Vom Dorf in die Stadt: Wie ist es bei einer Freiwilligen Feuerwehr in einer Stadt mit Berufsfeuerwehr?

Tilman Markowetz & Andreas Palzer

In Freiburg arbeiten die Freiwillige und die Berufsfeuerwehr eng zusammen. Wie die Zusammenarbeit funktioniert und was in kleineren Städten anders läuft: Ein Erfahrungsbericht im Rahmen unserer Kooperation mit der Freiwilligen Feuerwehr.

Das System der Freiwilligen Feuerwehren in Deutschland ist einzigartig. Sogar so einzigartig, dass aktuell darüber diskutiert wird, es zum immateriellen UNESCO-Weltkulturerbe erklären zu lassen. Dabei lebt und funktioniert die Freiwillige Feuerwehr nur durch die Mitglieder, die aktiv mitmachen, sich weiterbilden und zu Einsätzen fahren


Fünf Freiburger erzählten neulich auf fudder von ihrer Grundausbildung bei der Freiwilligen Feuerwehr – aber wie ist es, wenn man als ausgebildeter Feuerwehrangehöriger nach Freiburg kommt? Ist Feuerwehr gleich Feuerwehr, gibt es Unterschiede und was macht die Feuerwehr in Freiburg aus? Ein persönlicher Erfahrungsbericht.

Vom Dorf in die Stadt

Thomas, Benjamin, Fabian und ich, Tilman, sind schon als ausgebildete Feuerwehrleute nach Freiburg gekommen. Für uns ist die Feuerwehr Freiburg nun eine neue Heimat. Während Thomas, Fabian und ich über die Jugendfeuerwehr den Weg zur aktiven Einsatzabteilung gefunden haben, war es bei Benjamin der explizite Wunsch, neben dem Engagement im Sportverein etwas für die Gemeinschaft zu tun.

Benjamin, Tilman, Thomas und Fabian (von oben links nach rechts) sind bei der Freiwilligen Feuerwehr in der Abteilung Unterstadt

Wir alle hatten schon in unseren Heimatwehren diverse Lehrgänge absolviert, von Kettensägenmodulen bis hin zum Trupp- und Gruppenführerlehrgang. Wir konnten also quasi direkt aktiv einsteigen, nach einer kurzen Kennenlernphase.
fudder hat dieses Jahr die Freiwillige Feuerwehr als Partner. Wir wollen Organisationen aus Freiburg, die Menschen helfen, eine Plattform bieten. Im Zuge dieser Kooperation entstand dieser Artikel.

Während Thomas als Operationstechnischer Assistent arbeitet und auch wegen seiner Beziehung nach Freiburg zog, war für Benjamin sein Medizin-, für Fabian sein Embedded Systems Engineering- und für mich mein VWL-Studium ausschlaggebend für den Umzug. Thomas wird demnächst auch Medizin studieren. Was für uns alle ein großer Unterschied ist: In unseren Heimatwehren ist der Altersschnitt viel höher und die verschiedenen Berufsfelder der anderen Kameradinnen und Kameraden variieren stärker. Freiburg ist nun mal eine Studentenstadt.

Eine so stark eingebundene Freiwillige Feuerwehr ist nicht selbstverständlich

Für Fabian, Thomas und Benjamin war von vornherein klar, dass sie sich weiterhin in der Feuerwehr engagieren möchten. Ich selbst hatte dies nicht direkt vor. Erst nach etwa zweieinhalb Jahren habe ich den Entschluss gefasst, wieder in der Feuerwehr aktiv zu werden, nach dem ich in einer studentischen Initiative war. Freiburg unterhält neben den 18 Abteilungen der Freiwilligen Feuerwehr auch eine Berufsfeuerwehr.

Eine so stark eingebundene Freiwillige Feuerwehr ist in anderen Großstädten nicht selbstverständlich, wie wir herausfanden. Die Freiwillige Feuerwehr ist in Freiburg eine wichtige Unterstützung, die regelmäßig alarmiert wird. Dies ist für uns alle eine neue Erfahrung, hatten wir vorher wenig bis gar keine Bezugspunkte zu einer Berufsfeuerwehr.
Hier zeigen sich dann auch weitere Unterschiede zu unseren alten Feuerwehren. In Freiburg gibt es viel mehr und vor allem größere Fahrzeuge.

Beim Brand im Europa-Park waren wir im Einsatz

Thomas und ich mussten uns von einem kleinen TSF-W (Tragkraftspritzenfahrzeug mit Wasser) auf ein 14 Tonnen schweres und mit 1200 Litern Wasser beladenes Löschgruppenfahrzeug umstellen. In diesem können wir uns bereits auf der Anfahrt zur Einsatzstelle mit schwerem Atemschutz für den Brandeinsatz ausrüsten. In den kleineren Fahrzeugen ist dies in der Regel nicht möglich. Auch die Einsatzarten sind unterschiedlich.

Während in Freiburg jede Freiwillige Feuerwehr neben den allgemeinen Aufgaben zusätzlich auch "Spezialgebiete" abdeckt, bleibt es bei den kleineren Feuerwehren meist bei den Standardaufgaben. Wir, als Mitglieder der Abteilung Unterstadt, haben etwa neben der Brandbekämpfung die Schwerpunkte Wasserrettung an der Dreisam und Wasserförderung über lange Wegstrecken. Zu Letzterem wurden wir zum Beispiel alarmiert, um beim Brand im Europapark zu unterstützen. Besetzt haben wir hierbei den sogenannten "Abrollbehälter-Wasser". Hierin ist die "Superpumpe" verlastet.

Feuerwehr: Mehr als Brandbekämpfung

Alle Abteilungen der Freiwilligen Feuerwehr in Freiburg haben neben den Aufgaben Brandbekämpfung und einfache technische Hilfeleistung ein oder mehrere Spezialgebiete. Eine Tabelle gibt einen Überblick über die jeweiligen Aufgabengebiete.



Die Unterschiede sind auch im Einsatz bemerkbar. In unseren alten Wehren waren wir in der Regel die ersten am Einsatzort. In Freiburg arbeitet man Hand in Hand mit der Berufsfeuerwehr, die in der Regel zuerst am Einsatzort eintrifft. Je nach Größe des Einsatzes können weitere freiwillige Abteilungen hinzualarmiert werden. Das Gefahrenpotential in einer Großstadt ist nun mal ganz anders als in kleineren Gemeinden.

Bei all den Unterschieden und den vielen Dingen, die man immer wieder lernen muss, sind wir uns doch alle einig: Wir haben mit der Freiwilligen Feuerwehr (in Freiburg) die richtige Wahl getroffen! Eine gute Gemeinschaft in der Feuerwehr, ein sinnvolles Engagement für die Gesellschaft und außergewöhnliche Erlebnisse, die wir nicht missen wollen. Wir können nur jedem empfehlen – egal mit oder ohne Feuerwehrerfahrung – sich einmal ein paar Übungen anzuschauen und zu sehen, ob das Engagement in der Freiwilligen Feuerwehr Freiburg etwas sein könnte!
Engagieren bei der Freiwilligen Feuerwehr

Bei der Freiwilligen Feuerwehr kann prinzipiell jeder mitmachen. Es gibt nur eine körperliche Voraussetzung – die Atemschutztauglichkeit beziehungsweise die Feuerwehrtauglichkeit. Bei einer ärztlichen Untersuchung wird dabei geklärt, ob der oder die Interessierte ein Atemschutzgerät tragen kann und ob er körperlich für die Arbeit bei der Feuerwehr geeignet ist.

Die anschließende Ausbildung zum Feuerwehrmann oder zur Feuerwehrfrau beginnt mit einem Grundlehrgang, der sechs Wochen dauert mit etwa 70 Ausbildungsstunden à 45 Minuten. Danach geht es in die regelmäßigen Übungen der Feuerwehr und auf Einsätze. Außerdem kommen noch weitere Lehrgänge hinzu, zum Beispiel für Sprechfunk oder für Atemschutzgeräte.

Wer Interesse hat, sich zu engagieren, kann sich hier melden: Feuerwehr Freiburg

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