Verborgene Theken: Die "Wurscht" am alten Güterbahnhof

Christine Duttlinger

Wurscht. Das klingt fad, bräsig und ein bisschen eingestaubt. Ist es aber nicht, findet Ulrich Reichenbach, der Macher des Imbisses "Die Wurscht" am alten Güterbahnhof. Warum er einen landesweit einzigartigen Verkaufszyklus geschaffen hat und warum neben allerlei Wurstwaren auch Steaks und Stefans Käsekuchen verkauft werden:



Das Besondere

'Wie ein Steakhouse – nur mit Wurst!' So beschreibt Ulrich Reichenbach seinen neuen Imbiss. Genau wie im Steakhouse funktioniert auch hier das Bestellen nach dem Baukastenprinzip: Verschiedene Würste können mit verschiedenen Soßen und Beilagen kombiniert werden. Ob  man sich jedoch für Merguez oder Käsewurst entscheidet - eines ist immer gleich: die Wurstware wird auf dem Lavastein gegrillt. Die feinporige Oberfläche des Gesteins garantiere eine gleichmäßige Hitzeverteilung und bringe einen besonders rauchigen und kräftigen Geschmack, sagt Reichenbach.

Der Besitzer

'Die 'Wurscht' ist Teil des Familienbetriebs der Metzgerei Reichenbach im Glottertal. "Ein zusätzliches Standbein", sagt Reichenbach. Das Konzept: alles aus eigener Hand, eigene Viehaufzucht, Schlachtung, Verarbeitung und Verkauf. "Wenn du dir vorne ein Steak kaufst", so Reichenbach, "kann ich dir sagen wo das gewohnt und was es gefressen hat." Dieses geschlossene System sei in Baden-Württemberg einzigartig.

Vieh holen, Fleisch verkaufen und Büro managen: Hinter der Theke kann Ulrich Reichenbach nicht auch noch stehen. Aber dafür gibt’s Geschäftsführerin "Rosi". Roswitha Thoma bringt neben ihrem eigenen Currysoßen-Rezept auch Erfahrung mit: Bevor sie hinter der Theke der "Wurscht" stand, hat sie über 40 Jahre im ehemaligen Imbiss am Güterbahnhof die Würste auf dem Grill gewendet.

Die "Wurscht" ist ein Pilotprojekt: Reichenbach wollte wissen, ob das Konzept in Freiburg ankommt. Bislang seien die Reaktionen so gut, dass es bald eine zweite "Wurscht" in Freiburg gibt.

Die Speisekarte

Neben Käsewurst, Bockwurst und weiteren Sorten gibt es in der Wurscht auch einen exklusive Rarität: Schnitzel. Der Geheimtipp ist aber Rosis hausgemachte Currysoße. Wer nicht auf Curry steht, kann seine Wurst auch mit Rahmsoße oder Schwarzwaldsoße essen. Die Beilagen reichen von Pommes über Röschti bis hin zu Spätzle und Kartoffelsalat. Wer neben diesen Kalorienbomben was Leichtes mag, kann auch Salat bestellen. Eine Kombination aus Wurst, Beilage und Soße kostet sechs Euro, mit Getränk sieben.

Zusätzliches Schmankerl: Auch Stefans Käsekuchen wird hier verkauft. Nun muss man nicht mehr den Wochenmarkt abwarten, sondern kann in der "Wurscht" zu einem Latte Macchiato seinen Zuckerspiegel hochtreiben.

Ambiente

Von draußen wirkt die Wurst wie ein roter rechteckiger Legostein. An der Hauptseite kann man die die Fassade wegklappen, so dass eine Fensterfront enthüllt wird. Für Draußenjunkies stehen vor der Hütte schwarzsilberne Tische mit Stühlen bereit. Falls es regnet, gibt’s große Schirme.

Im Zentrum der "Wurscht" ist es hell: Tageslicht scheint herein und zusätzlich strahlen acht Lampen.  Zum Sitzen und Essen gibt's fünf hohe Tische mit gelben Lederhockern. Die Theke besteht aus hellem Holz und schwarzem Stein, die Wände hinter dem Bratreich sind orange gekachelt. Darüber prangt in Bild und Schrift die Speisekarte. Dazwischen: Geschäftsführerin Rosi. Neben Würste braten und Fritteuse schwenken,  fragt sie den Kunden was er den Wünsche.  Sie scheint gut gelaunt zu sein.

Publikum

"Vom Trucker über den Bauarbeiter bis hin zum Professor trifft man hier alle", sagt Reichenbach.  Vergangenen Mittwochnachmittag war das Publikum weniger gemischt: Im Inneren sitzt alleine ein älterer Herr mit Brille und Bier. Zwei Plätze weiter isst eine etwa 40-jährige Frau Schnitzel - ebenfalls alleine. Draußen wird sportlich geschlemmt: Zwei Männer in Adidas-Klamotten und schwarzen Turnschuhen essen Pommes. Am Tisch nebenan ist ein junges Paar dabei ihre Würste zu verzehren – er mit Spätzle, sie mit Rösti. Im Hintergrund: eine Dreiergruppe Anfang-20-Jähriger beim Currywurst essen. Sie lachen laut.

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