Video: Wie der neue Polizeischlagstock eingesetzt wird

Michael T. Lorenz

Die Polizei hat auf die zunehmende Gewaltbereitschaft gegenüber den Beamten reagiert. Zur Ausrüstung zählt nun ein neuer Teleskop-Einsatzstock.



Der Neue ist 50 Zentimeter lang. Ausgefahren. Eingefahren sind es nur 20 Zentimeter. Der neue Helfer der Polizei ist ein Teleskop-Stock, der zunächst eher unscheinbar aussieht, dann aber ungeahnte Größe entwickeln kann. Mit Schwung lässt Einsatztrainer Harald Schlenker den Schlagstock ausfahren, lautlos, blitzschnell. Als der Stock die volle Länge erreicht, rastet es hörbar ein. Ein Zeichen, dass es jetzt ernst werden könnte.


Wirklich ernst wird es heute zwar nicht, denn im Zentrum für Einsatztraining der Landespolizeidirektion Freiburg wird nur geübt. Schon im Januar wurde der Stock in Baden-Württemberg eingeführt, er ist bereits immer öfter im Einsatz. Offiziell heißt er "EKA", "Einsatzstock kurz ausziehbar" – ein moderner Stock aus Stahl, der nach vorne hin stufenweise schmaler wird und keine Stahlkappe hat, um ernste Verletzungen zu vermeiden. Stolze 535 Gramm wiegt er.

Drei Stunden Schulung sind vorgeschrieben

"Immer auf die Extremitäten", schärft Schlenker den Kollegen ein, die an diesem Tag um ihn herumstehen. Drei Stunden Schulung sind vorgeschrieben, bevor sie den EKA draußen mit sich führen dürfen. Der Gebrauch will gelernt sein: Wie der Stock ausgefahren wird, wohin man schlägt, wie man überhaupt schlägt, Vorhand, Rückhand, Kombinationen. "Runde Bewegungen!", fordert Schlenker. "Und aus der Hüfte!" Noch sehen die Bewegungsabläufe kantig aus.

Schlenker gibt weitere Anweisungen: Auch mal die zweite Hand einsetzen, um den Angreifer zurückzudrängen. Nicht zu nah ran, nicht zu weit weg. Und gezielt sollen die Schläge sein, um die Situation möglichst schnell zu beenden. "Arme, Beine, Muskelmasse", sagt Schlenker und zeigt mit dem Schlagstock auf die Stellen des Körpers, wo die Polizisten am besten treffen sollten.

Das Besondere am EKA ist die variable Länge. Darin liege sein großer Vorteil, sagt der Leitende Kriminaldirektor Alfred Oschwald: "Die Polizisten können ihn versteckt mitführen, zur Sicherheit. Sie können ihn in aggressiven Situationen aber auch ausfahren, zur Abschreckung. Und wenn Gewalt ins Spiel kommt, können sie ihn natürlich effektiv gebrauchen."

Der Vorgänger war ein noch längerer Stock aus Holz. Die Beamten mussten sich noch vor dem Einsatz entscheiden, ob sie ihn mitnahmen oder nicht. Hatten sie ihn dabei, provozierte er schnell Aggressionen. Der EKA soll dafür sorgen, dass die Polizisten flexibler auf die Situation reagieren können – deeskalierend, wo möglich, aber auch aktiv, wo nötig.

Die Zahl der im Einsatz verletzten Polizisten steigt

Zwei Millionen Euro kostet die Einführung des EKA nach Angaben des Innenministeriums. Nötig geworden sei sie wegen der zunehmenden Gewaltbereitschaft, sagt Oschwald: "Es wird schneller, härter, stärker zugeschlagen." Immer öfter würden Polizeibeamte nicht nur beleidigt, sondern auch körperlich angegangen. Die Zahl der im Einsatz verletzten Polizisten sei bundesweit von 2005 auf 2009 um 60 Prozent gestiegen. "Aber wir spüren das auch bei uns im Land und in Freiburg." 2009 habe es mit 501 Fällen in Baden-Württemberg einen Höchststand gegeben. In Freiburg würden jährlich zwischen 110 und 120 Beamte verletzt – "zu viele", sagt Oschwald.

Daher sei der EKA bereits 2008 in mehreren Dienststellen erprobt worden – mit positiven Erfahrungen. Die effizienten Schläge hätten dazu geführt, dass gewalttätige Situationen schnell beendet werden konnten. Vor allem aber hätten die Polizisten sich durch das Ausfahren des Stockes so viel Respekt verschaffen können, dass aggressive Stimmungen meist erst gar nicht eskaliert seien. Bis Ende des Jahres sollen 18 600 Polizisten im Land den neuen Stock erhalten haben.

Video: Wie der neue Schlagstock eingesetzt wird