Verborgene Theken: Kaffee und Kuchen im Kiez 57

Carolin Johannsen

Jeden Sonntag gibt es im Kiez 57 in der Belfortstraße Kaffee und Kuchen, selbstgebacken und nach Omas Art. Abends beginnt dann der reguläre Barbetrieb. Zwischen Kaffeeklatsch und Biertrinken entsteht eine einzigartige Atmosphäre.

Das Ambiente

Sowohl von außen als auch von innen sieht es im Kiez 57 aus wie in einer Bar und nicht wie in einem Café. An der Ecke Belfortstraße/Schnewlinstraße liegt diese Bar, die jeden Sonntagnachmittag Kaffee und Kuchen anbietet.

Das Sonntagscafé im Kiez ist wirklich eine verborgene Theke, denn wer daran vorbeigeht, ahnt nicht, dass dort Sonntagnachmittags ein zum Barbetrieb fast gegensätzliches Programm stattfindet.
An den Wänden kleben Poster und Sticker, Totenköpfe liegen auf einem Regalbrett, rote Lichtpunkte tanzen über den Boden und es läuft leise Musik. Der einzige Unterschied zur abendlichen Location sind die Vasen mit gelben Tulpen und Gläser mit Teelichtern, die auf Tischen verteilt stehen. An der Bar wird jetzt kein Bier gezapft, sondern von 13 bis 17 Uhr Kaffee gekocht und es gibt Kuchen "nach Omas Art."
Im Thekenbereich sind Sofas, Stühle und fast alle Barhocker besetzt – im Raucherbereich nebenan läuft auf der Leinwand Fußball und eine Familie mit zwei Söhnen spielt Billard. Eine sehr angenehme Atmosphäre und eine interessante Mischung aus Bar-Location und Café-Feeling.

"Gerade überlegen wir, eine Spielecke für die Kinder einzurichten." Christina

Die Idee

Seit Oktober gibt es im Kiez sonntags Kaffee und Kuchen, die Idee kam von den Stammkundinnen Lisa, Maria, Eva und Christina. Im Gespräch mit Inhaber Adib Degh Degh sei es eine spontane Idee gewesen, inzwischen ist das Sonntagscafé gewachsen und kommt gut an.
Es ist eines der Wochen-Highlight neben den anderen Besonderheiten, die das Kiez bietet. Während unter der Woche die Fahrradreparatur, jeden Sonntagabend der Tatortabend und ansonsten der normale Kneipenbetrieb stattfinden, ist das Sonntagscafé etwas für Jedermann.
"Es ist mir wichtig, dass nichts stehen bleibt", sagt Adib Degh Degh und setzt immer wieder auf neue Ideen und Veränderung. Ursprünglich sei das Café eine Idee "der Mädels" gewesen, die zu einer Leidenschaft geworden ist. Auch sonst ist Adib für Experimente offen. "Gerade überlegen wir, eine Spielecke für die Kinder einzurichten", erzählt Christina. Für sie und die drei anderen Frauen hinter der Theke ist das Sonntagscafé ihr Hobby und ein kleiner Nebenverdienst, unter der Woche arbeiten sie alle Vollzeit. Auch an den restlichen sechs Tagen gibt es Kuchen, allerdings nicht von den drei Frauen serviert.

Das Besondere

Man spürt, dass hinter dem Sonntagscafé eine Leidenschaft steckt. Es geht hier nicht um Gewinnmaximierung, es geht um die gemütliche Atmosphäre, den Austausch und die Vielfalt. "Ganz wichtig ist mir, authentisch zu sein", sagt Adib Degh Degh. Deswegen gibt es im Kiez auch keine ausgefallenen Kuchen, Soja-Latte oder Raw-Cakes, sondern "Kuchen nach Omas Art." Dazu guten Kaffee – mehr braucht es nicht, dass sich die Gäste wohlfühlen. Ein bisschen alternativ ist das auch schon fast. "Es soll auch anders sein als die ganzen anderen Cafés", erklärt Adib Degh Degh.

Die Karte

Hochwertig und ehrlich beschreibt das Angebot im Sonntagscafé im Kiez am Besten. "Hier gibt es nicht viel Schnickschnack", erklärt Christina. Stattdessen gibt es jeden Sonntag drei bis vier wechselnde Kuchen, die die vier Frauen selber backen. "Wir überlegen, was Oma früher immer gebacken hat und das machen wir dann", sagt Christina. Wichtig sind ihnen gute Zutaten, meist bio-zertifiziert und "ganz viel Liebe."
Am Tag des fudder-Besuchs gibt es Rüblikuchen, Donauwelle und klassischen Zitronenkuchen. In der Vergangenheit standen schon Mohnstreusel, Apfelkuchen oder Russischer Zupfkuchen in der Glasvitrine auf der Theke. Was es gibt, bleibt für die Gäste bis zum Betreten des Kiez eine Überraschung. Einige Klassiker wie den Zitronenkuchen, gibt es aber immer wieder.
Das Stück Donauwelle gibt es für drei Euro, der Zitronenkuchen kostet zwei Euro.
Eine Besonderheit neben den Kuchen ist auf jeden Fall der Kaffee. Die Bohnen bezieht Adib Degh Degh von Elephant Beans und röstet sie selbst. Er hat dafür eine Mischung aus 70 Prozent Arabica und 30 Prozent Robusta gewählt, die Bohnen sind Fairtrade und Bio. "Ich trinke selber sehr gerne sehr guten und sehr starken Kaffee und mir macht das Rösten Spaß", erklärt Adib Degh Degh.
Zum Kuchen machen Christina und ihre Freundinnen dann den klassischen schwarzen Kaffee (2,50 Euro), Espresso, Latte Macchiato, Cappuccino oder Milchkaffee. Zudem gibt es Tee und Chai Latte. Außerdem werden Sekt, Weinschorle und Bier sowie alkoholfreie Limonade und kostenloses Wasser ausgeschenkt.

Die Gäste

Familien mit Kindern, Männerstammtische, Studenten – sonntags ist das Publikum im Kiez bunt durchmischt. "Die meisten sind Freunde und Bekannte und Stammkunden", sagt Adib und begrüßt während des Gesprächs immer wieder Kunden mit Handschlag, ein paar netten Worten und einem Lachen. Die Stimmung ist locker und faszinierend. An der Bar trinken Mutter und Tochter eine heiße Schokolade, während an einem Tisch eine Männerrunde von Kaffee und Kuchen zum ersten Bier übergegangen ist.

Öffnungszeiten

Sonntagscafé: jeden Sonntag 13 bis 17 Uhr
Kiez 57: Montag bis Donnerstag

Sonntag 13 bis 1 Uhr

Freitag, Samstag 13 bis 3 Uhr.

Programm neben dem normalen Kneipenbetrieb (dieser startet immer ab 17 Uhr):

Montag bis Sonntag: Kaffee und Kuchen, dazu alle Sportereignisse live im TV, sonntags Tatort
Montag bis Freitag: "Reparier mit Bier" Do it yourself Fahrrad-Werkstatt mit Unterstützung.

Adresse & Telefonnummer

Belfortstraße 57
79098 Freiburg im Breisgau
Telefon: 0761/48979177

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