Versucht der Guardian Christian Streich in die Premier League abzuwerben?

Daniel Laufer

Die britische Tageszeitung The Guardian hat Christian Streich ihre Liebe gestanden - in einem ausführlichen Artikel. Und das so überschwänglich, dass man dahinter fast eine bestimmte Absicht vermuten könnte:



Der Guardian hat Christian Streich seine Liebe gestanden. An diesem Donnerstagmittag hat die britische Tageszeitung auf ihrer Webseite einen Artikel veröffentlicht - als Beispiel dafür, dass es sich für Vereine auszahlen kann, ihren Trainern zu vertrauen und an ihnen festzuhalten. Auch in schwierigen Zeiten. Der Titel: "A lesson from SC Freiburg in Germany: back your manager and give him time."


Der Journalist Jason Humphreys zeichnet Streichs Weg nach, erzählt, wie der vom Jugendtrainer zum Chefcoach wurde und es mit dem Sportclub bis ins Halbfinale des DFB-Pokals und der Europa League schaffte - und dabei Talente förderte wie Matthias Ginter.

"Streich is a dichotomy"

Konkret schildert er eine für Streich typische Szene aus dessen erstem Spiel als Trainer des SC. Ginter hatte Freiburg gegen Augsburg gerade in Führung gebracht - in der 88. Minute:

"The stadium erupted and the entire Freiburg bench ran on to to the pitch in celebration – apart from Streich. Motionless, he stood and took in the scene for a couple of seconds as his staff swarmed by him, before he suddenly jerked into action and ran down the touchline, bellowing at his players to get back into their own half and concentrate on seeing out the game. Gesticulating wildly and screaming to make himself heard over more than 20,000 relieved fans, you would think his team had just conceded."

Humphreys bezeichnet Streich als zwiegespalten. Zum einen sei er unprätentiös, ein "Jeans-and-T-Shirt-Trainer", der sich nicht hinter Klischees versteckt. Zum anderen einfühlsam, ein reflektierter Mensch, mit dem man auch über gesellschaftliche Probleme sprechen kann.

Der Journalist erinnert an eine Pressekonferenz im September, bei der Streich lange über die Situation der Flüchtlinge sprach. "Jetzt haben wir wenig über Fußball geredet, aber es gibt wichtigere Themen", hat der am Ende gesagt. "In his thick south-German accent", wie Humphreys schreibt.

Video: Christian Streichs Flüchtlingsansprache - Langfassung (September 2015)



Freiburg? Einer der schönsten Orte Deutschlands

Dem Autor scheint Freiburg gefallen zu haben: Die Stadt sei einer der schönsten Orte Deutschlands, an dem Palmen wüchsen und die warmen Temperaturen die Menschen dazu verleiteten, die Zeit in Straßencafés und Bars zu verbringen.

Das Schwarzwald-Stadion sei zwar altmodisch und eng, dafür könnten 24.000 Zuschauer aber eine beachtliche Atmosphäre erzeugen, so Humphreys.

Er lobt den Verein. Auch nach dem Abstieg aus der Bundesliga war klar gewesen: Streich würde Trainer bleiben. Nun ist der Sportclub Tabellenführer in der zweiten Liga, der Aufstieg scheint machbar, sogar ein neues Stadion ist geplant. "The future seems bright for the club from one of Germany’s sunniest cities."

Wir verstehen, dass ihr neidisch seid, liebe Briten: auf unsere Palmen (?), auf unsere Sonne, auf unseren Trainer. Aber: Das bleibt hier. Alles. Hört ihr?!
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[Foto: dpa Picture Alliance]