Virtual-Reality-Porno: Meine Reise in die Türme der Verführung

Manuel Fritsch

Lohnt sich der Ausflug in Pornowelten mit der Virtual-Reality-Brille? Fudder-Autor Manuel Fritsch hat den Selbstversuch und sich mit der Oculus Rift in die "Temptation Towers" gewagt.


Temptation Towers – die Türme der Verführung. Was wie der Titel eines billigen Erotik-Schundhefts klingt, soll den Versprechen auf der Webseite nach den Durchbruch der virtuellen Pornografie bedeuten.

Ich zücke meine Kreditkarte und kaufe mir für etwa 23 US-Dollar die Software, die mich in ein Wolkenkratzer-Loft in Los Angeles voller sexhungriger Frauen versetzen soll. Die Idee klingt im Gegensatz zu ganz normalen Videoanbietern wirklich clever: Das Loft wird als "Hub" angepriesen, in dem der nahtlose Übergang von dem 3D-gerenderten Appartment in die Videos des Anbieter VRVixen möglich ist.

Alles ganz schön meta

Nach dem Aufsetzen der Oculus Rift finde ich mich in einem etwas lieblos gestalteten Raum wieder. Vor mir steht eine typische Pornocouch, die ich ohne Desinfektionstücher nicht mal in der virtuellen Variante berühren möchte. An der Wand hängt ein großer Fernseher, auf dem ein Video läuft, in dem Frauen eine VR-Brille aufhaben und darüber reden, dass sie sich selber die Aufnahmen anschauen, die sie für die Firma gedreht haben. Ist das diese berühmte Meta-Ebene von der immer alle reden?

Ich blicke mich weiter um und auf einmal wird es interessanter. Ich sehe, wie sich eine Frau in Unterwäsche in einem begehbaren Kleiderschrank umzieht. Ich laufe mit dem Controller in ihre Richtung und fühle mich an Duke Nukem 3D erinnert.

Video: Trailer zu Temptation Towers (NSFW)



Während der Raum natürlich in 3D erstellt wurde, ist die sich umziehende Frau als flaches Video auf eine Wand projiziert – von wegen technischer Durchbruch. Als ich versuche, irgendwie mit dem animierten Wandbild mit Knöpfen zu agieren, falle ich in die Szene hinein. Einen kurzen Ladebalken später stehe ich auf einmal mit der Frau im Schrank in einer in 3D gedrehten Szene. So funktioniert also der Wechsel in den Videobereich. Keine schlechte Idee. Schade nur, dass ich mich nun nicht mehr frei bewegen kann. Ich bin wie festgewachsen und kann mich nur noch umschauen. Leider verzerrt sich das Bild extrem an den Rändern, ich fühle mich eingesperrt und verlasse die Szene wieder per Tastendruck. Die Frau hat sich eh nicht für mich interessiert und war nur mit der Auswahl ihrer Kleider beschäftigt.

Eine nackte Frau beschimpft mich in der Dusche

Mit meiner neu erlernten Fähigkeit springe ich daraufhin direkt nebenan in eine Dusche. Dort lädt ein animiertes Gif mich ein, doch hereinzukommen. Das lasse ich mir natürlich nicht zweimal sagen.

Ab hier wird es vollends skurril. Auch diese Frau will keinen Sex mit mir, sondern erzählt mir nackt unter der Dusche, was für ein Idiot ich doch bin und beschimpft mich in einer Tour. Während sie ihre Brüste einseift, wirft sie mir vor, ich würde ja ständig mit anderen Frauen SMS schreiben und überhaupt zuviel mit den Jungs unterwegs sein und dann das ganze Wochenende verkatert rumgammeln. Und aufräumen könnte ich ja auch mal wieder. Erstens trinke ich nicht und zweitens merke ich, dass in mir wohl nicht mal der Ansatz einer masochistischen Veranlagung steckt und ich nur noch raus will.

Die Idee, dass man aus einer 3D-Umgebung in eine passende Videoszene einsteigt, ist durchaus vielversprechend. Solange CGI-Figuren aber noch nicht glaubhaft und menschlich genug wirken, ist die Vermischung von Video und 3D-Objekten sicherlich eine interessante Zwischenlösung.

Ohne extra dafür produzierte Inhalte und Settings ist die aktuelle Umsetzung, nicht nur wegen meiner ungemütlichen Duschpartnerin, absolut unprofessionell. In dieser Form ist Temptation Towers aber eher eine schnelle Abzocknummer, in der eine Handvoll Videos aus der Resterampe in ein klappriges 3D-Modell geschmissen wurden, um es als neu und innovativ verkaufen zu können.