Vom Friseurstuhl hinter das DJ-Pult: das Plattenlabel Abartik

Laura Wolfert

"Der gewisse Wahnsinn gehört dazu", sagt Philipp - der abartige Typ von "Abartik". Das Vinyl-Label aus Basel bietet jungen Underground-DJs eine Plattform, um ihr Potential zu entfalten. Wie es dazu kam und warum die Jungs Platten besitzen, auf denen holländische Frauen-Volkslieder zu hören sind:



Philipp Christian Corches beschreibt sich selbst als den Abartigen von "Abartik". "Vielleicht weil ich ein kleines Rad abhabe. Der gewisse Wahnsinn, der gehört dazu", sagt er. Der 25-Jährige gründete 2012 mit seinem Freund Sven Ketz das Musiklabel Abartik – eine Plattform, die jungen, aufsteigenden Künstlern – Underground-DJs – eine Möglichkeit bieten soll, ihr Talent unter Beweis zu stellen.


Kennengelernt haben die zwei Männer sich weder bei einem Bier, noch in einem Klub, oder beim Fußball – sondern durch ihren gemeinsamen Friseur "Trés Chic" in Müllheim. "Der lädt an Heiligabend gerne seine Freunde ein. Da haben wir uns 2009 getroffen", sagt Philipp. "Ein paar Monate später waren wir spontan in Basel feiern. Da hat sich herauskristalliert, dass wir beide eine Affinität fürs Nachtleben haben."

Kohle durch die Katze

Ursprünglich sollte Abartik kein reines Musiklabel werden. Anfangs haben Sven und Philipp T-Shirts designt und Partys organisiert. "Das war aber ein zu großer Aufwand. Außerdem haben wir in unserer Arbeit nicht das gesehen, was wir wirklich machen wollten", sagt der 25-jährige Architekturstudent. Deshalb haben die Freunde kurz darauf als Promoter für verschiedene Clubs in Basel und Freiburg, wie Schmitz Katze, gearbeitet und so ihre Kohle verdient.

"Sven hat schon immer ziemlich 'deepe Musik' gemacht", sagt Philipp. Der 32-Jährige Sven Ketztummelt sich seit 17 Jahren in der Szene und alles, was sein jüngerer Freund kann, hätte er von ihm gelernt. Vor der Gründung des Labels legte "Philippe" bereits einige Male auf - hatte aber nie den Ansporn groß raus zu kommen. "Das kam erst mit den Partys in Zürich und Basel", sagt er.



Früher in der Kaschemme, heute im Café Singer: Abartik veranstaltet im Vier- bis Fünfwochentakt neue Partyreihen. "Meist spielen Rino, Sven oder ich. Die DJs, die wir noch einladen, sind immer High-Class. Doch es ist ein schwieriges Unterfangen, wenn es viele namhafte DJs - wie in Basel - gibt. Aber ich bin mir sicher, dass die Musiker, die wir buchen, besser sind. Die geben sich noch richtig Mühe. Deswegen heißt unsere Partyreihe auch 'Unknown'. Es sind unbekannte Leute, die aber richtig, richtig gut spielen", sagt Philipp.

Drop, Break, Flow

Sven steht mehr auf Minimal-Techno, Philipp mehr auf Minimal-House. "Das hat mehr Groove, ist ein bisschen schneller, hat mehr Funk", sagt er. Bei dem minimalistischen House, den Abartik  machen, gibt es keine extreme Steigerung - keine riesen Drops oder Breaks. Die Musik ist gradlinig und baut aufeinander auf, hat Flow. Philipp erklärt, dass die Tracks alle sehr "random" seien, wenn man sie einzeln anhört. "Was diese Musik aber speziell macht, ist, dass man die Tracks sehr lange ineinander mixen kann. Dadurch kannst du immer wieder eine ganz andere Stimmung erzeugen. Das hält permament Spannung."

Das erste Release von Abartik ist bereits ausverkauft, zehn weitere sind geplant. Abartik ist ein reines Vinyl Label. Wer keine Platten spielen kann, wird auch keine 'Abartike Musik' zu Ohren bekommen. "Das hat etwas mit der Mentalität zu tun, die dahinter steckt", sagt Philipp. "Es gibt ja mittlerweile so viele, die mit Computer und Laptop auflegen und sich DJ nennen. Sobald du aber genau so einem zwei Platten davor stellst, ist er überfordert."

Die Belgier und die Holländer

Den Vertrieb von Abartik betreibt der größte Online-Plattenladen Deutschlands: Decks. Derzeit gibt es Agnes 2 - aus einer Serie von Tracks des bekannten, belgisches Produzenten Jerome C. - zu kaufen. Auch Agnes 5 und drei ist unterschrieben. "Unsere Platte ist erst einen Monat lang auf Decks zu kaufen und gelangt dann weltweit in alle Shops - von Tokio bis nach New York", sagt Philipp.



Nicht nur Belgier, auch Holländer schaffen es in die Plattensammlung von Abartik: "Einer, bei dem ich mir manchmal Platten bestelle, verpackt die Platten mit zwei anderen Platten. Auf denen ist ebenfalls Musik gepresst. Das sind meist holländsiche Volkslieder von Frauen. Die spiele ich nicht, aber teils sind da Sachen, die man sehr gut sampeln kann." Abartig – aber es funtioniert.

Mehr dazu:

Was: Pur Elektronisch mit Philippe, Sven Ketz & Jonalisa
Wann: Freitag, 18. März 2016, 23 Uhr
Wo: purpur Müllheim [Foto: privat, Instagram Abartik]