Online-Petition

Verwirrung um "Horror-Geocaching" in Endingen

Daniel Laufer

Ein Endinger sieht Parallelen zwischen dem Mordfall Carolin G. und der Event-Beschreibung einer GPS-Schatzsuche. Er ist entsetzt und startet eine Online-Petition. Dann kommt heraus: Es war wohl nur ein Missverständnis.

Als Michael Huber am Mittwochabend von einem Bekannten den Link erhält, ist der Endinger entsetzt: In seiner Stadt, wo ein mutmaßlicher Serientäter im November 2016 die 27-jährige Carolin G. in einem Waldstück vergewaltigt und getötet hat, sind scheinbar "Horror-Geocaching"-Veranstaltungen geplant – zu buchen für 35 Euro pro Teilnehmer. Geocaching ist eine Art Schatzsuche mit GPS-Empfänger.


"Begeben Sie sich auf die Suche nach dem Vermächtnis eines Serienmörders, der vor nicht allzu langer Zeit in dieser Gegend sein Unwesen trieb", heißt es in der Beschreibung auf der Webseite der Essener Firma Querfeldeins. "Es geht auf verschlungenen Pfaden durch den düsteren Wald. Unterwegs machen Sie grausige Entdeckungen."

Parallelen zum Mordfall Carolin G.

Huber erinnert das an den Fall Carolin G. Seit ihrem Tod im November engagiert er sich in der Gemeinde, betreibt eine Facebook-Gruppe, in der sich Endinger verabreden können, wenn sie mit dem Hund raus müssen – gemeinsam. Als die Nachricht vom "Horror-Geocaching" die Runde machte, hätten ihn andere gedrängt, etwas zu unternehmen, sagt er am Donnerstag.

Also googlete er los. Zwei bis drei Stunden später hatte er die Petition auf der Internetplattform Change.org erstellt. Er bezeichnete das Endinger "Horror-Geocaching" darin als "geschmacklos" und forderte Querfeldeins auf, die Veranstaltung einzustellen. "Ich fand das einfach unfassbar und wollte nicht, dass die Familie von Carolin noch mehr belastet wird."

Als nächstes postete er die Petition bei Facebook, andere verbreiteten sie weiter. Viele schrieben wütende Emails an den Veranstalter.

Keine konkreten Pläne für "Horror-Geocaching"

Das Problem: Noch am Mittwochabend wurde Michael Huber klar, dass es womöglich nie konkrete Pläne gegeben hatte, in Endingen ein "Horror-Geocaching" stattfinden zu lassen. Mittlerweile hatte er sich die Seite des Veranstalters näher angeschaut. Die war offenbar so programmiert worden, dass sie automatisch ein passendes Ergebnis anzeigte – ganz egal, welchen deutschen Ort ein Besucher eingab. Huber kam ins Grübeln. "Ich wollte dann erstmal langsam machen, aber die Petition war ja schon erstellt."

Über Nacht kamen Unterzeichner hinzu, bis zum Donnerstagmittag waren es mehr als 200. Bei Facebook dürften Tausende davon erfahren haben. Huber rief bei Querfeldeins an, dort wusste man schon von der Aufregung. Am Nachmittag entschuldigten sich die Essener. "Wir sind sehr betrübt darüber und wollten niemandem zu nahe treten", sagt Gesellschafter Till Preis.

Mit dem Fall Carolin G. habe die Veranstaltung nichts zu tun gehabt, das "Horror-Geocaching" gebe es schon seit 2014. In Endingen habe es niemals stattgefunden. Trotzdem hat Querfeldeins das Event vorerst aus dem Programm genommen: Wer den Link anklickt, den Michael Huber am Vortag öffnete, erhält eine Fehlermeldung. Der Endinger hat nachgezogen und den Text-Inhalt seiner Petition gelöscht.

Noch immer zu sehen sind die Facebook-Posts und Kommentare, verteilt auf Privatprofilen und in Gruppen. "Daran sieht man mal wieder, wie krank und kaputt unsere Gesellschaft ist", schreibt eine Nutzerin. Darunter hat jemand den Link zur Seite von Querfeldeins gepostet.

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