Verborgene Theken: Zur Hasenlaube in St. Georgen

Andreas Meinzer

Vielmehr als die Vereinsgaststätte des Kleintierzuchtvereins, sondern ein kulinarisches Kleinod ist sie – dennoch wird die Traditionslokalität im Freiburger Südwesten zum 22. Dezember schließen. Nachfolger werden gesucht.

Die Lokalität und das Team

Einen Termin zum Probeessen zu bekommen, erwies sich als durchaus schwierig, ist doch die Hasenlaube fast jeden Abend komplett ausgebucht. Dabei ist die Bezeichnung "Laube" ein wenig irreführend: Das Gasthaus fasst rund 80 Plätze, etwa 30 im Hauptraum und 50 im Nebenraum. Im Sommer finden weitere 50 Besucher im Biergarten Platz.

Dieses beachtliche Gästeaufkommen meistert fünf Tage die Woche ein über Jahre eingeschworenes Team aus nur vier starken Frauen: Betreiberin Maria Treutle, Servicekraft Hilde, Küchenhilfe Heidi und eine weitere Kollegin im Service.

Am 7. Dezember 2018 wurden es 30 Jahre, dass Maria, auch am Herd die Chefin, gemeinsam mit ihrem Mann die Hasenlaube – zuvor lediglich Vereinstreff des Kleintierzuchtvereins C166 Freiburg St. Georgen – zu einer vollkonzessionierten Gaststätte machte, die Freunde gutbürgerlicher Küche und der Gemütlichkeit von nah und fern anzieht.

Nach dem 22. Dezember 2018 wird diese Geschichte jedoch an ihr Ende gelangen. Es sind keineswegs fehlender Besucherzuspruch oder wirtschaftliche Gründe, die bei Maria zum Entschluss führten, dieses Kapitel ihres Lebens zu schließen, sondern schlicht Altersgründe. Im Juni diesen Jahres verstarb außerdem ihr Ehemann, mit dem sie die Laube zusammen führte. Von ihren Kindern wollte niemand das Lokal weiterführen. Verständlich angesichts der Arbeit, die sie sich fast täglich zumutet: Rund 14 Stunden pro Tag steht sie in der Küche, trifft Vorbereitungen und besorgt die Einkäufe. Und dann noch die liebe Bürokratie.

Die Küche

"Ich bin unendlich glücklich, dass du mich liebst", ein Schlager der viel zu jung verstorbenen Schlagersängerin Andrea Jürgens, dringt aus dem Radio – eine Prophezeiung auf das kulinarische Erlebnis, das folgen wird. Die bestellte Hasenkeule mit handgeschabten Spätzle und Champignonsoße ist ein Gedicht und macht glücklich. Das Fleisch ist saftig, löst sich butterzart vom Knochen; der goldgelben Beilage sieht man das gute Handwerk an: Es sind auch dicke "Spatzen" dabei. So muss das aussehen und schmecken. Hasenbraten ist – naheliegend bei diesem Namen – die Spezialität des Hauses. Die Vereinsmitglieder liefern das Hasenfleisch. Ein Alleinstellungsmerkmal in Freiburg und Umgebung. Erst recht in dieser Spitzenqualität.
Daneben stehen weitere Klassiker der "gutbürgerlichen Küche" auf der Karte, die regelmäßig durch wechselnde Tages- oder Saisonangebote ergänzt wird: Saftige Lammschulter, Lammhäxle, Rindernüssle, Rumpsteak, Schnitzel, Cordon bleu oder Wurstspezialitäten.

Abschied und ungewisse Zukunft

Während des genüsslichen Speisens spielt das Radio Howard Carpendales "Deine Spuren im Sand" – ein Lied über Verlust und Abschiednehmen, das leider viel zu gut auch auf die Situation der Gaststätte passt. Diese wird aber mit Sicherheit ihre Spuren hinterlassen, unabhängig von der Frage, ob sich ein Nachfolger für den gastronomischen Betrieb findet. Bisher haben sich keine Interessenten gefunden, die die Arbeit von Maria weiterführen wollen. Spuren in den Biografien des Teams und der langjährigen Stammgäste, die überraschenderweise weniger aus St. Georgen kommen und sich auch eher selten aus den Reihen der Vereinsmitglieder rekrutieren, sondern von weiter her in die Laube pilgern.

Viele Gäste kommen schon seit Jahren gerne, sind mit den Betreiberinnen per Du und werden von Hilde rundum herzlich versorgt, kulinarisch wie menschlich. Seit sie 17 Jahre alt war, ist Hilde schon in der Gastronomie aktiv, in verschiedenen Gastwirtschaften im Hochschwarzwald sowie in Freiburg. In der Hasenlaube wirkt sie schon 25 Jahre, drei Tage die Woche.

Viele Gäste hat sie kommen und gehen sehen, auch endgültig. Der Stammtisch, über dem im besten Alemannisch ein Schild mit der Aufschrift "dohoggediewoimmerdohogge" prangt, ist im wahrsten Sinne des Wortes ausgestorben. Nun geht Hildes Zeit in der Laube zu Ende und der verdiente Ruhestand steht bevor – mit 70 Jahren, die man ihr keinesfalls ansieht und anmerkt. Das ein oder andere Schnäpsle am Stammtisch hält sichtlich vital.

Einen Rücktritt vom Abschied wie bei Howard Carpendale und ein Comeback wird es für sie und die jetzige Frauschaft der Hasenlaube nicht geben. Wenn sich kein Nachfolger oder keine Nachfolgerin findet, übernimmt der Kleintierzuchtverein den Ort eventuell – aber nur als internen Treffpunkt. Es ist zu hoffen, dass diese kulinarische Institution einen würdigen Nachfolger findet. Wäre es nicht wunderbar, wenn spätestens zur Osterzeit hier wieder Freund Langohr auf die innigste, genüsslichste Weise gedacht werden könnte?

Adresse

Zur Hasenlaube
Hagelstauden 69
79115 Freiburg
Telefon: 0761 / 49 91 66

Öffnungszeiten

Mittwoch bis Sonntag geöffnet ab 17 Uhr.
Montag und Dienstag Ruhetag.

Reservierungen dringend empfohlen.

Die Hasenlaube ist barrierefrei. Gastraum und Toiletten ebenerdig erreichbar.

Anfahrt

Mit der Buslinie 14 (Hauptbahnhof – Munzinger Str.) bis zur Haltestelle "Schulstraße". Direkt neben der Eisenbahnbrücke (in Sichtweite) einbiegen und entlang der Gleise (etwa 5 Minuten Fußweg).



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