Verborgene Theken: Zum Bahnhof in Staufen

Stephan Elsemann

Das Bahnhöfle ist eine Institution in Staufen. Das liegt an Lotte Stolz, die seit fast sechzig Jahren den Gasthof bewirtschaftet. Hier einzukehren ist ein Wagnis für Ungeübte, denn die Portionen sind so riesig, dass es schwer fällt, den Bahnhof nach dem Essen wieder zu verlassen. Das ist nicht schlimm, denn so bekommt man ziemlich sicher einige der alemannischen Witze zu hören, die die Wirtin zum besten gibt.



Ambiente

Heute gibt es Sauerbraten. Doch zuerst mal kommt eine Suppe auf den Tisch. Lotte Stolz steht selbst am Herd, wie jeden Tag. Sie balanciert die randvollen Suppenteller zu den Gästen. Die beiden jungen Männer wissen, was sie erwartet. Sie kommen in den Bahnhof, wenn sie großen Hunger haben, so wie heute, denn hier geht keiner hungrig raus. Nach der Suppe kommt der Sauerbraten mit einem Salat, mit Spätzle und Rotkohl. Damit im Magen auch ganz sicher kein Eckchen frei bleibt gibt es noch Kroketten dazu.

Lotte Stolz, die Wirtin vom Bahnhof wird im August achzig Jahre alt. Es ist damit zu rechnen, dass Staufen ihr einen großen Bahnhof bereiten wird. Seit fast sechzig Jahren ist sie hier zu finden – in der Küche, am Zapfhahn und im Plausch mit ihren Gästen. 1953 kam sie an den Staufener Bahnhof, um die Pächterin, ihre kranke Tante, zu unterstützen und zu pflegen. Nebenher zog sie drei Kinder auf und versorgte Wirtschaft und Hotel. Seit 1968 führt sie Kneipe allein, wenige Jahre später starb der Ehemann. Einfach war es nicht.



Doch ihre leuchtenden Augen erzählen davon, dass sich hier jemand nicht hat unterkriegen lassen. Nach dem Motto: "Ob am, ob reich, im Bahnhöfle sind's alle gleich", lässt sie ihre Gäste an ihrem Lebensmut teilhaben. Zu fortgeschrittener Stunde mutiert die kleine, schmale Frau zur Alleinunterhalterin, wenn sie auf alemannisch Witze erzählt – wie von dem Mann, der kleine Frauen liebt, weil da "alles so schön nah beieinander liegt". Früher war auch öfters jemand mit 'ner Ziehharmonika dabei und spielte dazu. Vorbei, jetzt kommt gleich die GEMA und will kassieren. "Die GEMA macht alles kaputt".

Ganz allein steht sie nicht mehr am Tresen. Ihre Tochter Klärle, die das Temperament von ihrer Mutter geerbt hat, ist stets dabei. Die glühende Anhängerin des SC macht sich Sorgen: "Was jetzt mit dem Dutt wird? Ob er bleibt?" Man weiß es nicht. "Der Dutt ist ein feiner Mann und sieht auch noch gut aus". Wenn sie jetzt einen neuen nehmen, muss er wieder so gut aussehen. Ein guter Trainer sollte er aber auch sein.



Auf der Speisekarte

Auf den Tellern ist der Fahrplan klar: Mittwochs Schnitzel, Donnerstag Hähnchen, Freitags Schäufele. Immer begleitet von Salat und Pommes kostet der Mittagstisch 6,50 Euro, mit Suppe sind es zwei Euro mehr. Elsässer Wurstslat oder Flammenkuchen bekommt man für 5,50 Euro. Oder Bauernwürste für 5 Euro.

Kaffeepreis

Beliebtestes Getränk ist Riegeler Bier, das hier zum Kampfpreis von 2,50 Euro für den halben Liter ausgeschenkt wird. Weizen kostet dasselbe. Ein Viertel Fasswein bekommt man für zwei Euro, einen trockenen Gutedel für 2,80 Euro. Eine große Apfelsaftschorle kostet zwei Euro (0,4l). Und eine Tasse Kaffee bekommt man für 1,50 Euro.



Wegbeschreibung

Zum Bahnhof heißt die Gaststätte. Die Anreise mit dem Zug bietet sich an. Es gibt stündlich mindestens eine Verbindung von Freiburg nach Staufen und zurück. Von Hauptbahnhof geht es zunächst nach Bad Krozingen. Dort zum Gleis 12 gehen. Das ist etwas versteckt seitlich hinter dem Bahnhofsgebäude. Dort fährt die kleine Bahn Richtung Münstertal. Falls sie nicht fährt, gibt es meistens einen Bus.

Am besten vorher über EFA informieren. Fahrtzeit circa 45 Minuten. Wer den letzten Zug verpasst hat, kann gleich bei Lotte Stolz im Bahnhöfle übernachten - zum Jugendherbergspreis von 20 Euro.



Lotte Stolz erzählt die Witze:



 

Adresse

Zum Bahnhof
Bahnhofstraße 6
79219 Staufen
07633-6190

Öffnungszeiten

täglich
9 bis 21 Uhr oder auch länger

Mehr dazu:

 

Foto-Galerie: Stephan Elsemann


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