Volkszählung 2011: Wie der Zensus ablaufen soll

Amelie Herberg

Deutschland macht am 9. Mai 2011 Inventur. So nennt es zumindest das Statistische Bundesamt. Bei der Volkszählung, dem Zensus 2011, werden aber nicht nur die Einwohner gezählt, sondern auch Statistiken zu deren Wohnsituation, ihrem Bildungsabschluss oder einem möglichen Migrationshintergrund erstellt. Der Erste Freiburger Bürgermeister Otto Neideck hat am Montag bei einer Pressekonferenz erklärt, wie der Zensus in Freiburg abläuft. Die wichtigsten Fragen und Antworten.



Was ist ein Zensus und warum wird er im nächsten Jahr durchgeführt?

'Zensus' ist ein anderer Begriff für eine Volkszählung. Bei der kommenden Befragung wird nicht nur die Zahl der Einwoher berechnet, sondern auch Informationen über deren Wohn- und Bildungssituation eingeholt. Die letzte Volkszählung fand 1987 statt und mittlerweile weichen die Zahlen der Melderegister in den einzelnen Gemeinden stark von denen der statistischen Landesämter ab.

Laut Register leben in Freiburg 203.000 Menschen, laut statistischem Landesamt aber 223.000. Mit einer einheitlichen, deutschlandweiten Erhebung soll es neue exaktere Werte geben, denn danach richten sich zum Beispiel die Einteilung von Wahlkreisen, aber auch der Bedarf von öffentlichen Einrichtungen wie Kindergärten oder Schulen. Die Zählung erfolgt nicht nur in Deutschland, sondern EU-weit.

Wie wird der Zensus 2011 durchgeführt und wie groß ist die Wahrcheinlichkeit, dass ich befragt werde?

2011 werden erstmals nicht mehr alle Bürger befragt, sondern vorab Daten aus bestehenden Registern genommen. Um mögliche Fehler in diesen Registern auszuschließen, werden rund zehn Prozent der Deutschen zusätzlich persönlich befragt. In Baden-Württemberg sind das 1.135.058 Menschen, in Freiburg 10.700. Bei dieser "Haushaltsstichprobe" wird auch das Alter, das Geschlecht, der Bildungsabschluss und ein eventueller Migrationshintergrund mit einem Fragebogen festgehalten.

Besonders in großen Häusern mit vielen Mietern enthält das Melderegister oft falsche oder zu wenig Informationen. "In den Freiburger Studenten-Wohnheimen wird es deswegen eine Vollerhebung geben", sagt Otto Neideck. Hier wird es also keine Stichprobe geben, alle werden befragt.

Wie läuft eine Befragung ab?

Die Stadt Freiburg hat bereits eine eigene Zensus-Erhebungsstelle eingerichtet, die sich um die Vorbereitung und die Durchführung kümmert. Sie schult auch 230 Ehrenamtliche, die die Befragung durchführen. Das sollen vor allem städtische Bedienstete sein. Diejenigen, die für die Befragung ausgewählt werden, erhalten vorher eine Mitteilung über den Termin; bis zu drei Mal werden die Mitarbeiter der Zensus-Stelle versuchen, diejenige Person zuhause anzutreffen. Eine andere Möglichkeit ist das Formular per Post zu schicken oder online auszufüllen.

Wie sieht der Fragebogen aus?

Musterfragebögen kann man als .pdf auf der offiziellen Website des Zensus herunterladen: den für die Haushaltsbefragungenund den für Gemeinschaftsunterkünfte.

Werde ich bestraft, wenn ich die Auskunft verweigere?

Ja. "Es besteht bundeseinheitlich eine Auskunftspflicht", sagt Otto Neideck. Wird die Auskunft verweigert, sowohl an der Tür, als auch das Formular nicht zurückgesandt, folgt eine Geldstrafe.

Was passiert mit den Daten?

Die Daten werden abgeschottet von der Verwaltung der Stadt Freiburg gesammelt, dann an das Statistische Landesamt Baden-Württemberg weitergeleitet und dort weiterverarbeitet. Wer also zum Beispiel falsch gemeldet ist, aber durch Zufall für die Teilnahme am Zensus ausgewählt wird, muss keine Strafe fürchten. Das behauptet zumindest die Verantwortlichen.

Datenschützer, wie die des AK Vorratsdatenspeicherung, warnen jedoch davor, dass die auf einmal große Daten-Masse Begehrlichkeiten zum Missbrauch wecken könnte. Außerdem sei die Befragung nicht anonym, da trotz Verschlüsselung Rückschlüsse auf die Person möglich seien.

Mehr dazu:

  • Web: zensus11.de - Website des Arbeitskreis Vorratsdatenspeicherung
  [Bild: dpa]