Vom Bandkeller aufs ZMF: Interview mit der Freiburger Band Midnight Car Romance

Antonio Jung

Seit über fünf Jahren macht die Band Midnight Car Romance Musik. Name und Stil haben sich geändert, die Besetzung nie. Im Interview sprechen David Weber und Lucas Zipf darüber, wie es ist, über eigene Probleme zu singen.

Seit 2013 macht ihr zusammen Musik. Tim am Schlagzeug, Jan am Bass und ihr beiden an der Gitarre und als Sänger. Wie habt ihr euch kennengelernt?

Lucas: Tim und ich hatten mit Covern von Green Day angefangen. Dann haben wir Jan kennengelernt und über ihn kam David hinzu.
David: Im Sommer 2013 hatten wir unseren ersten gemeinsamen Auftritt im Schlosskeller in unserer Heimatstadt Emmendingen, ohne jemals davor zusammen geprobt zu haben. Jeder studierte die Cover separat ein. Das funktionierte erstaunlich gut. Bei diesem Auftritt haben wir gemerkt, dass wir zusammen passen.

Wie hat sich euer Musikstil mit der Änderung des Bandnamens 2017 von General Confusion in Midnight Car Romance geändert?

David: Als wir 2013 anfingen, waren wir zwischen 15 und 16 Jahre alt. Mit zunehmendem Alter veränderten wir uns musikalisch und waren deshalb mit General Confusion immer unzufriedener.
Lucas: Unter General Confusion haben wir Pop-Punk im Stil der Band Green Day gespielt. Jetzt spielen wir unter Midnight Car Romance alternativen, atmosphärischen Rock, gepaart mit melancholischen und persönlichen Texten.

"Unser Ziel war von Anfang an, live zu spielen." David

Nach eurer Bandgründung habt ihr viel im Keller von Davids Mutter geprobt. Wie schafft man es vom Bandkeller auf die Bühne?

David: Unser Ziel war von Anfang an, live zu spielen. In Emmendingen haben wir viel im Schlosskeller gespielt. Das Fußfassen in Freiburg war die größere Herausforderung. Als rückblickend schon sehr amateurhafte Schülerband war es nämlich sehr schwierig, an Auftritte in Freiburg und Umgebung zu gelangen.

Welche Erfahrungen habt ihr mit der Freiburger Musikszene gemacht?

David: Mittlerweile sehr gute. Bis vor zweieinhalb Jahren gab es meiner Meinung nach gar keine große Musikszene in Freiburg. Mittlerweile gibt es aber viele Bands, man kennt und hilft sich untereinander. Das ist halt typisch Freiburg, es ist eigentlich wie ein Dorf mit einer super Community unter den Bands.

Dieses Jahr habt ihr beim Zelt-Musik-Festival gespielt. Wie kommt man als junge, alternative Rockband aus Emmendingen an die größeren Gigs in Freiburg?

David: Man lernt Leute kennen. Der erste, der uns eine Chance gegeben hat, war Tilo (Tilo Fierravanti, Anm. d. Red.) vom Haus der Jugend, der die Konzertreihe "My Stage" organisiert. Da hatten wir Anfang 2015 einen Auftritt. Danach folgte eines dem anderem.



Eure Songs enthalten viele persönliche Passagen. Verarbeitet ihr so eure persönlichen Erlebnisse?

Lucas: Ja, die persönlichen Passagen helfen mir, mit meinen Problemen klar zu kommen. Ich möchte mich den Leuten mitteilen.

David: Für mich ist es einfacher, über Dinge zu schreiben, die mich selbst bewegen und mit denen ich mich beschäftige. So hat die Musik auch eine größere Bedeutung, als wenn man sich beim Schreiben in eine Rolle versetzt und sich verstellen muss. Denn dieses Texten fällt mir sehr schwer.

Geht es euch besser, wenn ihr über eure eigenen Probleme singt?

David: Das würde ich so nicht behaupten. Wir singen teilweise über sehr einschneidende persönliche Erlebnisse. Diese dann Woche um Woche zu singen und zu hören, ist nicht ganz so förderlich für die Verarbeitung. Uns ist es aber wichtig, dem Publikum gegenüber die Emotionen zu vermitteln, indem wir unsere Individualität behalten.

Vor kurzem habt ihr eure neue Maxi Single "Future is a Vagabond" veröffentlicht. Warum ist die Zukunft ein fahrendes Volk?

David: Wir hatten den Song bereits Anfang 2016 mit 18, 19 Jahren geschrieben. "Future is a Vagabond" handelt von Zukunftsängsten und Veränderungen. Nach dem Schulabschluss hatten wir weniger Sicherheit und mussten unsere eigenen Entscheidungen treffen. Diese Zeit war für uns angsteinflößend und unberechenbar. Daher der Vergleich zum Vagabundenleben.


In eurem Song "Sound and Smoke" singt ihr darüber, dass am Ende alles in Schall und Rauch auseinander fallen wird. Wie kann der Hörer das deuten?

David: Den Song kann man sowohl positiv als auch negativ auslegen. Im Refrain singen wir, dass alles, was jetzt gerade schlecht oder gut erscheint oder Dinge, über die man sich Gedanken macht, letztendlich nur eine Phase sind. Am Ende verliert sich alles in Schall und Rauch.

Seit 2017 steht ihr bei dem jungen Label Philla Records unter Vertrag. Was hat sich seitdem für euch verändert?

Lucas: Auf jeden Fall der Aufnahmeprozess. Davor war es schwierig, eine Möglichkeit zu finden, unsere Songs professionell aufzunehmen und unter die Leute zu bringen. Über Phil, unseren Produzenten, haben wir die Möglichkeit, unsere Songs professionell zu produzieren und auf Musikportalen wie Spotify zu veröffentlichen.
David: In den eineinhalb Jahren, seitdem Phil unser Produzent ist, haben wir uns mehr weiterentwickelt als in den vier Jahren davor. Als kleine, junge und mittellose Band ist es sehr schwer an Produzenten zu gelangen, die deine Musik verstehen und mit dir Songs aufnehmen wollen. Das ist sehr teuer.

"Eine gewisse Basisnervosität ist immer da." Lucas

Was macht ihr außerhalb der Musik?

David: Lukas macht eine Ausbildung zum Erzieher. Tim studiert BWL in München, Jan Architektur in Darmstadt und ich studiere BWL in Freiburg.

Kommt ihr so überhaupt zum gemeinsamen Proben?

David: Jetzt müssen wir vorausschauender planen als früher, wo wir uns, abgesehen von den festen Probeterminen, auch spontan in Emmendingen zum Proben treffen konnten. Lukas und ich, wir proben in Freiburg oft zusammen. Als Band treffen wir uns circa dreimal im Monat.

Gibt es Momente, in denen ihr vor einem Auftritt nervös seid?

David: Ich bin vor jedem Auftritt aufgeregt, aber es kommt auch darauf an, wo wir spielen. Vor vielen Leuten beim ZMF zu spielen, ist etwas anderes als im White Rabbit aufzutreten, wo man viele kennt.
Lucas: Eine gewisse Basisnervosität ist immer da. Für mich besonders, wenn wir das erste Mal einen neuen Song spielen. Dann habe ich schon Angst, den Songtext zu vergessen.

Das ist aber noch nie vorgekommen, oder?

Lucas: Doch (lacht). Das ist dann halt so und man singt die nächste Zeile einfach weiter.

Was war euer bislang bester Auftritt?

David: Das war im Juli an einem Dienstag im White Rabbit vor neun Leuten. Da hat einfach alles gestimmt – bis auf die Zuschauerzahl (lacht).
Midnight Car Romance sind Tim Schüber (20), Lucas Zipf (21), Jan Fräulin (21), David Weber (21). Derzeit arbeiten sie im Studio an einer neuen EP für 2019.