Verborgene Theken: Kandel-Imbiss in der Wiesentalstraße

Stephan Elsemann

Freiburg braucht mehr deutschen Imbiss, findet Muhammed Rahimi. Der gebürtige Afghane besorgte sich deshalb eine mobile Frittenbude und versorgt seit ein paar Monaten eine dankbare Kundschaft in der Wiesentalstraße mit Frikadellen, Würstchen, Pommes und auch einigem, das man dort nicht erwartet.



Ambiente

Ein Imbisswägelchen, das schon bessere Tage gesehen hat – mit selbst gemalten Schildern. Das ist selten, das fällt auf im geleckten Freiburg. Allein der Name verursacht Stirnrunzeln. Vom Kandel keine Spur und der Wagen schaut in die entgegengesetzte Richtung. Mit etwas Glück kann man aber den Schönberg sehen.

Der rührende Wagen am falschen Platz weckt freundliches Interesse. Dort muss es ja besonders gut schmecken. Wir vermuten einen Imbisswirt am Werke mit brennendem Ehrgeiz, die besten Würstchen mit den besten Pommes zu machen, mit einem großen Geheimnis um seine ganz spezielle Sauce.

Muhammed Rahimi ist neu als Imbissunternehmer. Erst vor ein paar Monaten hat er sich selbstständig gemacht. Seit fast zwanzig Jahren lebt der gebürtige Afghane schon in Freiburg. Er arbeitete zuvor bei Burger-King als Assistent-Manager.



Der Entschluss, ins kalte Wasser zu springen, kam im vergangenen Jahr. Endlich keinen Boss mehr haben und sein eigener Chef sein. Aber mit Currywurst? Mit Frikadellen? Mit Pommes? Warum nicht eine afghanische Imbissbude? Doch der Jungunternehmer sah eine Bedarfslage für deutschen Imbiss.

So beantragte er eine Lizenz, bevor er überhaupt einen Stellplatz gefunden hatte. Das Formular verlangt für das Kind einen Namen und so wurde der Kandel-Imbiss geboren. Der Kandel, ja, da war er mal grillen. Schön war das und zeitweise hatte er auch mal einen Standplatz in Hochdorf im Auge – mit Kandelblick. Später kann man den Namen schwer wieder ändern – das ist bei Vornamen nicht anders.

Hochdorf und Kandelblick sollten nicht sein, doch der Name blieb. Mit Bedacht wählte er den Standplatz in der Wiesentalstraße. Der erste Erfolg bei den hungrigen Mitarbeitern und Kunden der umliegenden Betriebe gibt Herrn Rahimi Recht.



Was ist am wichtigsten, um als Jungunternehmer im wilden Westen der Gastronomie zu bestehen: "Friede mit den Kunden", kommt spontan als Antwort und "gute Laune haben". Doch Geld kostet es auch, der Einstieg in die Unternehmerschaft. Rund 1000 Euro musste er für den betagten Wagen hinlegen und dann gingen noch einmal 2000 Euro für die neuen Elektrogeräte drauf sowie für die Einrichtung von Stromversorgung und Wasserversorgung – eigentlich gar nicht mal so viel.

Das Besondere

Also ein deutscher Imbiss soll es sein – aber die afghanische Küche hat durchs Hintertürchen doch Eingang ins Büdchen gefunden. Beim Tagesgericht nämlich. Jeden Donnerstag und manchmal auch am Mittwoch gibt es afghanische Küche. Gemüse, Salat und Putenfleisch mit Reis – für 3,80 Euro wie alle Tagesgerichte.

Muhammed Rahimi verwendet Basmati-Reis. Das ist Ehrensache. "Pamit" ist die Sorte, die er am besten findet. Wie das mit dem Reiskochen geht, erklärt er gern: Zuerst waschen, dann zwei Stunden im kalten Wasser ziehen lassen. Dann zusammen mit Öl und Gewürzen im Reiskocher oder auf dem Herd fertig garen. An Gewürzen verwendet er ein Massala, dessen Zusammensetzung natürlich nicht verraten wird. Mit dieser Methode kommt der Reis so körnig auf den Tisch, wie Onkel Ben und die Afghanen ihn lieben.



Auf der Speisekarte

...stehen die Imbissbuden-Standards. Wir probierten den Klassiker Currywurst mit Pommes und waren ein wenig enttäuscht. Die Currywurst war zu fest und dicht, mehr ein knackiges Wienerle, das fremd geht als eine richtige Currywurst, die zarter und dicker sein sollte. Die Sauce schmeckte zu sehr nach säuerlichem Ketchup und war auch zu dünn. Die Pommes waren korrekt frittiert doch fast ohne Eigengeschmack, genauso die Mayonnaise, immerhin eine 80-prozentige und kein Klon mit der Bezeichnung "Salat"-Mayonnaise.



Leider ist es so, dass der "Kandel-Imbiss" eine Freiburger Konkurenz nicht wirklich fürchten muss, denn zumindest bei Pommes Frites und Mayonnaise ist die Situation sehr traurig. Niemand zu sehen auf weiter Flur, der nicht mit vorfrittierter Tiefkühl-Ware arbeitet und keiner, der mal auf leckere Mayonnaise achtet.

Muhammed Rahimi bezieht alles von Markenherstellern, soweit das bei seinem Preisgefüge überhaupt möglich ist und verwendet ansonsten frische Zutaten. Doch vielleicht sollte er mehr noch seiner Zunge vertrauen als den Etiketten. Dass er sich darauf verlassen kann, beweist er mit seiner hervorragenden, selbst gemachten "scharfen Sauce". Das ist ein süß-saures, nicht allzu scharfes, aber sehr aromatisches Chutney, das natürlich auch alle Würste und den Fleischkäse hervorragend begleitet.



Eine Bratwurst und die lange Rote kosten hier zwei Euro. Eine Frikadelle bekommt man für 1,80 Euro. Die Currywurst kostet 2,10 Euro. Pommes bekommt man für 1,80 Euro. Ketchup, Mayo und Senf sind frei. Jedes Gericht lässt sich mit Pommes und Salat zum Tagesgericht umfunktionieren.

Das eigentliche Tagesgericht wechselt täglich. Montags gibt es Currywurst, dienstags ein Holzfällersteak, mittwochs und donnerstags Schnitzel oder afghanische Gerichte, freitags Gyros. Alle Tagesgerichte werden von einem Salat begleitet und kosten 3,80 Euro.

Kaffeepreis

Eine Tasse Kaffee kostet einen Euro, ein großer Becher Kaffee kostet 1,20 Euro. Alle Softdrinks bekommt man für 1,50 Euro, außer Red Bull (2 €).



Publikum

Der Kandel-Imbiss lebt von der Mittagspause der Firmen in der Nachbarschaft. Muhammed Rahimi will schon mehr als 40 Stammgäste gewonnen haben. Ein Mitarbeiter von der Auto-Teile-Firma nebendran freut sich über den kurzen Weg, weil er nur eine halbe Stunde Pause hat. Interessant von der Entfernung her wäre der Imbiss allerdings auch für Vauban-Bewohner, wenn sie mal aus ihrem grünen Ghetto rauswollen. Für die Kunden von Bauhaus und Co an der Basler Straße wäre der Kandel-Imbiss eine Alternative zum alteingesessenen Schwarzwald-Imbiss.

Wegbeschreibung

Stadtauswärts geht es über die Basler Straße bis Bauhaus. Hinterm Bauhaus links abbiegen. Das ist bereits die Wiesentalstraße. Noch 300 Meter und der Kandel-Imbiss folgt an der linken Seite. Es sind ungefähr fünf Kilometer von der Innenstadt aus, also etwa 20 Minuten mit dem Fahrrad.



Adresse

Kandel-Imbiss
Wiesentalstraße 1
79115 Freiburg
0761-38422742

Öffnungszeiten

Montag bis Samstag
9 bis 18 Uhr

Mehr dazu:


Foto-Galerie: Stephan Elsemann