Video: Was die Crash-Betreiber zur drohenden Schließung sagen

Adrian Hoffmann & Daniel Laufer

Die Stadt will die Crash- und Drifter's-Grundstücke verkaufen - 2019 müssten die beiden Clubs dann schließen. Jetzt liefert Crash-Betreiber Mario Held Zündstoff: "In Gesprächen mit der Stadt wurde ein Verkauf nie thematisiert."



Die Clubs Crash und Drifter’s müssen wohl auf lange Sicht der Industrie- und Handelskammer Südlicher Oberrhein weichen. Die Stadtverwaltung will die entsprechenden Grundstücke in der Schnewlinstraße an die IHK verkaufen, für rund 1,3 Millionen Euro – das geht aus einer Informationsvorlage für den Freiburger Gemeinderat vor, die der Badischen Zeitung vorliegt.

Mit diesem Beschluss würde das Standortende zweier Clubs in Freiburg besiegelt, die in der Szene als Institutionen gelten. Der Gemeinderat wird am Dienstag, 17. März, im nicht-öffentlichen Teil der Sitzung entscheiden. Die Mietverträge mit Crash und Drifter’s würden noch mindestens bis Ende Juni 2019 laufen, die Betreiber der Clubs sind trotzdem verärgert. "Es ist nicht okay, was das Liegenschaftsamt da drehen will", sagt Holger Bührle vom Musikkeller Crash. Sein Vorwurf: Das Thema solle ganz nebenbei im Zuge der Mietverlängerung abgehandelt werden, damit 2019 nicht mehr diskutiert werden müsse.

"Die ideale Lösung"

Die IHK bekundet seit längerer Zeit Interesse an einer Erweiterung ihres Standortes in der Schnewlinstraße. Wie aus der Vorlage für den Gemeinderat hervorgeht, hatte die IHK erst vor wenigen Wochen der Stadt gegenüber erneut dargelegt, dass die baulichen Kapazitäten erschöpft seien. Man brauche zusätzliche Nutzfläche von 2500 bis 3000 Quadratmeter – für "einen größeren Bildungsbereich und die Erfüllung zusätzlicher Aufgaben". Der Erwerb der Grundstücke, auf dem Crash und Drifter’s beheimatet sind, wäre "die ideale Lösung".

Andreas Kempff, IHK-Hauptgeschäftsführer: "Wir sind bis zum Anschlag voll." Das jetzige Gebäude sei für 50 bis 55 Angestellte gedacht gewesen, es arbeiteten aber weit mehr als 70 dort. Zudem sei der IHK bereits beim Kauf ihres Grundstückes im Jahr 1992 von der Stadt "avisiert worden", dass die Fläche erweitert werden könne. Auf dem Nachbargrundstück ließen sich Büros realisieren, Besprechungs- und Prüfungsräume, Seminar- und Veranstaltungsräume – aber auch Parkplätze.

Zudem würden Platzreserven "für die zukünftigen Übertragungen von hoheitlichen Aufgaben" geschaffen. Ebenso würde die Attraktivität des Arbeitgebers gesichert. Nach dem bisherigen Neubaukonzept soll es einen großen Veranstaltungsraum für bis zu 250 Teilnehmer geben, eine Mensa für das Catering, ein Service Center, eine zweistöckige Tiefgarage und gegebenenfalls eine Hausmeisterwohnung.

Das Crash soll in Zukunft Miete zahlen

Auch für die Stadtverwaltung dient eine Standortsicherung für die IHK als Argumentationsgrundlage. Die Übergabe der Grundstücke ist zum 1. Juli 2019 geplant. Sie kann je nach Bedarfslage aber auch zu einem späteren Zeitpunkt erfolgen. Man sei 1992 der erste Bauherr im Sanierungsgebiet "Im Grün" gewesen, sagt IHK-Chef Kempff. Damals hatte man sich ausdrücklich gegen einen alternativen Standort am Augustinerplatz entschieden.

Mario Held, Mitbetreiber des Crash, sagt: "Dass irgendwann mal in den nächsten Jahren etwas passieren wird, ist auch uns klar." Er glaube aber, dass der Gemeinderat nicht so einfach einem Verkauf der Grundstücke zustimmen werde. Falls doch? "Was soll ich machen? Ich habe im Moment keinen Plan." Einen alternativen Standort zu finden, sei eher schwierig. "Das Crash und seine Klientel kann man ja nicht gerade als gutbürgerlich bezeichnen", sagt Held, der seit 26 Jahren mit dabei ist. 10 weitere Jahre würde er das schon noch machen, meint er. Man habe sich auch überlegt, in eine neue Musikanlage zu investieren. Und die Fassade neu zu verputzen. Aber bei solch langfristigen Investitionen müsste man erst wissen, wie es weitergehe.

Ein Ärgernis stellt für Held die Miete dar, die er als Betreiber künftig zahlen soll. Bisher war das Crash als "soziokultureller" Treffpunkt von Mietzahlungen befreit, nach der jetzigen Vorlage aber soll die Stadt nur noch 50 Prozent einer Miete als soziokulturellen Zuschuss zahlen. Die Mindestmiete wird von der Stadt auf 2150 Euro angesetzt. Mario Held will da nicht mitspielen. "Dann müsste ich das ganze Konzept total verändern, was ich auf keinen Fall mache." Er habe kurzzeitig überlegt, ob es sogar das Kalkül der Verwaltung sei, dass er hinschmeiße.

Bisher gebe es nur eine mündliche Einigung. Auch die Geschäftsführer vom Drifter’s zeigen sich wenig begeistert von den Erweiterungsplänen der IHK: "Die Gebäude gehören der Stadt", sagt einer der beiden. Von der aktuellen Brisanz habe er nichts gewusst. Trotzdem sei das letzte Wort hoffentlich noch nicht gesprochen.

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[Foto & Video: Daniel Laufer]