Verborgene Theken: Trattoria im Primo-Markt

Stephan Elsemann

Italienische Hausmannskost vom allerfeinsten bietet die Trattoria im Primo-Market. Fabrizio Bonacci hat seinen italienischen Supermarkt um eine Trattoria bereichert und seit ein paar Wochen steht dort auch ein Pizza-Ofen. Die Zutaten für die Küche stammen nicht selten aus dem Supermarkt selbst.



Ambiente

Das Ambiente ist geblieben. Gott sei Dank, der Primo-Market hat immer noch etwas vom Charme einer Lagerhalle. Man denkt gleich an den Lieferwagen vor der Tür, mit frischen Waren aus Italien. Doch Fabrizio Bonacci, der das Geschäft vor neun Jahren übernahm, hatte mit der riesigen Ladenfläche mehr im Sinn, als bloß Regale mit Pasta und anderen Lebensmitteln zu füllen.

Es beginnt vor drei Jahren, als im hinteren Teil des Geschäftes eine Ladentheke installiert wird – zunächst zum Verkauf von Käse, Wurst und frischer Pasta. Ein Jahr später wird eine richtige Küche eingebaut und ein Koch angestellt: Costantino Mameli, der zuvor auch schon bei Angelo Pellegrini im Tizio kochte. Seither gibt es im Primo-Market einen Mittagstisch mit einer deftigen, sinnenfrohen italienischen Küche – "alla mamma", wenn man so will.



Doch Fabrizios Tatendrang ist noch nicht befriedigt, denn der Blick durch seine Ladenflucht förderte weitere ungenutzte Ecken zu Tage: Platz für eine Pizzeria. Dosenpyramiden – wie aus den Kolonialwarenläden der fünfziger Jahre –, die bis dato dem Horror vacui entgegenwirken, müssen nun einem Pizza-Ofen Platz machen, der nun samt Pizzaiolo "venuto da Napoli" dort installiert wird. Enzo Pragliola heißt der Mann, und er ist garantiert erst seit einem Jahr in Freiburg. Unverdorben durch die zersetzenden Wirkungen von Brösel-Mozzarella und Formfleisch-Schinken darf er hier seiner Kunst nachgehen.

Auf die nicht ganz ernst gemeinte Frage, ob wir denn auch eine "Pizza Wurstel" bekommen können, lacht er und muss uns enttäuschen. Er habe leider kein Friteuse da für die Pommes, die bei einer "Wurstel"-Pizza dazu gehören – nach neapolitanischem Usus. Nicht wirklich schlimm. Denn hier bekommen wir stattdessen eine Margherita wie sie sein soll: mit Büffelmozzarella, mit reichlich Basilikum, mit einem schönen Teig. In drei Minuten ist sie fertig. Wunderbar.



Man muss es mal betonen: Hier wird ausschließlich mit frischer Büffelmozzarella gearbeitet. Keine, auch keine von den besseren Pizzerien Freiburgs macht das. Und wo sonst bekommt man eine Pizza "Friarielli" mit Cima di Rape, einem wilden Broccoli und Salsiccia? Bonaccis Gemüse-Direktimport macht es möglich, dass alte, aber hierzulande völlig in Vergessenheit geratene Gemüsesorten neu zu Ehren kommen.

Einziger Wermutstropfen ist der fehlende Holzofen. Da macht nun mal der TÜV nicht mit. Viele und teure Auflagen für die Abluft sorgen in ganz Freiburg dafür, dass es es nur ganz wenige Pizzerien mit Holzofen gibt, was nicht unbedingt bedeutet, dass die dortigen Pizzabäcker ihr Handwerk auch verstehen.

Auf der Speisekarte

Eine Pizza Margherita kostet 7,90 Euro. Das ist wegen der Büffelmozzarella ausgesprochen preiswert. Wer in anderen Pizzerien das gleiche haben will, was aber niemals unter der Bezeichnung "Margherita" angeboten wird, zahlt deutlich mehr. Die Pizza "Frirarielli" bekommt man für 8,90 Euro. Die Luxus-Pizza mit Parmaschinken, Büffelmozzarella und Rucola kostet 12,90 Euro.



Wer gegen Mittag zum Essen kommt, hat die Qual der Wahl. Denn so lecker die Pizza schmeckt und aussieht, die Angebote von der Theke schräg gegenüber sind einfach ebenfalls sehr verlockend. Sechs, sieben Gerichte werden mittags gekocht, tagesfrisch. Costantino Mamelis Küche macht staunen, was alles möglich ist. Das halbe Mittelmeer ist versammelt auf der Tageskarte. Kraken, Muscheln, Hummer, Krabben und Bottarga. Das ist Thunfischrogen. Oder bei den Gemüsen: Cima die Rape ist dabei, Auberginen, schwarzer Reis oder Brennesseln, die zu einem Pesto verarbeitet werden. Beim Fleisch stehen Lammragout und Kalbsbraten auf der Karte.

Das alles bekommt man heute zu essen und morgen schon wieder etwas anderes. Costantino Mameli ist ein Mensch, der sehr bescheiden auftritt, doch mit großem Schwung zu Werke geht. Alles, was wir probieren, schmeckt großartig und nach mehr, ob es die Fischsuppe ist (8,90 Euro), der wunderbar zarte Kalbsbraten (14,90 Euro) oder die einfachen Orecchiette mit Brennesselpesto (5,90 Euro). Es ist eine Küche, die schnörkellos auf den Geschmack und die Qualität der Produkte setzt. Hausmannskost im besten Sinne. Weil man zusehen kann, wie die Gerichte entstehen, bekommt man Lust es nachzukochen. Wie schön, dass man viele der Zutaten aus dem Supermarkt gleich mitnehmen kann.



 

Kaffeepreis

Ein Espresso von der hübschen und talentierten Faema E61 kostet 1,50 Euro. Cappuccino bekommt man für 1,80 Euro, Latte Macchiato zwei Euro. San Pellegrino (0,5l) 3,90 Euro, Bad Dürrheimer (0,5l) 1,50 Euro. Wein darf Fabrizio Bonacci zur Zeit nur zum Probieren ausschenken. Eine Lizenz für den Alkoholausschank ist in Vorbereitung - ebenso wie die Erweiterung der Öffnungszeiten bis Mitternacht.

Wegbeschreibung

Vom Bertoldsbrunnen bis zum Siegesdenkmal laufen, die Kreuzung überqueren und geradeaus in die Habsburgerstraße weitergehen. An der ersten Straße rechts abbiegen. Das ist die Bernhardstraße. Ein paar Schritte und man steht vor dem Primo-Market. Vier Minuten Laufzeit. Erstaunlich, dass sich in diesem Stück Freiburger Brachialarchitektur neben dem Primo-Markt so viele schöne Adressen fürs leibliche Wohl halten können wie etwa das Café Mozart oder das Afghan-Eck.



Adresse

Trattoria im Primo-Markt
Bernhardstraße 6
79098 Freiburg
0761.2922441

Öffnungszeiten

Mittagstisch

Montag bis Samstag
11.30 bis 15.30 Uhr

Pizza

Montag bis Samstag
11.30 bis 14 Uhr und 17 Uhr bis 20.30 Uhr

Geschäft

Montag bis Samstag
9 bis 21 Uhr - und bald vielleicht bis 24 Uhr

Mehr dazu:

fudder: Verborgene Theken - Trattoria Tizio

Foto-Galerie: Stephan Elsemann