Volker Finke wird Trainer beim Freiburger FC

David Weigend

Faustdicke Überraschung im Dietenbachpark: Volker Finke übernimmt ab sofort das Training beim FFC. Präsidentin Marita Hennemann bestätigte gegenüber fudder: "Wir haben uns von Ralf Eckert getrennt und hoffen, mit Herrn Finke an unsere besten Zeiten anknüpfen zu können."



Auf eigenen Wunsch hin wurde Volker Finkes Vertrag beim japanischen  Profiligisten Urawa Red Diamonds vorzeitig aufgelöst. Sein Nachfolger soll dem Vernehmen nach Werner Lorant werden. Aufgrund der langjährigen persönlichen Kontakte zwischen den FFC-Vorständen Jean-Jacques Suhas und Karl-Heinz Schulz zu Finke kam ein Deal zustande, mit dem wohl kaum einer gerechnet hat: Der ehemalige Trainer des SC Freiburg unterschrieb heute Früh einen Zweijahresvertrag beim Landesligisten Freiburger FC.


Finke gegenüber fudder: "Ich hatte dieses ewige Gedümpel im Mittelfeld der J-League satt. Im Grunde war es auch nicht möglich, da eine intelligente Spielkultur aufzubauen. Lange habe ich abgewogen, aber letztlich konnte ich der Versuchung nicht wiederstehen, in Freiburg noch mal etwas ganz Neues aufzubauen. Damit meine ich auch die Infrastruktur. Der Sportclub, dessen Kommerzialisierung in absurder Weise voranschreitet, braucht langfristig einen ernstzunehmenden, alternativen Konkurrenten in der Stadt."



Ein ehrgeiziges Ziel. Doch wie will Finke das erreichen? Der 62-Jährige, der bei den Red Diamonds wieder mit dem Rauchen begonnen hat, steht am Swamptresen, zieht an der Selbstgedrehten und bestellt sich noch einen Mirabell: "Ich habe mich gestern Abend mit dem FFC-Vorstand zusammengesetzt. Wir haben grob gesagt einen Fünfjahresplan entwickelt. Bis 2015 wollen wir zumindest in der 2. Bundesliga angelangt sein."

Der Trainer will die "jungen, hungrigen Spieler" aus dem aktuellen Landesligakader (derzeit belegt der FFC den 5. Platz) bereichern durch eine Handvoll altbekannter Routiniers. Finke: "Ich bringe Wilfried (Sanou, Anm. d. Red) und Ibrahim (Tanko, Anm. d. Red.) mit rüber. Außerdem spreche ich gerade mit Iashi, er fühlt sich in Karlsruhe eh nicht besonders wohl. Vielleicht gelingt es uns auch noch, Uwe Spies und Levan Kobiashvili an den Dietenbach zu holen. Ich meine, Kobi spielt in Berlin sowieso total unter seinen Fähigkeiten. Der ist doch da null integriert."

Auf jeden Fall müsse das Spielsystem beim FFC jetzt erstmal völlig umgekrempelt werden. "Dieses 4-4-2 wird von den Spielern katastrophal umgesetzt. Irgendwie den Ball abfangen und dann hoch in den Strafraum bolzen, das gibt's bei mir nicht."



Finke plant über Ostern eine ausführliche Videoanalyse der bisherigen Saison mit der Mannschaft, "den Umgang mit der Technik habe ich in Japan erlernt", sagt der Nienburger. Mandarinen und Nüsse wolle er für etwaige Wartezeiten beim Spulen des Videobandes dennoch bereitstellen.

Erste Reaktionen auf Finkes Rückkehr an die Dreisam fallen zwiespältig aus. Fritz Keller, komissarischer Präsident des SC Freiburg, sprach von einem "dicken Ei": "Als mir Damir Buric davon erzählte, musste ich erstmal schlucken. Gleichwohl wünsche ich Volker beim FFC natürlich alles Gute. Er ist herzlich eingeladen, mal wieder auf einen Spätburgunder bei mir hereinzuschauen."

Etwas verstört reagierte Noch-OB Dieter Salomon auf die unerwartete Neuigkeit: "Das bringt unnötige Unruhe in die Freiburger Fußball-Landschaft. Ausgerechnet jetzt, wo sich hier jeder darauf konzentrieren sollte, dass der Sportclub die Klasse hält und ich wiedergewählt werde."

Die Spieler des Freiburger FC äußerten sich erfreut über den Trainerwechsel, es wurden aber auch kritische Stimmen laut. Stümerstar Giuliano Reinhardt: "Wir hatten doch eigentlich ein gutes Verhältnis zu Herrn Eckert. Und jetzt Finke. Ich hab' gehört, dass der auf der BMX-Bahn vom Dietenbachgelände erstmal ne zweite, nach ihm benannte Fußballschule aufziehen will."

[Fotos: dpa]

Mehr dazu:

Was: FC Eintracht Stetten gegen Freiburger FC (anschließend Autogrammstunde mit Volker Finke) Wann: Samstag, 3. April 2010, 15.30 Uhr
(Nachholspiel) Wo: Stadion am Weberacker