Verlangen zwei Freiburger Burschenschaften bald 'Ariernachweise'?

Konstantin Goerlich

Die "Deutsche Burschenschaft", ein Verband, in dem mehr als 120 Burschenschaften organisiert sind, ist gespalten: Soll wieder die Abstammung zur Volkszugehörigkeit zählen? Auch zwei Freiburger Burschenschaften wären betroffen - es weht ein eiskaltes Lüftchen der Geschichte.



Die Deutsche Burschenschaft, kurz DB, ist der Dachverband von über 120 Burschenschaften in mehr als 50 Hochschulstädten. Bei ihrem jährlichen "Burschentag", der dieser Tage in Eisenach stattfindet, droht ihr nun die Spaltung. Grund ist eine neue, offen rassistische Regelung, die Spiegel Online fast verharmlosend als "Rechtsruck" einordnet: Bei neuen Mitgliedern soll zur Feststellung der Deutschen Volkszugehörigkeit fortan die Abstammung zu Grunde gelegt werden. Praktisch also ein Ariernachweis.


Auch in Freiburg gibt es zwei Burschenschaften unter dem Dach der DB: Die Saxo-Silesia und die Teutonia. Erstere sucht ausweislich ihrer Homepage Mitglieder mit "Einsatzfreude, Gemeinschaftsinn, Zielstrebigkeit im Studium und Erlebnisfreude in der Freizeit". Letztere tritt ein "für ein demokratisches, soziales und rechtsstaatliches Deutschland in einem freien, vereinten Europa." Auf den ersten Blick das genaue Gegenteil von Blut und Boden, auch wenn beide unter dem Wahlspruch der DB stehen: "Freiheit, Ehre, Vaterland".

Alles Nazis? "Vorsicht!" meint Vincent Heckmann, Vorstand im u-asta, der Studierendenvertretung an der Uni Freiburg. Zwar hat der u-asta keine pauschalen Regelungen für oder gegen Verbindungen, wohl aber positioniert er sich klar gegen Rassismus und damit auch gegen rassistische Burschenschaften. "Wer sich von soetwas nicht distanziert, kann nicht mit unserer Solidarität rechnen", sagt Heckmann.

Von den beiden Freiburger DB-Burschenschaften war bislang niemand für eine Stellungnahme zu erreichen - was angesichts des laufenden Burschentags wenig verwundert - und so muß wohl abgewartet werden, ob sie den sich abzeichnenden verschärften Rassismus mitmachen, oder die DB verlassen. Eine Prognose ist schwierig, obwohl die Saxo-Silesia beispielsweise selbst chinesischstämmige Mitglieder hat. Außerdem ist sie Mitglied im "Schwarzen Verband" in der DB.

Dieser verurteilt zwar politischen "Extremismus, der sich gegen die freiheitlich-demokratische Grundordnung richtet", tritt aber gleichzeitig "für die freie Entfaltung deutschen Volkstums in enger Verbundenheit aller Teile des deutschen Volkes in einem einigen Europa der Gemeinschaft freier Völker ein", und das sogar "unabhängig von den staatlichen Grenzen der Bundesrepublik Deutschland". Weiter heißt es jedoch: "Insbesondere soll die Einflußnahme des Dachverbandes auf die Mitgliedschaftsfragen der Einzelbünde unterbleiben." Na dann.

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    [Bild: Symbolbild, dpa, Burschenschaftstreffen 2002]