Video: Sieben Sachen für Gisbert zu Knyphausen

Carolin Buchheim & Marc Schätzle

Heute Abend beginnt das dreitägige Omaha Records-Festival. Morgen reist der Gründer höchstpersönlich an, um in der MensaBar aufzutreten: Gisbert zu Knyphausen. Zur Einstimmung gibt's nicht nur ein Porträt des Liedermachers mit dem tollen Namen: Caro bat Gisbert vergangene Woche zum Sieben Sachen-Interview gebeten. Und ihm dabei unter anderem eine Tüte Berliner in die Hand gedrückt. Was er dazu gesagt hat (und noch viel mehr):



Zum Auftakt gibt es ein Täuschungsmanöver: „Hey, hey, alles ist okay“ singt Gisbert zu Knyphausen als erste Worte seines neuen Albums „Hurra! Hurra! So nicht“. Und ja, so nicht! Denn fast gar nichts ist okay in den Liedern diese Albums, das so schwarz daher kommt wie sein Cover, auf dem der Liedermacher aus dem Rheingau sich mit gesenkten Blick über seine Gitarre beugt.


Deutschlands Sänger mit dem schönsten Nachnamen von allen widmet sich auch auf seiner zweiten Platte wieder den großen Fragen des Lebens. Aber wie es weitergeht,  mit ihm, mit der Liebe, mit allem, das weiß er doch auch  nicht. Und so singt er Lieder von der Sehnsucht und der Melancholie, von Nähe und Distanz,  der Unruhe und der Unzufriedenheit. „Die Welt ist grässlich“, bringt er alles Leiden und Labern, Suchen und Sehnen in „Es ist still auf dem Rastplatz Krachgarten“  auf den Punkt. „Und wunderschön.“

Wunderschön sind auch Instrumentierung und Arrangement seiner Songs. Sein karger, akustischer Liedermacher-Sound wurde auf diesem Album achtsam auf Cinemascope-Format für die Ohren erweitert; man hört die kundige Hand von Produzent Tobias Levin, Deutschlands Indie-Produzent Nummer eins. „Ich bin ein Freund von Klischees und funkelnden Sternen“ kommt mit sehnsüchtigen Wurlitzer-Sounds und einer beinahe Country-haften  Slidegitarren daher, während in „Nichts als Gespenster“ hypnotische E-Gitarren beklemmend wabern.

„Es war nicht der Plan, dass die Platte so dunkel wird“, sagt Gisbert zu Knyphausen. „Das ist einfach so passiert.“ Wie das genau geschehen ist, kann er nicht sagen, wobei „passieren“ ohnehin ein unpassendes Wort für seine Arbeitsweise ist, braucht zu Knyphausen doch Zeit für seine Lieder. Für die seines durchweg gelobten Debütalbums hatte er sein ganzes bisheriges Musikerleben Zeit; für die zwölf Stücke, von denen elf zum neuen Album wurden, knapp  zwei Jahre. Und überhaupt. Jetzt ist da ja auch die Aufmerksamkeit mit dabei, das alte Miststück, wenn er vor dem weißen Blatt Papier sitzt.

„Es ist anders, weil jetzt so viele Leute zuhören“, beschreibt er das Dilemma eines jeden Musikers, der plötzlich gehört wird. „Das Schreiben ist anders. Man fängt an, darüber nachzudenken, dass Leute die Lieder hören werden. Und dann setzt man sich komisch unter Druck. So als ob man schon mal präventiv rechtfertigen müsse,  dass sie zuhören.“ Dabei muss sich Gisbert zu Knyphausen eigentlich überhaupt nicht mehr rechtfertigen.  „Ein Gigant“, erteilteJan Wigger auf Spiegel Online die Absolution, und der Rolling Stone erklärte ihn zu einem „Genie“.

Vollkommen zutreffend, natürlich. Wurd' ja auch Zeit, dass das jemand mitkriegt.

Glücklicherweise kann zu Knyphausen mit all dem Lob nicht viel anfangen. „Es ist natürlich schmeichelhaft, wenn jemand so etwas sagt, aber vor allem ist es seltsam“, sagt er, bescheiden.

Bescheiden und schüchtern stand Gisbert zu Knyphausen auch in der vergangenen Woche auf der Bühne des Kulturzentrum Schlachthof in Wiesbaden. Davor 850 Zuschauer, es war ein Heimspiel für ihn, fünfzehn Autominuten vom elterlichen Weingut entfernt. „Hey, Hey, alles ist okay“ fing er an zu singen. Und die 850, sie  sangen alle mit. Andächtig. Und glücklich. Und alles war okay. Kein Täuschungsmanöver.

Gisbert zu Knyphausen - Seltsames Licht

Quelle: YouTube

[youtube rOXkb8AIemw nolink]

Mehr dazu:


Omaha-Festival 2010

  • Freitag, 21. Mai 2010 - 18:30 - Black Forest Hostel
    Daantje & The Golden Handwerk (mit Café 612), _pappmaché, Nicolas Sturm, Tjian, Godot, Neerström
    Tickets: 8 Euro

  • Samstag, 22. Mai 2010 -  20:30 - MensaBar
    Gisbert zu Knyphausen, Julian Gerhard, Café 612, Moritz Krämer.
    ACHTUNG: Staring Girl ENTFÄLLT wegen Krankheit; Gisbert spielt erst NACH dem Champions League-Finale.
    ca. 21 Uhr Café 612 ca. 22 Uhr Julian Gerhard ca.  23:30 Uhr Gisbert zu Knyphausen & Band (Gastauftritt von Moritz Krämer)Tickets: 19 Euro

  • Sonntag, 23. Mai 2010 - 19:00 - The Great Räng Teng Teng
    Crime Killing Joker Man, Herr Hund, Clocks, Reebosound, You?Spy!
    Tickets: 8 Euro, kein Vorverkauf
3-Tage-Festivalticket: 27,50 Euro
Bei Vorlage eines Tickets für einen der anderen Festivaltage bekommt man an an der Abenkasse ein reduziertes Ticket: Tage 1 & 3: jeweils 5 Euro, Tag 2: 15 Euro
BZ-Kartenservice: 01805.55 66 56 (0,14 Euro/Minute aus dem deutschen Festnetz, Mobilfunk max. 0,42 Euro/Minute)



Video: 7 Sachen für Gisbert zu Knyphausen