Schläger, sondern den Teig schwang.


Doch je seltener der Name wird, desto unerkenntlicher wird die Bedeutung. Dass der Name des Berliner Bürgermeisters Wowereit aus dem Litauischen kommt und soviel wie "Eichhörnchen" bedeutet, ist seit einigen Jahren bekannt, seitdem der einzige Professor für Onomastik (so heißt die wissenschaftliche Namenskunde) in Deutschland, Jürgen Udolph, in fast sämtlichen Medien seine Auftritte hatte.

An der Rektorenposition der Universität Freiburg gibt es nächstes Jahr den Wechsel von Jäger zu Voßkuhle. Was dies hochschulpolitisch bedeutet, ist noch nicht abzusehen. Aber onomastisch ist die Bewegung doch sehr interessant: Wo vorher ein Jäger war, kommt bald ein Fuchsbau hin (Voßkuhle: altes Deutsch für "Höhle" oder "Versteck des Fuchses").

Mehr dazu: