Verborgene Theken: La Gaffe

Stephan Elsemann

Früher hat man an dieser Adresse eine Schluckbude der strengeren Art gefunden (Töfftöff), heute residiert in der Lehener Straße 49 Michael Fischer, der Wirt vom La Gaffe. Bei Fischer und seiner Köchin Ramona Schupp kann man nicht nur gut essen, sondern auch rätseln - bei den Quizabenden am Donnerstag.



Ambiente

Ein Wohnzimmer. Das ist der erste Eindruck von Michael Fischers Kneipe in der Lehener Straße. Klein und gemütlich ist das La Gaffe, mit ein paar größeren und einem kleinen Tisch – es sind Verhältnisse, die den Kontakt zwischen den Gästen fördern. Bei genauerem Hinsehen kann man auch ein Schlafzimmer erkennen, denn für den Tresen wurden die Fußteile eines alten Ehebetts zweitverwendet.

Michael Fischer übernahm die Gaststätte 2007. Sie ist einigen vermutlich noch als Töfftöff bekannt, eine Schluckbude der strengeren Art. Fischer ist ein Tausendsassa, der zuvor als Campingwart arbeitete, fürs Denkmalamt, als Verkäufer bei Hertie, als Versicherungsvertreter und auch als Kneipier. Er wollte sich einfach noch nicht zur Ruhe setzen mit 62 Jahren.

Mit dem La Gaffe hat der Rauschebart seine wahre Aufgabe gefunden. Allerlei Zeichnungen seines langjährigen Freundes Peter Späth an der Wand erzählen vom Rauschebart und wie sie auf den Namen für die Lokalität kamen. "Faire la Gaffe", ein Gesicht machen, heißt es auf französisch. La Gaffe ist auch der französische Name eines alteingessenen italienischen Restaurants in London. Der ideale Name für eine Freiburger Kneipe, die den Konventionen nicht entsprechen soll, passend zum bunten Lebenslauf des Wirts.



Publikum

Die wirklich einmal generationenübergreifende Zusammensetzung der Gäste mag der Beweis dafür sein, dass sich hier jeder sofort wohlfühlen kann. Das La Gaffe ist aber kein geschlossenes Revier von Stammgästen. Entspannte, offene Atmosphäre.



Das Besondere

Nach dem Abendessen wird gespielt. So will es die verklärte Vorstellung vom fernsehfreien, gemütlichen Abend in der Familie und so ist es im La Gaffe tatsächlich. Donnerstagabend ist Quizabend. Paul Abrook hat das Quizzen in die irischen Freiburger Kneipen gebracht.

Er ist einer der Quizmaster hier. Dreißig Fragen sind in drei Spielrunden zu beantworten. Gruppen bilden sich und arbeiten sich daran ab. Zu gewinnen gibt's zwei Flaschen Sekt, die meist gleich vor Ort verzehrt werden. Die Quizmaster im La Gaffe wechseln im Wochentakt und dürfen sich bei den Fragen ihren persönlichen Obsessionen hingeben.



Der Spezialist für Phobien ist heute nicht an der Reihe, dafür Mike, der es mit dem Papsttum hat. Den Papst kennt man zwar mit Namen, aber wie denn der Führer der griechisch-orthodoxen Kirche heißt, will er wissen oder welche Nationalhymne für den Sieger der Tour des France gespielt wurde oder wieviel das teuerste Mineralwasser kostet.

Die Köpfe werden gerieben an den Tischen, sehr zur Freude des Quizmasters und nach zwanzig Minuten präsentiert man die Lösungen. Die Quizgruppen tragen lustige Namen wie "Linke Ecke", "Tisch drei ohne Peter" oder "Drei gegen Alle". Nach dem ersten Durchgang liegt "Klein, dick und speckummantelt" klar vorne.



Auf der Speisekarte

Köchin ist Ramona Schupp, ein Glücksfall fürs La Gaffe. Die gelernte Arzthelferin fing als Aushilfe bei Michael Fischer an. Bis der Koch abhanden kam und Ramona in der Küche einsprang und dann dabei blieb. Sie besitzt das Talent, sich in der kleinen Küche zu organisieren und den sicheren Blick für das, was machbar ist.

Machbar sind ein Tagesgericht, ein Nachtisch und ein paar kleine Sachen. Gegessen wird, was auf den Tisch kommt. Das ist wie früher zu Hause und Ramona Schupp macht es zu einem Vergnügen.



Heute ist es eine Salatplatte mit Lachs und Meeresfrüchten. "Ich dachte, es ist so warm, da mach' ich was Leichtes." Kein Reis, keine Nudeln, keine Kartoffeln. Die Tagesgerichte kosten zwischen sechs und neun Euro. Das kann auch mal ein Ochsenschwanz in Rotwein sein oder ein Garnelenspieß mit Basmati-Reis. Die Rezepte kommen von überall her oder es wird einfach improvisiert. Crossover-Küche ist der Modeausdruck dafür.

Ramona Schupp ist mit Herz bei der Sache, es macht ihr sichtlich Freude und bestimmt schmeckt es auch deshalb besonders gut. Mal keine erneute Auftischung der immergleichen, mehr oder weniger gelungenen Schnitzelpommes. Pub cooking at it's best.



Kaffeepreis

Kaffee kostet 2,50, ein Kanne Kaffee – "keine Kännchen, bitte" – kostet 4,20 Euro. Die kleine Weinkarte ist sorgfältig zusammengestellt: Ein Weißburgunder vom Weingut Künz kostet 3,70 Euro, eine Flasche Elsässer Riesling Grand Cru bekommmt man für 14,80 Euro. Auch einige schöne Rotweine stehen auf der Karte, eine Orvalaiz aus Navarra ist ebenfalls für 14,80 Euro die Flasche zu haben, oder für 5,80 Euro das Viertel.

Doch Michael Fischer empfiehlt auch den Landwein für drei Euro und hat Recht damit. Waldhaus Bier bekommt man für 2,30 Euro (0,3l), ein Köstritzer für 2,50 Euro (0,3l). Mineralwasser kostet 2,50 Euro (0,5l).

Wegbeschreibung

Mit dem Fahrrad vom Zentrum über die Bertoldstraße bis zur Stadtbahnbrücke fahren, sich vor der Brücke rechts halten und dann in die Bismarckallee abbiegen.

Weiterfahren bis zur Kreuzung hinter dem Bahnhof, links abbiegen und durch den Fahrrad- und Fußgängertunnel in den Stühlinger fahren. Man fährt nun weiter geradeaus in die Lehener Straße und kreuzt die Eschholzstraße. Das La Gaffe sieht man nach ein paar Metern auf der linken Seite liegen. Sieben Minuten.

Adresse

La Gaffe
Lehener Straße 49
79106 Freiburg
0761-2085414

Öffnungszeiten

Dienstag bis Sonntag 17 bis 1 Uhr
Sonntag 10 bis 14 Uhr Frühstück

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Foto-Galerie: Stephan Elsemann