Vitamin B aus Freiburg und dem Rest der Welt

Markus Hofmann

OpenBC ist eine Internet-Plattform, auf der man auf einfache Weise Kontakte knüpfen kann: Studenten mit Firmen, bei denen sie ihre Diplomarbeit schreiben möchten. Dienstleister mit neuen Geschäftspartnern. Oder recherchierende Journalisten mit Experten eines ganz bestimmten Fachgebiets. Innerhalb weniger Monate ist OpenBC zum größten Business-Netzwerk der Welt geworden. Ein junger Unternehmer aus Freiburg will diese virtuellen Kontakte im echten Leben vernetzen. Im fudder-Interview erklärt Manuel Fritsch (28), wie OpenBC funktioniert, und wie er Menschen aus Südbaden zusammen bringen möchte.



Was ist OpenBC?

Manuel Fritsch: OpenBC ist eine Business-Plattform, auf der sich fremde Menschen - vornehmlich aus der Wirtschaft - miteinander vernetzen können. In erster Linie um neue Kontakte zu knüpfen, aber auch um alte Kontakte wieder zu finden. Ich kann dort zum Beispiel suchen, wer in den gleichen Firmen gearbeitet hat wie ich. Ich kann nach speziellen Dienstleistungen suchen, nach Branchen oder nach den Namen von Personen, die ich irgend wann getroffen habe. So kann ich alte Kontakte wieder herstellen.

Was sind das für Menschen, die sich dort vernetzen?

Manuel Fritsch: Vorwiegend Leute aus dem Mittelstand. Sehr viele aus den Bereichen Marketing, außerdem Werbeagenturen, Internetagenturen und PR - eben Personen, die beruflich auf Kontakte angewiesen sind. Eher selten findet man Handwerker. Der Schwerpunkt liegt klar im Dienstleistungsbereich.

Du willst Mitglieder von OpenBC regional miteinander vernetzen. Wie machst du das?

Manuel Fritsch: Bei OpenBC gibt es die Möglichkeit, Gruppen anzulegen. Solche Gruppen widmen sich immer einem ganz bestimmten Thema ? zum Beispiel einer Stadt oder einer Region. Ich habe festgestellt, dass die die meisten größeren Städte bereits mit einer eigenen Gruppe vertreten waren, Freiburg allerdings nicht. Ich habe dann vor gut einem Jahr bei OpenBC eine neue Gruppe für den Raum Freiburg beantragt, was nach kurzer Prüfung genehmigt wurde. Seitdem versuche ich alle Mitglieder aus Freiburg, die sich bei diesem Netzwerk registriert haben, für das Freiburg-Forum zu gewinnen und die Kontakte zu fördern.

Mit welchem Erfolg?

Manuel Fritsch: Wir haben recht klein angefangen mit fünf, sechs Leuten. Seitdem wächst es stetig. Gegenwärtig sind wir 403 Mitglieder. Täglich kommen vier, fünf neue Mitglieder dazu. Wichtig ist unser regelmäßiger OpenBC-Stammtisch. Es war unser Anliegen, das Forum etwas lebendiger zu machen. Die Leute kannten sich nicht, der einzige gemeinsame Bezugspunkt war der Standort Freiburg. Um diese Leute miteinander zu vernetzen, haben wir den Stammtisch ins Leben gerufen, der alle zwei Monate stattfindet. Beim letzten Treffen waren 50 Mitglieder anwesend. Für das nächste Treffen am kommenden Mittwoch im Kagan haben sich bereits 123 Leute angemeldet.

Benutzerprofile, Fotos, Persönliche Nachrichten: Wenn man sich OpenBC genauer ansieht, erinnert das ein bisschen an eine Single-Börse. Wird über die Plattform auch richtig Business gemacht?

Manuel Fritsch: Meiner Erfahrung nach ja. Es werden sicherlich auch viele private Kontakte geknüpft oder wieder belebt - sei es, dass man ehemalige Schulfreunde oder Studienkollegen wieder findet. Partnerschaften werden eher weniger geknüpft. Ich habe von meinen Foren-Mitgliedern sehr oft gehört, dass auch Business-Kontakte geknüpft wurden. Man kann zum Beispiel bestimmte Dienstleistungen suchen oder selber anbieten. Indem man gezielt nach Schlüsselbegriffe sucht, findet man sehr schnell Kontakt zu möglichen Partnern. Auf diese Weise werden tatsächlich Geschäftskontakte geknüpft.

Inwiefern hast du selbst von OpenBC profitiert?

Manuel Fritsch: Ich hatte zwei konkrete Anfragen, worauf ich auch Angebote geschrieben haben, die sich noch in der Schwebe befinden. Was mir sehr viel gebracht hat sind die Kontakte, die ich neu geknüpft habe. Ich bin auch bei den Wirtschaftsjunioren aktiv, diese beiden Netzwerke lassen sich sehr gut miteinander verbinden.

Also eine Plattform für den typischen Networker.

Manuel Fritsch: Auf jeden Fall.

Mehr dazu:

  • Zur Person: Manuel Fritsch ist Geschäftsführer und Inhaber von Brainson New Media, einer Agentur für Neue Medien aus Freiburg. Außerdem ist Fritsch Initiator und Moderator der Freiburg-Gruppe auf OpenBC.

  • Termin: Der nächste OpenBC-Stammtisch für Mitglieder aus dem Raum Freiburg findet statt am kommenden Mittwoch, 15.3, 18.30 Uhr, im Kagan.

Über OpenBC:

  • Mit mehr als einer Million Mitgliedern ist OpenBC die größte Online-Business-Plattform der Welt. OpenBC gibt es nicht nur in Deutschland, sondern beispielsweise auch in den USA, in Russland, Japan, Spanien, Frankreich oder der Türkei.
  • Der Basisdienst von OpenBC ist kostenlos. Wenn man als Premium-Mitglied alle Features nutzen möchte, kostet das 5,95? pro Monat.
  • Plattformen wie OpenBC werden auch als Social Networks (soziale Netzwerke) bezeichnet. Diese Netzwerke müssen nicht unbedingt mit Beruf und Business zu tun haben (siehe unten)

Über Soziale Netzwerke:

  • Soziale Netzwerke basieren auf der "Kleine-Welt-Theorie" des Harvard-Psychologen Stanley Milgram: Alle Menschen auf dieser Welt sind mit allen anderen Menschen über sechs Ecken miteinander bekannt.
  • Der größte Konkurrent von OpenBC heißt LinkedIn. Dies ist eine etwas exklusivere Plattform: Will man mit einer fremden Person Kontakt aufnehmen, muss man ihr zunächst vorgestellt werden ? dies hat den Charakter einer Empfehlung. Bei OpenBC hingegen kann in der Regel jeder jeden anquatschen.

Weitere soziale Netzwerke:

  • Mit mehr als 20 Millionen Mitgliedern (die meisten stammen aus den USA) ist Friendster die größte Community der Welt.
  • Auf einem ähnlichen Konzept basiert Orkut, das soziale Netzwerk von Google. Die entsprechende Plattform des Google-Konkurrenten Yahoo! heißt Yahoo 360 Grad.
  • Stayfriends ist ein (deutschsprachiges) Netzwerk, in dem man alte Klassenkameraden suchen kann.
  • Vornehmlich um das Thema Musik dreht sich alles bei MySpace, dem beliebtesten Teenie-Musiker-Netzwerk in den USA.