Historisches Kaufhaus

Viel Polizei und kurzer Protest bei der Jubiläumsfeier der Freiburger Burschenschaft

Anika Maldacker

Knapp 200 Burschen und Alte Herren haben 200 Jahre Burschenschaften in Freiburg gefeiert. Mit viel Polizeischutz wurden sie durch die Innenstadt begleitet. Außer einer Gegendemo blieb es ruhig.

Grüne, rote, und dunkelblaue Mützen auf den Köpfen von knapp 200 Burschenschaftern im Historischen Kaufhaus, eine Gegendemonstration auf dem Münsterplatz und sehr viel Polizei in den Freiburger Straßen und Gassen: Am Samstag wurde 200 Jahre Burschenschaften in Freiburg gefeiert. Gastgeber waren die drei schlagenden Freiburger Burschenschaften Franconia, Teutonia und Saxo Silesia (Fotos vom Festakt).


Mit Band und Mütze steht Oskar Przybytek, Sprecher der Burschenschaft Franconia, im Kaisersaal des Historischen Kaufhauses und spricht zu aktiven Burschenschafter und Alten Herren: "Wer von den grölenden Fußballfans, die alle vier Jahre mit ihren schwarz-rot-goldenen Fanartikeln die Straßen bevölkern, weiß heutzutage noch, dass die Farben, die er trägt, die Farben der Urburschenschaften sind?" Von draußen dringt lautes Trommeln herein. Es sind die rund 150 Demonstranten der Antifaschistischen Linke, die gegen das ihrer Meinung nach "reaktionäre und elitäre Treiben der Burschen" demonstrieren.

Diskussionen im Vorfeld

186 Personen sind zum Festakt am Samstag nach Freiburg gekommen: Aktive Burschen und Alte Herren, also ehemalige Burschen, der drei schlagenden Freiburger Verbindungen Teutonia, Franconia und Saxo Silesia sowie Delegierte von rund 20 Burschenschaften aus ganz Deutschland. Sie feiern 200 Jahre Burschenschaft an der Uni Freiburg. Dabei wurde die älteste Freiburger Burschenschaft, Teutonia, erst 1851 gegründet. Am 18. Oktober 1818 riefen jedoch auf dem Wartenberg bei Donaueschingen 30 Studenten eine Freiburger Burschenschaft ins Leben. Darauf beruft man sich.

Im Vorfeld hatte es Diskussionen gegeben. Die Gemeinderatsfraktion Unabhängige Listen (UL) hatten Oberbürgermeister Martin Horn dazu aufgefordert, zu überprüfen, ob die Veranstaltung im Historischen Kaufhaus, einem städtischen Veranstaltungsort, stattfinden dürfe. Generalmusikdirektor Fabrice Bollon hatte sich dagegen verwehrt, dass Mitglieder des Philharmonischen Orchesters in der offiziellen Programmankündigung aufgeführt wurden. Am Ende kamen sie gar nicht.

"Wir als Burschenschafter fühlen uns nicht richtig verstanden" Ekkehard Gabriel
Die Teutonia selbst wies zurück, "reaktionär" zu sein und "Verbindungen zu rechtsextremen Kreisen" zu haben, wie es ihr die Antifa vorgeworfen hatte. Auch im Saal wehrt man sich. "Wir als Burschenschafter fühlen uns nicht richtig verstanden", sagt Ekkehard Gabriel, Referent für burschenschaftliche Arbeit der Teutonia. Ihre Kritik: "Gewaltbereite" Gruppen schränkten die Meinungs- und Versammlungsfreiheit zusehends ein. Bestes Beispiel, sagen sie, sei der immense Polizeischutz, den sie an diesem Samstag wohl haben müssen.

Als der ehemalige Ministerpräsidenten von Sachsen-Anhalt, Werner Münch, mittags seine Rede zum Thema "Freiheit und Rechtsstaatlichkeit in der Demokratie" beginnt, sind die lauten Töne der Demonstranten schon verklungen. Münch kritisiert die Political Correctness, den laut ihm vorherrschenden Gender-Mainstream, die angebliche Herabsetzung der klassischen Familie und den "zwangsfinanzierten Staatsfunk". Als die Festreden beendet sind und die einzelnen Verbindungen sich auf den Weg in die Restaurants machen, steht nur noch ein kleines Grüppchen Gegendemonstranten unauffällig vor der weitläufigen Absperrung. Die Burschenschaften sollen dennoch mit Polizeischutz durch die Innenstadt begleitet werden. Laut Polizei bleibt es am Ende aber friedlich.

Am Abend treffen sich die Burschenschaften und ihre Gäste noch einmal zum Festkommers im Kaisersaal, bei dem Rainer Wieland, Vizepräsident des Europaparlaments, zur Zukunft Europas spricht.

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