Vermummte Schalke-Ultras attackieren SC-Fanprojekt – Pyrotechnik beschlagnahmt

Joachim Röderer

Über 30 Festnahmen, beschlagnahmte Drogen und Pyrotechnik, zwei Verletzte und ein aus der Stadt eskortierter Bus. Das ist die Bilanz der Polizeieinsätze rund um das Spiel SC Freiburg gegen Schalke 04.



Mehr als 30 Festnahmen, beschlagnahmte Drogen und Pyrotechnik, zwei Verletzte und ein aus der Stadt eskortierter Bus: Das ist die Bilanz der Polizeieinsätze rund um das Spiel SC Freiburg gegen Schalke 04 am Samstag. Und es gab eine erneute Attacke auf das Fanprojekt an der Schwarzwaldstraße. Schalker Ultras hatten Freiburger Ultras angegriffen.


Den bisherigen Ermittlungen der Polizei zufolge hielt am Samstag kurz nach 18 Uhr einer der Schalker Fanbusse in der Nähe des Fanprojekts Ecke Schwarzwaldstraße/Sandfangweg, rund einen Kilometer vom Schwarzwaldstadion entfernt. Vermummte Schalke-Fans stiegen aus und attackierten Freiburger Anhänger beim Fanprojekt. Es kam zu einer Schlägerei. Die eingetroffenen Polizeikräfte konnten die Gruppen aber schnell trennen. Die gut 30 Schalker Businsassen wurden vorläufig festgenommen. Sie kassierten ein Aufenthaltsverbot für den Stadtbereich Freiburg. Bei der Durchsuchung des Busses wurden zudem Drogen und Vermummungsmaterial gefunden. Auch bei mehr als 90 Freiburger Fans wurden die Personalien festgestellt, was ruhig und schnell über die Bühne ging.

Das Ganze ging verhältnismäßig glimpflich aus: Auf beiden Seiten wurde nur jeweils eine Person verletzt. Die Polizei ermittelt gegen die Schalker Beteiligten wegen Landfriedensbruchs, gefährlicher Körperverletzung sowie wegen Verstoßes gegen das Versammlungsgesetz. Der Schalker Bus wurde von der Polizei aus der Stadt hinaus begleitet.

500 Schalker Ultras waren beim Spiel in Freiburg

Bereits Ende März war das Freiburger Fanprojekt von Nürnberger Ultras angegriffen worden. "Es ist natürlich eine Katastrophe, dass es schon wieder passiert ist", sagt Dirk Grießbaum, Sozialarbeiter beim Fanprojekt. Möglicherweise haben beide Fälle auch miteinander zu tun: Nürnberger und Schalker Anhänger verbindet eine Fan-Freundschaft. Beim Fanprojekt wundert man sich jedenfalls, dass der Ultra-Bus aus Gelsenkirchen ohne Begleitung durch die Polizei am Fanprojekt vorbeifahren konnte. Beim Fanprojekt fragt man sich nun, ob die Polizei diesen Bus nicht "auf dem Schirm" gehabt habe. Sozialarbeiter Grießbaum will den Zwischenfall mit seinem Kollegen vom Schalker Fanprojekt in den nächsten Tagen besprechen und aufarbeiten.

Bei der Polizei hat man keine Hinweise darauf, dass es eine Verbindung zwischen den Vorfällen gibt. "Es waren auch keine Nürnberger dabei", so Gabriel Winterer, der Einsatzleiter der Polizei. Der Bus mit den Schalker Ultras sei der Polizei tatsächlich durchgeschlüpft, wie Winterer sagt. Er sei jedoch von der Fan-Gruppierung konspirativ angemietet worden. Insgesamt seien rund 500 Gelsenkirchener Ultras mit rund 20 Bussen angereist. "Das sind Dimensionen, da wird es dann schwierig", sagt der Einsatzleiter. Da könne auch nicht jeder Bus von einem Polizeiaufgebot begleitet werden. Gleichzeitig sei es auch nicht möglich, 60 Polizisten am Fanprojekt zu postieren. "Wäre das Fanprojekt an einer anderen Stelle, hätten wir die Probleme nicht", sagt Winterer. Das Fanprojekt will aber an dem Platz bleiben, weil man den Standort wegen der Nähe zum knapp ein Kilometer entfernten Stadion für geeignet hält.

Rund um das Spiel gab es aber noch mehr Probleme: So hatten bereits gegen 11.30 Uhr auf einer Autobahnraststätte bei Baden-Baden Insassen eines anderen mit mehr als 40 Schalker Fans besetzten Busses WC-Häuschen mit dem Schalker-Emblem beschmiert, Pyro-Technik und Böller gezündet sowie Autofahrer belästigt. Als der Bus in Freiburg ankam, kontrollierte ihn die Polizei und stellte Pyrotechnik, Betäubungsmittel und Farbspraydosen sicher. Für diese Schalker Fans war damit der Spieltag beendet: Der Bus musste – von der Polizei bis an die Landesgrenze begleitet – direkt wieder zurück in den Ruhrpott fahren.

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