"Vollbärte finde ich am spannendsten": Interview mit dem Fotografen Wolfgang Armbruster, der Männer mit Bart porträtiert

Manuel Lorenz

Knapp 50 Bartträger hat der Freiburger Fotograf Wolfgang Armbruster seit Anfang Januar porträtiert - Männer mit Dreitagebart, Schnurrbart, Vollbart und Waldschratbart. Im fudder-Interview verrät er, was ein Bart über seinen Träger aussagt:



Wolfgang, wann hast du dich das letzte Mal rasiert?

Wolfgang Armbruster: Am 4. Januar 2014.

Also vor 51 Tagen. Ich sage das dazu, weil du in deiner Fotoporträtserie auch immer die Anzahl der Tage mitlieferst, die sich der Porträtierte nicht mehr rasiert hat.

Stimmt. Ich war allerdings nie ein Bartträger. Und dann meinten ein paar Leute zu mir: Wenn du eine Porträtserie über Männer mit Bart machst, musst du dir selbst auch einen stehen lassen.

Wie oft hast du dich vorher immer rasiert?

Täglich.

Nass oder trocken?

Nass.

Wie kommt jemand, der sich täglich nass rasiert, auf die Idee, eine Serie zu machen, die den Titel trägt „Ein Mann ohne Bart ist wie ein Brot ohne Kruste“?

Ich wollte schon länger mal eine Porträtserie machen, in Schwarzweiß, über Männer. Und dann sind mir immer mehr Männer mit Bart über den Weg gelaufen. Das ist ja gerade auch die Hipster-Mode.

Du hast mittlerweile zwischen 40 und 50 Bartträger fotografiert. Zu welchen Erkenntnissen in Sachen Bart bist du da gekommen?

Manche Bärte wachsen einfach so vor sich hin, manche sind sehr gepflegt. Die, die so vor sich hin wachsen, geben am meisten her. Je mehr Gesichtshaare, desto besser. Vollbärte finde ich am spannendsten.

Wie der Bart eines Mannes, so sein …

... Das würde ich jetzt nicht so sehen.

Okay, dann anders gefragt: Was sagt ein Bart über seinen Träger aus?

Wenn ich jetzt sagen würde, ein Bart macht einen Mann zum Mann oder macht ihn männlicher – das wäre mir zu platt. Es gibt Männer, die haben Bartgesichter, die finde ich mit Bart auch attraktiv, und dann gibt’s Gesichter, die vertragen keinen Bart oder müssen nicht unbedingt einen haben.

Manche deiner Bart-Models haben sich schon seit Ewigkeiten nicht mehr rasiert, und trotzdem steht ihnen immer noch kein Salafisten-Bart.

Die pflegen ihn halt intensiv. Je mehr Tage heißt also nicht unbedingt, desto länger der Bart.

Wie läuft so ein Bart-Shooting eigentlich ab?

Ich vereinbare Sammeltermine, wo acht bis zehn Leute kommen, und dann geht das ratzfatz durch. Wir unterhalten uns kurz, und ich frage, wie lange der Bart schon steht. Manche kommen gut vorbereitet, wissen genau, wie lange das her ist, manche haben sich darüber noch keine Gedanken gemacht und müssen erst noch mal schnell nachrechnen. Dann stelle ich sie hin, und in zwei, drei Minuten ist das Bild im Kasten.

Warum so schnell?

Weil ich will, dass die Leute gar keine Zeit haben, über ihren Gesichtsausdruck nachzudenken. Ich will sie genau so treffen, wie sie sind. Sie müssen sich nichts überlegen, sich nicht fragen, wie sie am besten aussehen, ob sie so oder so gucken sollen. Ich mache einen kurzen Lichttest, lege los, und beim zweiten, dritten Foto sag’ ich dann: Gut, super, hamwa, fertig.

Frauen schließt du mit der Serie aus …

... Frauen mit Damenbart würde ich auch fotografieren (lacht). Nein. Ich hab’ in den letzten Jahren auch viele Frauen abgelichtet, fotografiere gegenwärtig aber lieber Männer. Da kommt es nicht auf die klassischen Beauty-Themen an, die sind da vollkommen nebensächlich. Von der Zielsetzung, von der Bearbeitung her habe ich da ganz andere Möglichkeiten. Ich muss nicht anfangen, Haut zu retuschieren. Es ist alles sehr reduziert. Mir geht es darum, den Charakter rauszuholen.

Zur Person



Wolfgang Armbruster, 44, arbeitet seit vier Jahren als selbstständiger Fotograf in Freiburg. Seine Schwerpunkte sind People- und Produktfotografie, Business- und Werbeaufnahmen.

Für seine Fotoporträtserie "Ein Mann ohne Bart ist wie ein Brot ohne Kruste" hat er seit Anfang Januar 2014 zwischen 40 und 50 Bartträger porträtiert. Der erste von ihnen war der Fotograf Markus Ruf, mit dem er häufiger mal zusammenarbeitet (siehe Fotogalerie).

Direkt angesprochen hat Wolfgang Armbruster nur die ersten zehn, danach meldeten sich immer mehr Bartträger von selbst. Wie lange er noch Männer mit Bärten porträtieren wird, weiß er nicht. Eine Auswahl von ihnen präsentiert er jedenfalls auf seinem Blog: Blendwerk.

Mehr dazu:

 

Fotogalerie: Wolfgang Armbruster

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