Verborgene Theken: Persepolis [Geschlossen]

Stephan Elsemann

Mit persischer Küche in entspannter Umgebung gewinnt das Persepolis seine Gäste schon seit 15 Jahren. Julia und Reza Alvandi Chomali begrüßen viele ihrer Stammgäste gleich mehrfach in der Woche. Das liegt nicht nur an der guten Küche. [Update: Mai 2013 - Das Restaurant ist geschlossen.]



Ambiente

"Willst du noch spielen mit dem Salat oder kann ich ihn mitnehmen?" Der Ton ist sehr familär im Persepolis. Das persische Restaurant in Herdern gibt es nun schon seit 15 jahren und seit neun Jahren residieren sie in der Habsburgerstraße. Der Eingang befindet sich jedoch in der Jacobistraße. Hinter einem viel zu großen Schild, das man von Durchgangsstraßen kennt, wo die die autofahrende Kundschaft zum Anhalten bewogen werden soll, duckt sich ein gemütlicher kleiner Biergarten. Auf das  Schild an der Straße könnte das Persepolis bestimmt verzichten, denn schon mittags ist es gut gefüllt.
Julia und Reza Alvandi Chomalo begreifen ihr Haus als Wohnzimmer für Freunde und Nachbarn. Und auch wer das erste Mal da ist, wird auf herzlichste Art und Weise aufgenommen. Die Räume sind zurückhaltend gestaltet mit Orientteppichen an den Wänden. Wie ein Fremdkörper wirkt allenfalls eine Art Raum im Raum: tragende Säulen und das Dach einer Scheune wurden von einem Vormieter in den Raum hineintransplantiert. Die kleine Irritation tut gut, denn so wäre es doch etwas allzu harmonisch hier.



Das Besondere

Im Persepolis wird sehr bewusst gekocht. Fast alle Zutaten stammen aus Bio-Anbau. Die Quellen und Lieferanten werden genannt und sind in einer Broschüre nachzulesen. Dosenfutter, Convenience und sonstige Helferlein aus der Lebensmittelindustrie sind Fehlanzeige. Was serviert wird, schmeckt auch deshalb noch einmal um einiges leckerer, als es ohnehin schon aussieht.

Exemplarisch können wir das beim Reis erleben, optisch ein weißer Reis wie jeder andere. Doch der Duft allein ist schon ist verführerisch, der Geschmack noch mehr. Reza Alvandi Chomali erklärt, wie er es macht. Das wichtigste: Man muss ihn vor dem Kochen einweichen – mindestens zwei Stunden. Sonst hat er während des Kochens nicht genug Zeit, Wasser aufzunehmen, was dazu führt, dass die Reiskörner außen schon verkocht sind, innen aber noch nicht gar. Reza verwendet einen besonderen "alten" Basmati-Reis, einen Reis, der gelagert wurde und in dem sich Aromen konzentrieren. Der kostet wegen der Lagerung beim Einkauf deutlich mehr als die üblichen Basmati-Qualitäten, was aber mit einem besserem Geschmack belohnt wird.

Reza Alvandi Chomali kam, wie viele seiner Landsleute, als politischer Flüchtling aus dem Iran nach Deutschland. Zwar hat er hier jetzt nichts mehr zu befürchten. Doch trotzdem möchte er nicht, dass sein Foto Verbreitung findet, weshalb wir uns mit Abbildungen der leckeren Erzeugnisse seiner Küche begnügen. Der Koch ist ein ruhiger Mann und seinen Gerichten merkt man diese Souveränität bei der subtilen Würzung an.

Granatapfel spielt eine Rolle, Limetten finden ihren Platz, auch etwas Zwiebelsaft. Und Safran natürlich, der iranische ist der beste, das weiß man hier und so viel Patriotismus muss sein. Das Gewürz ist mit 4000 Euro für ein Kilo mittlerweile so teuer geworden, dass nur noch auf Wunsch damit gekocht wird. Die persische Küche hat Bezüge zu den Küchen Indiens und Afghanistans. Doch ist sie weniger scharf als die indische Küche und leichter als die afghanische – zumindest so, wie sie im Persepolis gekocht wird.



Auf der Speisekarte

Die Speisekarten des Persepolis befinden sich im Umbau. Julia und Reza Alvandi Chomali wollen hin zu weniger Gerichten und noch mehr Bio. Mittagstisch gibt es ab 8,50 Euro. Vier oder fünf Gerichte stehen auf der Tafel. Hähnchenbrust mit Gemüse (11 Euro) etwa oder Falaffel mit Hummus, Reis oder Gemüse und Salat (8,50 Euro). Abends wird es üppiger: Mit Fessendjan, einer Hähnchenkeule mit schwarzer Granatapfelsauce (18 Euro) oder Sabzi Gorme, einem Lammragout (16 Euro). Als Nachtisch versuchten wir ein heißes Mus aus Äpfeln mit Rosenwasser und Vanilleeis (5,50 Euro). Köstlich.



Getränke

Ein Espresso kostet 2,10 Euro. Einen Schwarztee aus dem Samowar bekommt man für 1,50 Euro. Mineralwasser kostet 2,70 Euro (0,5l). Anders als das große Schild verkündet, bekommt man hier kein Waldhaus Bier mehr, sondern Lammsbräu. Das ist eine Bio-Marke. Ein kleines Pils kostet 2,60 Euro. Ein Viertel Gutedel bekommt man für 4 Euro, einen Spätburgunder für 4,50 Euro. Sie stammen vom Weingut Feuerstein und sind ebenfalls Bio-Weine.



Adresse

Persepolis
Habsburgerstraße 89
79104 Freiburg
0761-39887
Web: Persepolis

Öffnungszeiten

Montag bis Freitag
12 bis 14.15 Uhr und 18 bis 23 Uhr

Samstag
18 bis 23 Uhr

Sonntag geschlossen

Wo?


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Foto-Galerie: Stephan Elsemann