Verhandlungsbeginn im Mordfall Mirjam

David Weigend

Heute hat um 8.30 Uhr im Saal IV des Freiburger Landgerichts die Verhandlung begonnen gegen einen 31-jährigen Mann, der im April die 13-jährige Mirjam aus Auggen getötet haben soll. Viele Medienvertreter waren anwesend, der Zuschauerraum war restlos belegt.



Die Anklage

Staatsanwalt Stephan Zäh verlas zu Beginn die Anklage. Darin wird der 31-jährige Arbeiter aus dem Markgräflerland beschuldigt, der 13-jährigen Mirjam auf ihrem Schulweg gezielt aufgelauert zu haben; nachdem es dem Mann nicht gelang, sie zu vergewaltigen, soll er sie auf brutale Weise umgebracht haben - durch Schläge mit einer Flasche, die der Angeklagte am Tatort vorfand und durch das Würgen des Opfers. Der Mord geschah laut Anklage, weil der Beschuldigte Angst bekam, vom Opfer wiedererkannt zu werden.

Desweiteren wurden auf dem PC des mutmaßlichen Täters 263 Dateien mit kinderpornographischem Inhalt gefunden. Der Angeklagte soll sie sich gezielt aus dem Internet heruntergeladen haben. Mit geschlossenen Augen hörte sich der Angeklagte an, was ihm vorgeworfen wurde.

Die Beweislast gegen den mutmaßlichen Täter ist erdrückend und basiert auch auf Körperspuren, die der Mann am Tatort hinterließ. Der Angeklagte hatte freiwillig eine Speichelprobe abgegeben.



Biographie des Angeklagten

Daraufhin ergriff Georg Royen, vorsitzender Richter am Landgericht, das Wort. Er gab zunächst einen biographischen Abriss des mutmaßlichen Täters. Dieser saß neben seinem Verteidiger Ralf Hohmann und beantwortete im folgenden die Fragen zu seinem Lebenslauf, die Richter Royen stellte. Der Angeklagte tat dies mit leiser, monotoner Stimme, anfangs stockend, dann etwas flüssiger und in alemmanischer Dialektfärbung.

Aus dem, was der vermeintliche Täter von sich erzählte, ergibt sich in etwa folgendes biographisches Profil:
  • Geboren 1976 in Buggingen; vier Geschwister (zwei Brüder, zwei Schwestern)
  • Ausbildung und Beruf: Hauptschulabschluss, dann abgebrochene Schlosserlehre; Wehrdienst; Arbeitslosigkeit, unterbrochen von diversen befristeten Maßnahmen des Arbeitsamts im Landschaftsbau; schließlich Festanstellung bei einem kleinen Bauunternehmen in Müllheim
  • Hobbys: Modellbau, insbesondere Automodelle von VW, Sammlung von zirka 300 Modellen; Mitgliedschaft im Faschingsverein; Tiere, Natur
  • Familienstand: Im Alter von 29 Jahren lernt der Angeklagte seine erste Freundin kennen; er zieht mit ihr einige Monate später in eine gemeinsame Wohnung. Bis zu diesem Zeitpunkt hat der Angeklagte noch im Elternhaus gewohnt. Für den August dieses Jahres war die Heirat geplant.
  • Charakterliche Selbstbeschreibung: "Ich bin schüchtern, ruhig, zurückhaltend, hilfsbereit und freundlich. Ich arbeite gern."



Zitate des Angeklagten

Kommentare vom Angeklagten zu biographischen Eckpunkten:
  • Ausbildung zum Schlosser: "Ich musste immer die Dubelarbeit machen."
  • Wehrdienst: "Für mich war die Zeit unnütz. Mehr oder weniger Putzerei."
  • Faschingsverein: "Mein Spitzname dort ist Teddy. Ich war früher etwas dicker. Ich habe auch immer die Frauen beschützt und habe sie heimgefahren. Aber die Freundschaft zu ihnen war immer stärker. Sie waren immer wie Schwestern. Ich hatte da Probleme, da ich schüchtern bin."



Ausschluss der Öffentlichkeit

Nach 90 Minuten dann stellt Verteidiger Hohmann den Antrag, die Öffentlichkeit von der Verhandlung vorübergehend auszuschließen. Begründung: Es werde nun um die Tatmotivation gehen; in diesem Zusammenhang würde auch das Sexualleben des Täters en detail zur Sprache kommen.

Da die Persönlichkeitsrechte des Täters und seiner Partnerin berücksichtigt werden müssten, bittet Hohmann um Ausschluss der Öffentlichkeit. Das Gericht berät sich und entspricht dem Antrag. Die Fortsetzung der Verhandlung am kommenden Dienstag wird (zunächst) wieder öffentlich sein.



Zuschauerraum

Der Zuschauerraum ist vollständig gefüllt, größtenteils mit bärtigen Männern, 50 aufwärts. In der Verhandlungspause liest man die Bildzeitung. Auch die Empore ist restlos gefüllt. Als die Zuschauer den Saal IV verlassen müssen und auf dem Aushang nachschauen, wann die Fortsetzung angesetzt ist, ruft eine Zuschauerin wütend: "Der Verdächtige, der Verdächtige, ist doch lächerlich. Da drin sitzt er, der Mörder, ich weiß es."